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Forscher entwickeln flache Glasfasern mit inneren Strukturen als Sensoren
Technik · 14.08.2026 10:46

Forscher entwickeln flache Glasfasern mit inneren Strukturen als Sensoren

Kurz: Ein Forschungsteam hat flache Glasfasern mit speziellen inneren Strukturen entwickelt, die eine bis zu 1000-mal höhere Druckempfindlichkeit als runde Fasern bie

Ein technologischer Durchbruch in der Sensorik

Ein internationales Team von Wissenschaftlern des KTH Royal Institute of Technology in Stockholm und der University of Southampton hat eine bahnbrechende Entwicklung auf dem Gebiet der Glasfasertechnologie vorgestellt. Die Forscher haben flache Quarzglasfasern konzipiert, deren innere Mikrostruktur gezielt angepasst werden kann, um sie als hochsensible Messinstrumente für diverse physikalische Parameter einzusetzen. Während herkömmliche Glasfasern in der Regel einen runden Querschnitt aufweisen, haben die Wissenschaftler durch ein neuartiges Fertigungsverfahren eine flache Geometrie realisiert, die eine signifikant höhere Empfindlichkeit gegenüber äußeren Einflüssen wie Druck und Temperatur ermöglicht. Die Bedeutung dieser Innovation liegt in der Kombination aus kompakter Bauweise und einer außergewöhnlichen Robustheit gegenüber elektromagnetischen Störungen, was diese Fasern zu einer vielversprechenden Alternative zu klassischen elektronischen Sensoren macht. Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Arbeit wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications unter dem Titel „High aspect-ratio quadrilateral flexible silica optical fibers for enhanced multi-parameter sensing“ publiziert und unterstreichen das Potenzial, Glasfasern nicht mehr nur als reine Übertragungsmedien für Lichtsignale, sondern als aktive, intelligente Sensorkomponenten in komplexen technischen Systemen zu etablieren.

Technische Details und Fertigungsverfahren

Die Herstellung der neuartigen Sensoren unterscheidet sich grundlegend von konventionellen Methoden. Bisher wurden flache Glasfasern zumeist durch das nachträgliche Flachdrücken von runden Fasern erzeugt, was jedoch die strukturelle Integrität und die optischen Eigenschaften beeinträchtigen konnte. Das Forschungsteam entwickelte stattdessen eine spezielle Preform-Fertigung, die es erlaubt, die Fasern direkt in der gewünschten flachen Form zu produzieren. Ein zentraler Aspekt der Innovation ist die laserbasierte Glasbearbeitung, mit der die innere Mikrostruktur der Fasern bereits während des Herstellungsprozesses präzise modifiziert werden kann. Durch diese Technik ist es möglich, Hohlräume zu schaffen oder sogar Metallfüllungen, wie etwa eine Legierung auf Zinnbasis, in die Faser zu integrieren. Diese gezielten Modifikationen führen dazu, dass die mechanischen Eigenschaften der Faser so verändert werden, dass sie auf physikalische Veränderungen – insbesondere mechanische Spannungen und Druck – wesentlich empfindlicher reagieren als herkömmliche runde Glasfasern. Die Labortests der Forscher ergaben hierbei eine bis zu 1000-fach höhere Druckempfindlichkeit. Trotz dieser tiefgreifenden strukturellen Veränderungen bleiben die optischen Übertragungseigenschaften der Glasfasern vollständig erhalten, sodass sie weiterhin als Lichtleiter fungieren können.

Der Weg zur Entwicklung der neuen Sensortechnologie

Die Entwicklung dieser Technologie ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit zwischen den Instituten in Stockholm und Southampton. Der bisherige Verlauf der Forschung konzentrierte sich darauf, die Grenzen der klassischen Glasfaseroptik zu erweitern. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Geometrie der Faser ein entscheidender Faktor für ihre sensorische Leistungsfähigkeit ist. Durch die Abkehr vom runden Design hin zu einer flachen, quadrilateralen Form konnten die Forscher die mechanische Nachgiebigkeit optimieren. Die Integration von Metallen in die Mikrostrukturen stellt eine Erweiterung der bisherigen Einsatzmöglichkeiten dar, da dadurch beispielsweise thermische Einflüsse präziser erfasst werden können. Dieser Prozess der stetigen Optimierung, der nun in der Publikation in Nature Communications mündete, zeigt die Evolution von passiven Glasfasern hin zu multifunktionalen Sensoren. Die Forschungsarbeit basiert dabei auf der Erkenntnis, dass die Kopplung von optischer Signalübertragung und mechanischer Sensorik in einem einzigen, kompakten Bauteil den Bedarf an komplexer Verkabelung und störanfälliger Elektronik in kritischen Infrastrukturen massiv reduzieren kann.

