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FCC: Amazon Leo verbindet Smartphones direkt per Satellit
Technik · 29.07.2026 18:09

FCC: Amazon Leo verbindet Smartphones direkt per Satellit

Kurz: Amazon plant mit dem Projekt Leo die direkte Satellitenanbindung für Smartphones. Durch die Nutzung von Globalstar-Frequenzen soll die Mobilfunkabdeckung wachse

Neue Wege für die globale Konnektivität

Amazon hat bei der US-amerikanischen Regulierungsbehörde FCC einen umfassenden Antrag für den Betrieb eines Satellitennetzwerks gestellt, das unter dem Namen Amazon Leo bekannt ist. Das Ziel ist ambitioniert: Die direkte Kommunikation zwischen Satelliten im erdnahen Orbit (LEO) und handelsüblichen Smartphones, auch als Direct-to-Device (D2D) bezeichnet. Mit einer geplanten Flotte von bis zu 5.105 Satelliten möchte der Konzern Funklöcher in abgelegenen Gebieten schließen und terrestrische Mobilfunknetze ergänzen.

Technische Spezifikationen und Frequenznutzung

Ein wesentlicher Unterschied zu Wettbewerbern wie SpaceX liegt in der Wahl der Frequenzbänder. Während SpaceX für sein Starlink-System auf Mobilfunkfrequenzen bei 1,9 GHz angewiesen ist, die von Partnern wie T-Mobile bereitgestellt werden, nutzt Amazon Leo das L- und S-Band. Diese Frequenzen stammen aus dem lizenzierten Mobilsatellitenspektrum (MSS) von Globalstar, einem Unternehmen, das Amazon im April 2026 für rund 11,57 Milliarden US-Dollar übernommen hat.

Für die Anbindung an das Internet-Backhaul, also die Verbindung zwischen den Satelliten und den Bodenstationen, setzt Amazon auf das Ka- und V-Band, welche eine deutlich höhere Kapazität bieten. Technologisch unterscheidet sich das System von herkömmlichen Bent-Pipe-Architekturen. Amazon Leo setzt auf eine digitale Signalverarbeitung direkt im All. Durch den Einsatz von optischen Laserverbindungen zwischen den Satelliten, digitalem Beamforming und Beam Hopping soll die Frequenzeffizienz gesteigert und der Energieverbrauch der Endgeräte minimiert werden.

Integration in das AWS-Ökosystem

Die Infrastruktur von Amazon Leo ist eng mit Amazon Web Services (AWS) verzahnt. Die Bodenstationen und die Laserverbindungen im All bilden eine direkte Brücke zur Cloud-Plattform des Konzerns. Dies ermöglicht es, Daten von industriellen Anlagen, IoT-Sensoren oder Fahrzeugflotten ohne den Umweg über Drittanbieter direkt in die AWS-Server einzuspeisen. Diese vertikale Integration unterstreicht den strategischen Fokus, nicht nur ein Satellitennetzwerk zu betreiben, sondern eine durchgängige Dateninfrastruktur anzubieten.

Marktposition und Partnerschaften

Amazon hat sich bereits in einer frühen Phase strategische Partner gesichert, um die Reichweite seines Netzwerks zu erhöhen. Zu den Unternehmen, die Vereinbarungen mit Amazon Leo geschlossen haben, zählen die Vodafone Group, DirecTV, Herotel sowie der australische Netzbetreiber NBN. Diese Partnerschaften zielen darauf ab, die Satellitentechnik als Ergänzung zu bestehenden terrestrischen Netzen zu etablieren.

Dennoch steht das Unternehmen vor großen Herausforderungen. Der Wettbewerber SpaceX hat sich durch eine hohe Startfrequenz und niedrige Kosten einen erheblichen Vorsprung erarbeitet. Das Starlink-Netzwerk ist bereits heute in vielen Bereichen etabliert. Amazon plant den Start des ersten D2D-Satelliten für das Jahr 2028. Ob dieser Zeitplan ausreicht, um im hart umkämpften Markt für satellitengestützte Mobilfunkdienste eine bedeutende Rolle zu spielen, bleibt abzuwarten.

Die Übernahme von Globalstar, das zuvor eng mit Apple kooperierte, markiert einen entscheidenden Schritt in der Unternehmensgeschichte. Mit der Kombination aus dem erworbenen MSS-Spektrum und der massiven Rechenpower von AWS positioniert sich Amazon als ernsthafter Akteur in der globalen Satellitenkommunikation. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie effektiv die digitale Signalverarbeitung im Orbit im Vergleich zu den bestehenden Systemen performt und ob die Integration in den Mobilfunkmarkt wie geplant gelingt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/laptop-buro-geschaft-business-17724864/ · Foto: Walls.io
Quelle: https://www.golem.de/news/fcc-amazon-leo-verbindet-smartphones-direkt-per-satellit-2607-211422.html