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Gamescom: „Afterworld“: Nächstes Paradox-Strategiespiel geht in die Postapokalypse
Technik · 27.08.2026 08:00

Gamescom: „Afterworld“: Nächstes Paradox-Strategiespiel geht in die Postapokalypse

Kurz: Paradox Interactive kündigt auf der Gamescom das Strategiespiel „Afterworld“ an. Es soll eine zugänglichere Alternative zu komplexen Titeln wie Stellaris werden

Ein neues Kapitel für Paradox Interactive

Auf der diesjährigen Gamescom in Köln hat der Publisher Paradox Interactive ein neues Projekt angekündigt, das die strategische Ausrichtung des Unternehmens erweitern soll. Unter dem Titel „Afterworld“ entwickelt das Studio ein postapokalyptisches Strategiespiel, das sich in einem entscheidenden Punkt von den bisherigen, oft als komplex wahrgenommenen Titeln wie „Europa Universalis“ oder „Crusader Kings“ unterscheiden soll. Das primäre Ziel der Entwickler ist es, eine deutlich höhere Zugänglichkeit zu gewährleisten. Während die klassischen Grand-Strategy-Spiele von Paradox für ihren enormen Tiefgang und ihre verschachtelten Menüstrukturen bekannt sind, die Neulinge bisweilen überfordern können, setzt „Afterworld“ auf ein neues Konzept. Das Spiel soll den Einstieg in das Genre erheblich vereinfachen, ohne dabei den strategischen Anspruch vollständig aufzugeben. Es handelt sich nach „Stellaris“ um den zweiten Versuch des Unternehmens, ein komplett eigenes, fiktives Universum zu erschaffen, in dem sich die Spieler entfalten können. Die Ankündigung auf der Messe unterstreicht den Willen des Publishers, ein breiteres Publikum anzusprechen, indem die Lernkurve zu Beginn einer Partie deutlich flacher gestaltet wird, während die strategische Tiefe im späteren Spielverlauf organisch wächst.

Die Welt von Afterworld und ihre Spielmechaniken

Der Schauplatz von „Afterworld“ ist ein prozedural generiertes Nordamerika, das nach einem weltumspannenden Krieg in eine Trümmerlandschaft verwandelt wurde. Die Spieler beginnen ihre Reise nicht als mächtige Herrscher, sondern als Anführer einer kleinen Gruppe von Überlebenden. In der Anfangsphase liegt der Fokus primär auf dem essenziellen Überleben: Die Beschaffung von Nahrung, Wasser und Treibstoff ist überlebenswichtig, um den Stamm durch die ersten harten Tage in der Ödnis zu bringen. Über den Verlauf von Generationen hinweg soll aus dieser kleinen Gemeinschaft ein Imperium entstehen, das den gesamten Kontinent umfasst. Ein zentrales Element der Spielmechanik ist dabei die Gestaltung der gesellschaftlichen Strukturen. Spieler haben die Freiheit, die Gesetze und die Glaubensvorstellungen ihres Stammes individuell festzulegen, was direkten Einfluss auf die Entwicklung der Zivilisation hat. Zudem spielt das Bergen von Technologien aus der Zeit vor dem großen Untergang eine wichtige Rolle, um den technologischen Fortschritt der eigenen Bevölkerung voranzutreiben und sich gegenüber rivalisierenden Stämmen zu behaupten.

Ein innovativer Ansatz für die Spieltiefe

Das Designkonzept von „Afterworld“ bricht mit der Tradition der bisherigen Paradox-Titel, die den Spieler oft direkt zu Beginn mit einer Fülle an Informationen und Benachrichtigungen konfrontieren. Game Director Dan Lind, der zuvor die Entwicklung von „Hearts of Iron 4“ verantwortete, beschrieb die Philosophie hinter dem Spiel während eines Briefings auf der Gamescom sehr anschaulich: „Es ist ein Paradox-Spiel, in dem es am Anfang nur einen Button gibt.“ Diese Aussage verdeutlicht den radikalen Ansatz, die Komplexität des Spiels erst nach und nach freizuschalten. Die verschiedenen Systeme und Mechaniken werden dem Spieler erst dann präsentiert, wenn sie für den aktuellen Fortschritt relevant sind. Diese schrittweise Einführung soll verhindern, dass Nutzer von der bloßen Menge an Optionen erschlagen werden. Der Aufstieg vom kleinen Stamm zum kontinentalen Imperium gliedert sich dabei in drei Phasen. Während die erste Phase das nackte Überleben in den Vordergrund stellt, folgen später diplomatische Interaktionen mit anderen Stämmen sowie die Phase der großen Bündnisse und Kriege, in der es um die Vorherrschaft über den gesamten nordamerikanischen Kontinent geht.

