Ein Führungswechsel in Hannover
Der Mehrkampf der Frauen bei den Finals 2026 bot den Zuschauern in der ZAG Arena in Hannover ein sportliches Drama, das erst mit den letzten Wertungen entschieden wurde. Silja Stöhr aus Heddesheim sicherte sich den Titel der deutschen Mehrkampf-Meisterin und löste damit die bisherige Titelträgerin Karina Schönmaier ab. Mit einem Gesamtergebnis von 53,301 Punkten setzte sich die 18-Jährige hauchdünn mit einem Vorsprung von 0,368 Zählern durch.
Die Entscheidung fiel erst nach einer längeren Wartezeit, in der die Kampfrichter die finalen Übungen bewerteten. Besonders die Bodenübung von Stöhr, die nach einem Einspruch nach oben korrigiert wurde, legte den Grundstein für den Erfolg. Für Stöhr selbst war der Sieg ein emotionaler Moment, nachdem ihr bereits der Auftakt am Sprung optimal gelungen war.
Sportliche Fairness trotz knapper Entscheidung
Die unterlegene Karina Schönmaier zeigte sich trotz der verpassten Titelverteidigung als faire Sportsfrau. Die 20-jährige Chemnitzerin, die im Vorjahr bei den Finals eine beeindruckende Medaillenausbeute erzielte, räumte zwar eine gewisse Enttäuschung ein, betonte jedoch ihre Zufriedenheit mit der gezeigten Leistung. Sie habe keine groben Fehler begangen und sieht den Erfolg von Stöhr als verdient an. Für Schönmaier liegt der Fokus nun auf der kommenden Europameisterschaft in Zagreb, die vom 13. bis 23. August stattfindet. Dort soll an den letzten Details gearbeitet werden, um erneut an die Spitze zurückzukehren.
Emotionale Rückkehr der Turn-Stars
Neben dem Duell um Gold rückten zwei weitere Athletinnen in den Fokus, die nach langen Leidenszeiten ihre Rückkehr auf die große Bühne feierten. Pauline Schäfer-Betz, die nach einer Hüftoperation die gesamte letzte Saison verpasst hatte, absolvierte in Hannover ihren ersten kompletten Vierkampf seit drei Jahren. Die ehemalige Weltmeisterin am Schwebebalken bewies ihre Klasse, indem sie an ihrem Paradegerät die Tageshöchstwertung erzielte und sich am Ende den dritten Platz im Mehrkampf sicherte. Für die 29-Jährige ist dies ein wichtiger Zwischenschritt auf ihrem langfristigen Weg, der in die Teilnahme an ihren vierten Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles münden soll.
Auch Helen Kevric, die nach ihrem schweren Sturz bei der Heim-EM 2025 in Leipzig eine lange Rehabilitationsphase durchlaufen musste, meldete sich eindrucksvoll zurück. Die 18-Jährige, die nach einer Knieverletzung das Laufen neu erlernen musste, unterstrich ihre Ambitionen am Stufenbarren. Mit 14,883 Punkten lieferte sie eine Weltklasse-Leistung ab, die sie deutlich von der Konkurrenz abhob. Trotz ihrer eigenen kritischen Einschätzung, dass sie noch nicht mit ihrer gesamten Leistung zufrieden sei, blickt Kevric optimistisch auf die anstehenden Gerätefinals.
Ausblick auf die kommenden Tage
Der Mehrkampf bei den Finals 2026 hat gezeigt, dass die Leistungsdichte im deutschen Turnen hoch bleibt. Während Stöhr als neue Meisterin glänzte, haben die Comebacks von Schäfer-Betz und Kevric die Erwartungen für die weiteren Wettkämpfe gesteigert. Die Athletinnen nutzen den Wettbewerb in Hannover als wichtige Standortbestimmung für die internationale Saison. Insbesondere die Gerätefinals am Samstag versprechen nach den gezeigten Leistungen am Stufenbarren und Schwebebalken weitere spannende Entscheidungen.