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Für Kritik am Ukraine-Krieg: Elf Jahre Haft für Oppositionellen Schlosberg
Politik · 17.08.2026 17:59

Für Kritik am Ukraine-Krieg: Elf Jahre Haft für Oppositionellen Schlosberg

Kurz: Der russische Oppositionelle Lew Schlosberg wurde zu elf Jahren Straflager verurteilt. Zeitgleich wurde die Partei Jabloko von den Parlamentswahlen ausgeschloss

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

In einer schwerwiegenden Entscheidung gegen die politische Opposition in Russland wurde der prominente Politiker Lew Schlosberg zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Ein Gericht in der nordwestrussischen Stadt Pskow verhängte am 17. August 2026 eine Strafe von elf Jahren und einem Monat Haft in einem Straflager gegen den 63-Jährigen. Der Vorwurf gegen den ehemaligen Parlamentsabgeordneten wiegt schwer: Er soll die russische Armee diskreditiert und Falschinformationen verbreitet haben. Diese juristische Maßnahme folgt auf eine bereits im vergangenen Jahr erfolgte Festnahme wegen angeblicher Verunglimpfung der Streitkräfte. Schlosberg, ein bekanntes Gesicht der liberalen Partei Jabloko, hatte sich während des gesamten Prozesses unnachgiebig gezeigt und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als eine Katastrophe für sein Land bezeichnet. Die Verurteilung markiert einen weiteren Tiefpunkt im Umgang der russischen Justiz mit Kritikern des militärischen Vorgehens in der Ukraine. Das Strafmaß liegt nur geringfügig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die zwölf Jahre und einen Monat Haft für den Oppositionellen verlangt hatte. Die Partei Jabloko, die sich als einzige politische Kraft in Russland explizit für ein Ende des Krieges einsetzt, reagierte mit deutlicher Kritik auf das Urteil und bezeichnete den Vorgang als eine Tragödie, die den Zerfall der zeitgenössischen russischen Justiz verdeutliche. Schlosberg hat bereits angekündigt, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte

Die juristischen Konsequenzen für Lew Schlosberg sind drastisch. Der 63-jährige Politiker, der in Pskow vor Gericht stand, muss nun für elf Jahre und einen Monat in ein Straflager. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich zwölf Jahre und einen Monat gefordert. Schlosberg ist kein Unbekannter in der russischen Politik; er war früher als Parlamentsabgeordneter tätig und prangert die russische Politik, insbesondere seit der Annexion der Krim im Jahr 2014, konsequent an. Parallel zu diesem individuellen Urteil gegen Schlosberg vollzog sich ein Schlag gegen seine Partei, Jabloko. Diese wurde vor etwa einer Woche von den bevorstehenden Parlamentswahlen im September ausgeschlossen. Das Oberste Gericht in Russland gab dabei einer Klage der kremltreuen, ultranationalistischen Partei Rodina statt. Rodina warf Jabloko vor, eine vom Westen unterstützte Bewegung zu sein, die den russischen Staat unterminieren wolle. Zudem wurden Vorwürfe wegen angeblicher Verstöße gegen das Wahlrecht und das Urheberrecht erhoben. Der Parteichef von Jabloko, Nikolai Rybakow, wies diese Anschuldigungen als absurd und haltlos zurück. Während das Oberste Gericht am Montag über die Berufung von Jabloko verhandelte, kam es vor dem Gerichtsgebäude zu Festnahmen von Unterstützern der Partei, wobei die Polizei Journalisten und Sympathisanten den Zugang verwehrte.

Hintergrund – Vorgeschichte und bisheriger Verlauf

Die Wurzeln der Partei Jabloko, deren Name auf Russisch „Apfel“ bedeutet, reichen bis ins Jahr 1993 zurück, als sie von pro-westlichen Politikern gegründet wurde. Seitdem hat sich die politische Landschaft in Russland massiv verändert. Seit 2003 wird jede Parlamentswahl von der Regierungspartei Geeintes Russland gewonnen, die den Kurs von Staatschef Wladimir Putin stützt. Jabloko hat sich in den letzten Jahren als einzige relevante Kraft positioniert, die den Krieg gegen die Ukraine offen ablehnt. Die Parteiführung hatte die anstehenden Wahlen im September 2026 als eine Art Referendum gegen das militärische Vorgehen in der Ukraine deklariert. Der Druck auf die Partei und ihre Mitglieder hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht. Der Ausschluss von den Wahlen durch das Oberste Gericht ist das Ergebnis einer systematischen Kampagne, die von der Partei Rodina initiiert wurde. Diese nutzte juristische Mittel, um Jabloko als westlich gesteuerte Organisation zu diskreditieren. Die Festnahmen vor dem Obersten Gericht am Montag unterstreichen die angespannte Atmosphäre, in der sich die Opposition derzeit bewegt. Schlosbergs Verurteilung ist dabei kein isolierter Vorfall, sondern fügt sich in eine Reihe von Maßnahmen ein, die darauf abzielen, jede Form von organisierter Kritik am staatlichen Handeln zu unterbinden.