Die Akteure und die Bedrohung durch die Uralten

Die Entwicklung von „Afterworld“ wird maßgeblich von Dan Lind geleitet, der seine Erfahrung aus der langjährigen Arbeit an „Hearts of Iron 4“ in das neue Projekt einbringt. Auf der Seite der Spieler stehen die verschiedenen Stämme, deren Geschicke sie lenken. Doch die Welt von „Afterworld“ ist nicht leer. Neben anderen Stämmen, mit denen Diplomatie betrieben werden kann, existiert eine besondere Bedrohung: die sogenannten „Uralten“. Dabei handelt es sich um überlebende Anführer aus der Zeit vor der Apokalypse, die sich in der zerstörten Welt behauptet haben. Diese Gruppierungen erinnern in ihrer Rolle an die „Gefallenen Imperien“ aus dem Weltraum-Strategiespiel „Stellaris“. Sie stellen mächtige Akteure dar, gegen die sich der Spieler wappnen muss. Auch bei der Steuerung der Einheiten orientiert sich das Spiel an bekannten Mustern aus „Stellaris“. Zwar können Spieler ihre Truppen auf der Weltkarte strategisch positionieren und kommandieren, doch die eigentlichen Gefechte laufen automatisch ab. Der Fokus liegt somit weniger auf der taktischen Kontrolle in Echtzeit, sondern auf der übergeordneten strategischen Planung und dem langfristigen Aufbau des Reiches.

Einordnung der Strategie von Paradox Interactive

Einzuordnen ist das Vorhaben von Paradox Interactive als Versuch, die Nische der Grand-Strategy-Spiele zu verlassen und ein größeres Publikum zu erschließen. Den Berichten zufolge ist die Branche bestrebt, die Einstiegshürden für komplexe Strategiespiele zu senken, um auch Gelegenheitsspieler für das Genre zu begeistern. Dass Paradox mit „Afterworld“ ein solches Projekt angeht, zeigt, dass das Unternehmen die Kritik an der oft steilen Lernkurve seiner bisherigen Spiele ernst nimmt. Die Entscheidung, die Komplexität über den Spielverlauf hinweg zu steigern, statt sie von der ersten Minute an vollumfänglich zu präsentieren, ist ein bewährter Weg, um Spieler nicht zu frustrieren. Dennoch bleibt abzuwarten, ob die treue Fangemeinde, die gerade den enormen Tiefgang und die Komplexität der bisherigen Titel schätzt, diesen neuen, zugänglicheren Weg mitgeht. Die Parallelen zu „Stellaris“ deuten darauf hin, dass die Entwickler auf bewährte Mechaniken setzen, diese jedoch in ein neues, einsteigerfreundliches Gewand kleiden, um die Marke Paradox für eine breitere Zielgruppe attraktiv zu machen.

Offene Fragen und der weitere Ausblick

Der aktuelle Stand der Informationen lässt noch einige zentrale Fragen offen. So ist beispielsweise noch unklar, wie genau die prozedurale Generierung der Welt funktioniert und wie viel Varianz die einzelnen Spielrunden tatsächlich bieten werden. Auch die genaue Ausgestaltung der diplomatischen Systeme und wie stark sich die Glaubensvorstellungen der Stämme auf das Gameplay auswirken, bleibt abzuwarten. Zudem ist noch nicht bekannt, welche spezifischen Technologien aus der Zeit vor dem Untergang geborgen werden können und wie stark diese den Spielverlauf beeinflussen. Was den Zeitplan betrifft, so hat Paradox Interactive bisher keinen konkreten Veröffentlichungstermin genannt. Nach Angaben von Game Director Dan Lind befindet sich „Afterworld“ derzeit noch in der frühen Alpha-Phase der Entwicklung. Es wurde explizit bestätigt, dass das Spiel in diesem Jahr nicht mehr erscheinen wird. Interessierte Spieler haben jedoch bereits jetzt die Möglichkeit, das Spiel auf der Plattform Steam auf ihre Wunschliste zu setzen, um über zukünftige Entwicklungen und den Fortschritt der Produktion informiert zu bleiben.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-laptop-sitzung-sitzen-8721343/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://www.heise.de/news/Afterworld-Naechstes-Paradox-Strategiespiel-geht-in-die-Postapokalypse-11427157.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag