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Frankfurt, Eschborn, Offenbach: Standortwettbewerb soll Region leuchten lassen
Regional · 05.03.2026 11:19

Frankfurt, Eschborn, Offenbach: Standortwettbewerb soll Region leuchten lassen

Kurz: Standortwettbewerb zwischen Frankfurt, Eschborn und Offenbach fördert regionale Zusammenarbeit und Wirtschaftswachstum.

Standortwettbewerb im Rhein-Main-Gebiet

Im Rhein-Main-Gebiet stehen Frankfurt, Eschborn und Offenbach in einem intensiven Wettbewerb um Unternehmen und Investitionen. Dieser Wettbewerb wird nicht nur von den jeweiligen Steuersätzen bestimmt, sondern auch von der Qualität der Infrastruktur und den verfügbaren Flächen. Die Städte betonen dabei ihre Zusammenarbeit, um die gesamte Region zu stärken.

Finanzielle Entwicklung in Frankfurt

Frankfurt verzeichnete 2024 einen Rekord von 3,17 Milliarden Euro an Gewerbesteuereinnahmen. Innerhalb von drei Jahren stiegen die Einnahmen um über eine Milliarde Euro. Prognosen deuten darauf hin, dass auch 2025 die Drei-Milliarden-Marke überschritten werden könnte. Trotz dieser positiven finanziellen Entwicklung sieht die Stadt sich Herausforderungen gegenüber, insbesondere durch die Konkurrenz aus dem Umland.

Gewerbesteuer in Frankfurt

Der Gewerbesteuer-Hebesatz in Frankfurt beträgt 460 Prozent, was im Vergleich zu anderen Großstädten hoch ist. Kämmerer Bastian Bergerhoff betont, dass der Hebesatz sich bewährt habe und Frankfurt nicht in einen Wettbewerb um die niedrigsten Steuersätze eintreten müsse. Vielmehr setze die Stadt auf andere Standortvorteile wie:

  • **Hervorragende Erreichbarkeit**
  • **Hochqualifizierte Arbeitskräfte**
  • **Moderne Digitalinfrastruktur**

Eschborn: Niedrigere Steuersätze als Strategie

Eschborn, nur wenige Kilometer nordwestlich von Frankfurt gelegen, hat einen Gewerbesteuersatz von 330 Prozent. Dies zieht Unternehmen an, darunter Vodafone und die Deutsche Börse, die ihren Sitz von Frankfurt nach Eschborn verlegt hat. Die Stadtverwaltung betont, dass der niedrigere Hebesatz ein legitimes Mittel im Wettbewerb sei.

Herausforderungen für Eschborn

Trotz der attraktiven Steuersätze sieht sich Eschborn auch Herausforderungen gegenüber. Die Verfügbarkeit von Flächen ist begrenzt, und die Verkehrswege sind insbesondere zu Stoßzeiten stark ausgelastet. Eschborn beteiligt sich aktiv an regionalen Projekten, wie dem Bau der Regionaltangente West (RTW), und fördert kulturelle Einrichtungen in der Region, um die Lebensqualität zu erhöhen.

Offenbach: Auf dem Weg zur Alternative

Offenbach, lange Zeit im Schatten Frankfurts, hat sich zunehmend als attraktive Option für Unternehmen etabliert. Mit neuen Flächen am ehemaligen Hafen und am Kaiserlei-Areal zieht die Stadt Unternehmen wie Samson und Hyundai an. Der Gewerbesteuer-Hebesatz liegt bei 440 Prozent, was nicht gesenkt werden kann, da dies durch Vorgaben der Kommunalaufsicht eingeschränkt ist.

Stärken von Offenbach

Oberbürgermeister Felix Schwenke hebt die schnellen Entscheidungswege und die Verfügbarkeit von Flächen hervor. Die Stadt hat sich als eigenständige Adresse etabliert und profitiert von der Nähe zu Frankfurt, ohne dass die Stadtgrenze international wahrgenommen wird.

Politische Perspektiven zum Wettbewerb

In der Frankfurter Kommunalpolitik gibt es unterschiedliche Auffassungen zum Standortwettbewerb. Während die FDP den Wettbewerbsaspekt betont, warnen andere Parteien vor einem Unterbietungswettlauf bei den Gewerbesteuersätzen.

Meinungen der Parteien

  • **FDP**: Sie sieht im Wettbewerb ein notwendiges Korrektiv, das Frankfurt dazu bewegt hat, den Hebesatz zu senken.
  • **CDU**: Diese Partei fordert eine faire Lastenverteilung zwischen Stadt, Region, Land und Bund, um die besonderen Herausforderungen Frankfurts zu berücksichtigen.
  • **Grüne und Volt**: Beide Parteien plädieren für Kooperation anstelle von Konkurrenz und warnen vor den Folgen eines reinen Steuerwettbewerbs für finanzschwächere Kommunen.

Expertenmeinungen zum Steuerwettbewerb

Wirtschaftswissenschaftler haben unterschiedliche Ansichten zum Standortwettbewerb.

Positive Aspekte

Alfons Weichenrieder von der Goethe-Universität sieht den Steuerwettbewerb als notwendig an, um Kommunen zu effizientem Wirtschaften zu bewegen. Er betont, dass Städte nicht nur über Steuern, sondern auch durch Standortqualität punkten müssen.

Risiken des Wettbewerbs

Michael Neugart von der TU Darmstadt warnt hingegen vor den langfristigen Risiken eines zu intensiven Wettbewerbs, der die Finanzbasis der Kommunen untergraben könnte. Insbesondere für Städte mit hohen Pflichtausgaben könnte dies problematisch werden.

Zusammenarbeit in der Metropolregion

Trotz des Wettbewerbs um Unternehmen arbeiten Frankfurt, Eschborn und Offenbach in zentralen Fragen zusammen. Ein Beispiel dafür ist die FrankfurtRheinMain GmbH, die die Region international vermarktet. Diese Zusammenarbeit könnte dazu beitragen, die Stärken der einzelnen Städte zu bündeln und die gesamte Region zu fördern.

Ausblick

Der Standortwettbewerb im Rhein-Main-Gebiet ist ein dynamisches Thema, das sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die beteiligten Städte mit sich bringt. Die nächsten Schritte werden entscheidend dafür sein, wie sich die wirtschaftliche Landschaft der Region weiterentwickelt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schwarz-weiss-spaziergang-am-flussufer-im-misty-park-35523877/ · Foto: Reel Mayer
Quelle: https://www.hessenschau.de/politik/kommunalwahlen/frankfurt-eschborn-offenbach-standortwettbewerb-soll-region-leuchten-lassen-v1,kom26-standortwettbewerb-100.html