Ein umstrittener Vorstoß der FIFA
Der internationale Fußball steht vor einer Zäsur. Der Weltverband FIFA hat Pläne bekannt gegeben, die eine tiefgreifende Umstrukturierung der kommerziellen Vermarktung der Weltmeisterschaft vorsehen. Im Zentrum steht die Gründung einer Tochtergesellschaft namens „FIFA Forward Enterprise“ (FFE). Durch diese neue Einheit sollen Anteile an der Fußball-WM an private Investoren veräußert werden. Die FFE soll künftig sämtliche kommerziellen Aktivitäten sowie die Organisation der Turniere bündeln.
Die Art und Weise, wie diese Pläne kommuniziert wurden, sorgt für erhebliche Spannungen. Berichten zufolge hat FIFA-Präsident Gianni Infantino den 211 Mitgliedsverbänden ein Ultimatum gestellt: Bis zum 19. September müssen sie den Plänen zustimmen. Andernfalls droht der Weltverband damit, das Angebot einer einmaligen Auszahlung an die Verbände zurückzuziehen. Die UEFA kritisierte dieses Vorgehen scharf und bezeichnete das Ultimatum als bezeichnend für die gesamte Initiative.
UEFA formiert Widerstand
Die Europäische Fußball-Union (UEFA) sieht in dem Vorhaben eine Gefahr für den Sport. In einer offiziellen Mitteilung betonte der Verband, dass der Fußball nicht dazu genutzt werden dürfe, sich selbst und ein privates Umfeld zu bereichern. Der Widerstand gegen die Pläne wächst, und die UEFA hat bereits erste Schritte eingeleitet, um eine koordinierte Reaktion der europäischen Verbände sicherzustellen.
Nach Informationen, die sich mit Äußerungen der französischen Sportministerin Marina Ferrari decken, plant die UEFA eine Dringlichkeitssitzung mit allen 55 Mitgliedsverbänden. Bereits im Vorfeld findet eine Abstimmung in kleinerer Runde statt, um die Strategie für Donnerstag festzulegen. In diesem Kontext wird laut internationaler Medienberichte von „Sky“, „ESPN“ und „Bloomberg“ auch die Möglichkeit eines Boykotts der Weltmeisterschaft diskutiert.
Kritik aus anderen Kontinentalverbänden
Die Bedenken beschränken sich nicht nur auf Europa. Auch der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF sowie der asiatische Verband AFC haben deutliche Kritik geäußert. Die CONCACAF bemängelt insbesondere den intransparenten Prozess und das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens. Der AFC zeigte sich enttäuscht darüber, dass ein Vorhaben dieser Tragweite an die Öffentlichkeit gelangte, bevor die internen Governance-Kanäle genutzt werden konnten. Beide Verbände betonen, dass Projekte dieser Größenordnung auf Transparenz und einer sinnvollen Konsultation basieren müssten.
NGO warnt vor Korruptionsrisiken
Neben den Verbänden äußern auch zivilgesellschaftliche Organisationen massive Bedenken. Die NGO „FairSquare“ bezeichnete die Pläne als „skandalösen Ausverkauf unseres gemeinsamen Erbes“. Direktor Nicholas McGeehan betonte, dass der Fußball nicht das Eigentum der FIFA sei, um ihn an Private-Equity-Fonds zu verkaufen, deren primäres Interesse in der Gewinnmaximierung durch die Popularität des Sports liege.
Die Organisation warnt zudem vor den strukturellen Folgen: Ein solches Investorenmodell könne bestehende Patronagenetzwerke innerhalb der FIFA weiter stärken und Korruption begünstigen. FairSquare fordert daher einflussreiche Persönlichkeiten und Politiker dazu auf, sich dem Vorhaben entgegenzustellen. Zudem unterstützt die NGO Forderungen nach einer Untersuchung der Verbindungen von Gianni Infantino zu US-Präsident Donald Trump durch die FIFA-Ethikkommission.
Der Weg nach vorn
Die kommenden Tage werden entscheidend sein. Die FIFA setzt auf eine einfache Mehrheit unter den 211 Mitgliedsverbänden, um die Gründung der FFE und den Investoren-Deal zu realisieren. Ob die UEFA und andere kritische Verbände den Prozess durch ihre Dringlichkeitssitzungen und den angedrohten Widerstand noch stoppen können, bleibt abzuwarten. Die rechtlichen Hürden, zu denen laut Medienberichten auch eine mögliche Prüfung durch die US-Justiz zählt, bilden eine weitere Unbekannte in diesem komplexen Machtgefüge um die Zukunft des Weltfußballs.