Die Akteure hinter der Innovation

Maßgeblich an diesem Projekt beteiligt sind das KTH Royal Institute of Technology in Stockholm sowie die University of Southampton. Die Forschergruppe, zu der unter anderem Professor Chris Holmes von der University of Southampton zählt, hat mit ihrer Arbeit eine neue Dimension der Glasfasertechnologie eröffnet. Die Expertise der beteiligten Institutionen umfasst sowohl die Materialwissenschaften als auch die photonische Fertigungstechnik. Die Wissenschaftler agieren hierbei als Entwickler einer Plattformtechnologie, die für verschiedene industrielle Anwender von Interesse ist. Betroffen von dieser Entwicklung sind insbesondere Branchen, die auf eine hochpräzise Überwachung ihrer Strukturen angewiesen sind. Die Forscher betonen, dass die Faser durch ihre kompakte Bauweise direkt in Materialien integriert werden kann, was eine nahtlose Überwachung ermöglicht. Die Entscheidungsträger in der Industrie, die für die Sicherheit von Flugzeugen, Bauwerken oder die Effizienz von Batteriesystemen verantwortlich sind, bilden die primäre Zielgruppe für diese neue Sensortechnologie, da sie von der Unanfälligkeit gegenüber elektromagnetischen Störungen profitieren können.

Einordnung der technologischen Bedeutung

Einzuordnen ist diese Entwicklung als ein bedeutender Schritt in Richtung intelligenterer und robusterer Überwachungssysteme. Den Berichten zufolge stellt die Kombination aus hoher Druckempfindlichkeit und der Fähigkeit, gleichzeitig Licht und Daten zu übertragen, einen entscheidenden Vorteil gegenüber bisherigen Lösungen dar. In der modernen Technik, in der elektromagnetische Verträglichkeit oft eine Herausforderung für elektronische Sensoren darstellt, bietet die rein optische Messmethode eine störungsfreie Alternative. Die Möglichkeit, die Faser direkt in Strukturen wie Flugzeugflügel oder Brückenpfeiler einzubetten, erlaubt eine kontinuierliche Zustandsüberwachung, die strukturelle Veränderungen frühzeitig detektieren kann. Besonders bei Batteriezellen, bei denen abnormale Temperaturschwankungen ein Indikator für drohende Defekte oder gefährliche Zustände sein können, bietet die neue Fasertechnologie ein hohes Sicherheitsplus. Die Einordnung der Forscher, wonach die Faser eine „neue Dimension“ der Anwendung eröffnet, deutet darauf hin, dass die Glasfaser in Zukunft vermehrt als aktives Element in der Sensorik wahrgenommen wird, statt lediglich als passiver Datenübertragungsweg.

Offene Fragen und ungeklärte Aspekte

Obwohl die wissenschaftliche Publikation die Leistungsfähigkeit der flachen Glasfasern belegt, lässt der Quelltext einige Fragen offen, die für eine breite industrielle Anwendung von Bedeutung wären. So wird beispielsweise nicht explizit thematisiert, wie aufwendig und kostspielig die laserbasierte Fertigung der Mikrostrukturen im Vergleich zur Massenproduktion herkömmlicher Glasfasern ist. Auch die langfristige Haltbarkeit der in die Fasern integrierten Metallfüllungen unter wechselnden mechanischen Belastungen oder extremen Temperaturbedingungen wird im vorliegenden Text nicht detailliert erörtert. Zudem bleibt unklar, welche spezifischen Ausleseeinheiten für die optischen Signale in der Praxis erforderlich sind und ob diese ebenfalls kompakt und kosteneffizient realisiert werden können. Ebenso wird die Frage nach der Skalierbarkeit der Produktion für den Einsatz in großflächigen Bauwerken oder in großen Flotten von Elektrofahrzeugen nicht beantwortet. Es fehlen konkrete Angaben dazu, wie die Anbindung an bestehende digitale Steuerungssysteme in der Praxis genau erfolgt und welche Schnittstellen hierfür standardisiert werden müssten, um eine breite Kompatibilität zu gewährleisten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-glas-technologie-computer-7859348/ · Foto: Ron Lach
Quelle: https://www.heise.de/news/Forscher-entwickeln-flache-Glasfasern-mit-inneren-Strukturen-als-Sensoren-11413912.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag