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Gescheiterte WM-Pläne - Kritik an FIFA-Chef Infantino dauert an: Spaniens Liga-Chef fordert Rücktritt
Schlagzeilen · 02.08.2026 11:37

Gescheiterte WM-Pläne - Kritik an FIFA-Chef Infantino dauert an: Spaniens Liga-Chef fordert Rücktritt

Kurz: Nach dem Scheitern der FIFA-Investorenpläne wächst der Druck auf Gianni Infantino. Spaniens Liga-Chef fordert den Rücktritt des Verbandspräsidenten.

Ein Führungsstil in der Kritik

Die jüngsten Ereignisse rund um die FIFA haben eine Debatte über die Zukunft der Verbandsspitze neu entfacht. Nachdem Gianni Infantino seine umstrittenen Pläne zur Vermarktung der Fußball-Weltmeisterschaft zurückziehen musste, ist die Kritik an seiner Amtsführung nicht verstummt. Besonders prominent äußert sich Javier Tebas, der Präsident der spanischen La Liga. Er sieht in dem gescheiterten Vorhaben kein isoliertes Ereignis, sondern ein systemisches Problem innerhalb des Weltfußballverbandes.

Forderung nach einem Neuanfang

Tebas, der seit langem als einer der schärfsten Widersacher Infantinos gilt, hat öffentlich den Rücktritt des FIFA-Präsidenten gefordert. Seiner Ansicht nach ist Infantino in seiner derzeitigen Position nicht mehr tragbar. Die Argumentation des spanischen Liga-Chefs zielt auf eine grundlegende Modernisierung der Verbandsstrukturen ab. Er fordert eine Führung, die Glaubwürdigkeit zurückgewinnt und Entscheidungen nicht einseitig trifft, sondern in einem transparenten Prozess mit den betroffenen Akteuren erarbeitet.

Die Kritik von Tebas geht über die bloße Ablehnung eines Investorendeals hinaus. Er spricht von einem Führungsmodell, das Macht zu stark konzentriert, notwendige Kontrollmechanismen schwächt und die Interessen der direkt Betroffenen ignoriert. Der Rückzug des aktuellen Plans wird von ihm lediglich als „Spitze des Eisbergs“ bezeichnet.

Hintergrund: Der umstrittene Investoren-Plan

Im Kern der Auseinandersetzung stand die Absicht der FIFA, durch den Verkauf kommerzieller Rechte an der Weltmeisterschaft hohe Milliardensummen zu generieren. Hierfür sollte das Tochterunternehmen „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) gegründet werden. Um die Zustimmung zu diesem Deal zu beschleunigen, hatte die FIFA laut Berichten eine Frist bis zum 19. September gesetzt und im Gegenzug Sonderzahlungen in Aussicht gestellt.

Dieses Vorgehen stieß auf massiven Widerstand bei verschiedenen Kontinentalverbänden. Besonders die UEFA bezog eine klare Gegenposition und drohte sogar mit einem Boykott der Weltmeisterschaft sowie weiterer FIFA-Turniere. Auch die Verbände aus Nord- und Mittelamerika (CONCACAF) sowie Asien (AFC) distanzierten sich deutlich von Infantinos Vorhaben. Angesichts dieser drohenden Spaltung sah sich der FIFA-Präsident gezwungen, das Projekt offiziell zu stoppen.

Kritik aus gesellschaftlicher Perspektive

Neben der sportpolitischen Ebene gibt es auch gesellschaftliche Kritik. Der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Latzel, ordnet die Vorgänge als Symptom einer tieferliegenden Entwicklung ein. Er sieht in der FIFA-Führung eine „korrupte Elite“, die sich über bestehende Regeln hinwegsetze. Latzel kritisiert zudem die fortschreitende Kommerzialisierung des Fußballs, die sich bereits in überhöhten Ticketpreisen und einer aus seiner Sicht unökologischen Gestaltung der WM-Turniere zeige.

Die Position der FIFA im Wandel

Gianni Infantino versucht unterdessen, die Wogen zu glätten. Er betonte, dass der Vorschlag nicht weiterverfolgt werde, um eine weitere Spaltung des Sports zu verhindern. Sein Ziel sei es nun, alle Parteien wieder zusammenzuführen. Dennoch steht Infantino vor einer schwierigen Phase: Im März des kommenden Jahres ist in Rabat, Marokko, die Wahl für eine weitere vierjährige Amtszeit angesetzt.

Obwohl der Gegenwind aus Europa und anderen Regionen stark ist, bleibt Infantino nicht ohne Rückhalt. Einige Verbände, darunter der ägyptische Fußballverband, haben ihm weiterhin ihr volles Vertrauen ausgesprochen. Auch Marokko, das als Gastgeber des FIFA-Kongresses 2027 fungiert, signalisiert Unterstützung. Zudem hatte der afrikanische Kontinentalverband CAF die Investorenpläne ursprünglich positiv bewertet.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Infantino die institutionelle Glaubwürdigkeit der FIFA wiederherstellen kann oder ob der Druck der Kritiker zu einer personellen Veränderung an der Spitze des Weltverbandes führen wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-stadion-spiel-gucken-12537018/ · Foto: Md Jawadur Rahman
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/kritik-an-fifa-chef-infantino-dauert-an-spaniens-liga-chef-fordert-ruecktritt-100.html