Die Beteiligten – Personen und Institutionen

Im Zentrum der Ereignisse steht Lew Schlosberg, ein führender Oppositioneller und ehemaliger Abgeordneter. Seine Partei, Jabloko, wird von Nikolai Rybakow geleitet, der sich vehement gegen die Vorwürfe der Gegenseite wehrt und die Einschüchterungsversuche vor Gericht öffentlich anprangerte. Auf der Gegenseite steht die Partei Rodina, eine ultranationalistische und kremltreue Gruppierung, die durch ihre Klage den Wahlausschluss von Jabloko erwirkte. Das Oberste Gericht der Russischen Föderation fungiert dabei als die entscheidende Instanz, die sowohl den Ausschluss von Jabloko bestätigte als auch die Berufung der Partei abwies. Ebenfalls involviert ist die russische Staatsanwaltschaft, die das hohe Strafmaß gegen Schlosberg forderte und durchsetzte. Auch Boris Wischnewski, ein weiterer bekannter Oppositionspolitiker, wird in diesem Kontext als eine der letzten Stimmen genannt, die noch Hoffnung auf einen politischen Wandel in Russland äußern. Die Regierungspartei Geeintes Russland, die den Kurs von Präsident Wladimir Putin stützt, profitiert von der Ausschaltung der Opposition, auch wenn Berichte darauf hindeuten, dass die Zustimmung für den Präsidenten in Russland sinkt und selbst aus den eigenen Reihen zunehmend Kritik laut wird.

Einordnung – Was das bedeutet

Die aktuelle Entwicklung lässt sich als eine konsequente Ausschaltung der verbliebenen politischen Opposition in Russland einordnen. Den Berichten zufolge ist der Ausschluss von Jabloko von den Wahlen ein entscheidender Schritt, um den Urnengang im September zu einem Prozess ohne echte Alternativen zu machen. Indem Jabloko als „vom Westen unterstützt“ gebrandmarkt wird, versucht die Regierung, die Partei aus dem legitimen politischen Diskurs zu drängen. Die Verurteilung von Lew Schlosberg dient zudem als deutliche Warnung an alle, die sich gegen den Krieg aussprechen. Die Tatsache, dass das Gericht die Berufung von Jabloko trotz der Proteste und der Argumente von Parteichef Rybakow ablehnte, zeigt laut Beobachtern, dass die juristischen Institutionen des Landes fest in das System der Machtausübung eingebunden sind. Die Argumentation der Partei Rodina, die als Vorwand für den Ausschluss diente, wird von Jabloko als „absurde Lügen“ bezeichnet. Einzuordnen ist das so, dass die russische Führung offenbar kein Interesse daran hat, bei den Wahlen ein „Referendum“ über den Krieg zuzulassen, wie es Jabloko geplant hatte. Die Repressionen gegen Unterstützer vor dem Gericht unterstreichen zudem die zunehmende Verengung des Raums für zivilgesellschaftliches Engagement in Russland.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Trotz der detaillierten Berichterstattung bleiben einige zentrale Fragen offen, die der vorliegende Quelltext nicht klären kann. Es ist beispielsweise nicht bekannt, in welchem spezifischen Straflager Lew Schlosberg seine elfjährige Haftstrafe verbüßen wird oder unter welchen Bedingungen er dort festgehalten wird. Auch bleibt unklar, welche konkreten „Falschinformationen“ Schlosberg im Detail verbreitet haben soll, da der Text hier nur allgemein auf die Diskreditierung der Armee verweist. Des Weiteren gibt der Text keine Auskunft darüber, ob es innerhalb der Partei Jabloko nach dem Wahlausschluss und der Verurteilung eines ihrer prominentesten Mitglieder interne Bestrebungen gibt, die Strategie anzupassen oder ob die Partei vor einer vollständigen Auflösung steht. Auch die Frage, wie die russische Bevölkerung auf den Ausschluss der einzigen Anti-Kriegs-Partei reagiert, wird nicht beantwortet, abgesehen von dem allgemeinen Hinweis auf eine sinkende Zustimmung für Präsident Putin. Es bleibt zudem offen, ob internationale Beobachter oder Organisationen auf das Urteil gegen Schlosberg reagiert haben. Schließlich wird nicht präzisiert, welche weiteren rechtlichen Schritte Jabloko nach der gescheiterten Berufung vor dem Obersten Gericht noch unternehmen könnte, um den Wahlausschluss doch noch abzuwenden.

Wie es weitergeht – Ankündigungen und Termine

Für die kommenden Wochen sind keine weiteren politischen Möglichkeiten für Jabloko erkennbar, an den Wahlen im September teilzunehmen, da die Berufung vor dem Obersten Gericht bereits abgelehnt wurde. Lew Schlosberg hat über seine Partei mitteilen lassen, dass er das Urteil anfechten werde. Dies deutet darauf hin, dass die juristische Auseinandersetzung in seinem Fall in eine weitere Instanz gehen könnte, auch wenn die Erfolgsaussichten angesichts des bisherigen Verlaufs als gering eingeschätzt werden. Die Parlamentswahlen in Russland finden wie geplant im September statt, nun jedoch ohne die Teilnahme der einzigen Partei, die sich explizit für ein Ende des Ukraine-Krieges eingesetzt hatte. Die politische Zukunft von Jabloko und ihren Mitgliedern bleibt ungewiss, während die russische Führung ihren Kurs der Unterdrückung von Oppositionellen fortsetzt. Es sind keine weiteren Termine oder konkreten Schritte für eine mögliche Aufhebung des Wahlausschlusses oder eine Revision des Urteils gegen Schlosberg genannt, die über die angekündigte Anfechtung hinausgehen. Die Situation bleibt somit hochgradig angespannt und die Handlungsspielräume für die liberale Opposition sind auf ein Minimum reduziert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-strasse-banner-menge-11421241/ · Foto: Mathias Reding
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/urteil-russland-schlosberg-100.html