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Film „Russland im Krieg“: Wer Widerstand leistet, landet im Straflager
Politik · 10.08.2026 16:37

Film „Russland im Krieg“: Wer Widerstand leistet, landet im Straflager

Kurz: Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet den russischen Alltag zwischen staatlicher Propaganda und dem verstummten Widerstand gegen den Krieg in der Ukraine.

Ein Land im Stillstand: Die Ohnmacht der Kriegsgegner

Als am 24. Februar 2022 die russische Invasion der Ukraine begann, herrschte in Moskau eine Atmosphäre, die viele Beobachter vor ein Rätsel stellte. Während die Fotojournalistin Julia in den Straßen der Hauptstadt auf einen massiven Aufstand der Bevölkerung hoffte, blieb der erwartete Protest aus. Stattdessen setzten die Menschen ihren Alltag fort, als hätte sich die politische Weltlage nicht grundlegend verändert. Diese Diskrepanz zwischen der dramatischen Realität des Krieges und der scheinbaren Gleichgültigkeit der Gesellschaft ist das zentrale Thema des Dokumentarfilms „Russland im Krieg. Ein Land zwischen Propaganda und Widerstand“.

Der 85-minütige Film, produziert vom SWR und verfügbar in der Arte-Mediathek, begleitet über vier Jahre hinweg Menschen, die sich in diesem Spannungsfeld bewegen. Die Regisseure Lyobov Sinitsina und Torstein Grude zeichnen das Bild eines Landes, das durch eine Kombination aus systematischer staatlicher Propaganda und der allgegenwärtigen Angst vor drakonischen Repressionen gelähmt ist.

Repression als Alltag: Der Preis des Widerstands

Die Dokumentation gewährt Einblicke in das Leben von Regimekritikern, die trotz des hohen persönlichen Risikos im Land geblieben sind. Eine zentrale Figur ist die Journalistin Julia, die Proteste dokumentiert und Scheinprozesse gegen Oppositionelle verfolgt. Auch der Friedensaktivist Nikolai steht im Fokus. Er versuchte anfangs, durch kleine Gesten – wie das Tragen eines Jutebeutels mit der Aufschrift „Nein zum Krieg“ – ein Zeichen zu setzen. Doch die Realität der staatlichen Verfolgung holte ihn ein: Nach zwei Verhaftungen stellte er seinen öffentlichen Protest ein, aus Angst vor einer langjährigen Haftstrafe.

Die Konsequenzen für den Widerstand sind drastisch. Der Film beleuchtet das Schicksal des Jugendlichen Jegor, der aus Verzweiflung über die gesellschaftliche Apathie einen Brandanschlag auf ein Rekrutierungszentrum verübte. Obwohl die Tat keine Zerstörung anrichtete, wurde Jegor wegen Terrorismus zu sechs Jahren Haft in einer Jugendstrafanstalt verurteilt. Solche Fälle verdeutlichen, dass der Spielraum für abweichende Meinungen in Russland nahezu vollständig verschwunden ist.

Die andere Seite: Unterstützung für die „Spezialoperation“

Der Film zeigt jedoch auch die Perspektive derer, die den Krieg aktiv unterstützen. Die Unternehmerin Alena aus dem Ural ist ein Beispiel für die Mobilisierung der Zivilgesellschaft zugunsten der Armee. Sie organisiert Hilfslieferungen, sammelt Spenden und lässt sogar Kinder Talismane für die Soldaten basteln. Die Unterstützung reicht bis hin zur Produktion von Drohnen-Bauteilen durch 3D-Drucker.

Diese Unterstützung findet in einem Umfeld statt, in dem die Verluste der russischen Armee enorm sind. Während offizielle Stellen den Krieg als „militärische Spezialoperation“ bezeichnen, schätzen Exilmedien wie Mediazona die Zahl der gefallenen russischen Soldaten auf Basis von Todesanzeigen auf weit über 200.000, wobei die tatsächlichen Zahlen laut Experten noch deutlich höher liegen könnten. Für die Unterstützer wie Alena scheint dies jedoch kein Grund zum Innehalten zu sein; ihr Engagement wird durch die staatliche Ideologie legitimiert.

Ein Einblick in eine gespaltene Gesellschaft

Die Dokumentation verdeutlicht, dass die öffentliche Unterstützung für den Krieg oft erzwungen ist. Bei Propagandashows, wie etwa auf dem Roten Platz, sind es häufig Staatsangestellte oder Studenten, die per Anweisung und teils gegen finanzielle Entschädigung teilnehmen.

Die Regisseure haben sich bewusst für einen dokumentarischen Ansatz entschieden, der die Protagonisten trotz der Gefahren mit Vornamen vorstellt, während andere Teammitglieder anonym bleiben mussten. Der Film erinnert daran, dass es in Russland weiterhin Menschen gibt, die den Krieg ablehnen, auch wenn ihre Stimmen im öffentlichen Raum kaum noch zu vernehmen sind. „Russland im Krieg“ ist am 18. August um 21.50 Uhr bei Arte zu sehen und steht bereits vorab in der Mediathek bereit.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/zerbrochen-kaputt-krieg-verlassen-12325254/ · Foto: Mykhailo Volkov
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/fernsehfilm/land-in-angst-der-film-russland-im-krieg-bei-arte-201110822.html