Ein dominanter Auftritt in Hannover
Bei den Finals 2026 in Hannover hat sich Radomyr Stelmakh als der herausragende Athlet der Veranstaltung etabliert. Der 20-jährige Turner, der für den SC Cottbus antritt, sicherte sich insgesamt drei Meistertitel. Nach seinen Erfolgen im Mehrkampf und am Pauschenpferd krönte er seine Leistung am Abschlusstag mit Gold am Barren. Mit einer Wertung von 14,200 Punkten verwies er die Konkurrenz deutlich auf die Plätze und unterstrich damit seinen Status als aktuell stärkster deutscher Turner.
Stelmakh selbst bewertet seine Leistungen gewohnt sachlich. Den Sieg am Barren bezeichnete er als saubere Ausführung seines Standardprogramms. Dass er die Schwierigkeitsgrade der Konkurrenz oft übertrifft, scheint für den Athleten, der bereits internationale Erfahrung auf höchstem Niveau gesammelt hat, zum gewohnten Pensum zu gehören.
Vom ukrainischen Talent zum deutschen Hoffnungsträger
Die sportliche Laufbahn von Stelmakh ist eng mit seiner persönlichen Geschichte verknüpft. Geboren in Saporischschja, kam er als 16-Jähriger infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine nach Deutschland zum SC Cottbus. Die Verbindung zwischen dem Lausitzer Verein und der Ukraine hat eine lange Tradition, was dem jungen Turner den Einstieg in sein neues Umfeld erleichterte.
Im Frühjahr 2026 erhielt Stelmakh die deutsche Staatsbürgerschaft. Ein entscheidender Meilenstein folgte zwei Wochen vor den Finals, als der ukrainische Verband die offizielle Freigabe für einen Nationenwechsel erteilte. Dies ermöglicht es dem Turner, der 2024 noch EM-Gold für die Ukraine gewann und bei den Olympischen Spielen in Paris den fünften Platz belegte, nun für das deutsche Nationalteam anzutreten.
Ausblick auf die Europameisterschaft
Der Deutsche Turner-Bund (DTB) setzt große Hoffnungen in den Neuzugang. Das deutsche Männerturnen durchlebt derzeit eine Phase der Instabilität, in der Stelmakh als Leistungsträger fungieren soll. In allen internen Qualifikationswettkämpfen für die kommende Europameisterschaft in Zagreb (13. bis 23. August 2026) präsentierte er sich als bester deutscher Sechskämpfer.
Für das Debüt im Nationaltrikot zeigt sich der 20-Jährige optimistisch. Er betont jedoch, dass für internationale Erfolge noch Steigerungen nötig seien. Gemeinsam mit seinem Trainerteam arbeitet er daran, die Ausgangswerte seiner Übungen weiter zu erhöhen. Laut Stelmakh habe man für die kommenden Wettkämpfe noch einige "Joker" in der Hinterhand, um im entscheidenden Moment konkurrenzfähig zu sein.
Weitere Erfolge bei den Finals 2026
Neben Stelmakh prägten weitere Athletinnen und Athleten das Bild in der ZAG Arena. Helen Kevric, die nach einer Pause ihr Comeback feierte, sicherte sich Gold am Schwebebalken, nachdem sie bereits am Stufenbarren erfolgreich war. Trotz des Sieges zeigte sich die 18-Jährige selbstkritisch gegenüber ihrer Leistung, betonte jedoch die Bedeutung ihrer Rückkehr in den Wettkampfsport.
Karina Schönmaier glänzte ebenfalls mit zwei Titeln. Nach ihrem Sieg am Sprung am Samstag gewann sie am Sonntag das Finale am Boden. Bei den Männern sicherten sich zudem Marcel Graf am Sprung und Gabriel Eichhorn am Reck die Goldmedaillen. Besonders bemerkenswert war der Auftritt von Andreas Toba, der trotz seines Wechsels in den Beruf als Landestrainer seine aktive Karriere fortsetzt und sich in Hannover die Bronzemedaille am Reck sicherte.