Ein Neuanfang ohne radikalen Umbruch
Nach zwei Jahren in der Bundesliga findet sich der FC St. Pauli in der neuen Saison wieder in der 2. Fußball-Bundesliga ein. Während Absteiger in der Regel zu den Favoriten auf den direkten Wiederaufstieg gezählt werden, ist die Erwartungshaltung am Millerntor in diesem Jahr gedämpft. Die enttäuschende Schlussphase der vergangenen Spielzeit hat Spuren hinterlassen, weshalb eine Rückkehr in das Oberhaus aktuell kaum als realistisches Ziel gilt.
Dennoch hat sich der Verein gegen einen radikalen Umbruch entschieden. Trotz einiger Abgänge von Leistungsträgern blieb der Kern des Kaders weitgehend erhalten. Mit lediglich vier Neuzugängen setzt die sportliche Führung auf Kontinuität, ergänzt durch gezielte Verstärkungen, um frischen Wind in das Team zu bringen.
Marcel Rapp und die neue taktische Ausrichtung
Die wichtigste Personalie für die kommende Spielzeit ist der neue Cheftrainer Marcel Rapp. Er tritt die Nachfolge von Alexander Blessin an und hat sich zum Ziel gesetzt, den Spielstil der Kiezkicker deutlich offensiver zu gestalten. Rapp zeigt sich optimistisch und betont, dass die frischen Impulse im Kader der Mannschaft gut tun werden.
In der Vorbereitung, unter anderem bei einem 2:2-Unentschieden gegen Deportivo A Coruña, deutete sich bereits eine klare taktische Handschrift an. Rapp bevorzugt ein System mit zwei Stürmern und einem klassischen Spielmacher. Diese Umstellung soll insbesondere Martijn Kaars zugutekommen, der unter Blessin einen schweren Stand hatte, nun aber als torgefährlichster Akteur im Kader eine zentrale Rolle einnehmen könnte.
Branimir Hrgota als Schlüsselspieler
Ein zentrales Element in Rapps Plänen ist der Neuzugang Branimir Hrgota. Der 33-jährige Schwede, der ablösefrei von Greuther Fürth verpflichtet wurde, soll als „Zehner“ die Fäden im Mittelfeld ziehen. Aufgrund seiner Spielintelligenz und Übersicht gilt er als Hoffnungsträger, der das Offensivspiel strukturieren und die Stürmer besser in Szene setzen soll. Für das Auftaktspiel gegen seinen ehemaligen Verein aus Fürth ist ihm ein Platz in der Startelf bereits sicher.
Die voraussichtliche Formation zum Saisonstart
Die Startformation für den ersten Spieltag scheint sich bereits aus den Testspielen herauskristallisiert zu haben. In der Abwehr setzt Rapp auf ein Trio bestehend aus Tomoya Ando, David Nemeth und dem Neuzugang Marcus Mathisen, flankiert von den Außenverteidigern Arkadiusz Pyrka und Louis Oppie. Im defensiven Mittelfeld sollen Joel Fujita und Mathias Rasmussen für Stabilität sorgen.
Noch nicht zur Verfügung stehen die WM-Teilnehmer Jackson Irvine, Conor Metcalfe und Eric Smith. Ihr Fehlen sowie die Frage, ob diese Leistungsträger den Verein bis zum Transferschluss am 1. September noch verlassen könnten, sorgt für eine gewisse Ungewissheit hinsichtlich der Kaderzusammensetzung.
Ausblick: Stabilität statt Aufstiegsträume
Die kommende Saison steht für den FC St. Pauli vor allem im Zeichen der Stabilisierung. Nach der frustrierenden Abstiegssaison ist es das primäre Ziel, die Fans durch eine engagierte Spielweise wieder für sich zu gewinnen und einen erneuten Negativstrudel zu vermeiden. Ein gesicherter Mittelfeldplatz wird intern als realistisches und erreichbares Ziel angesehen. Alles, was darüber hinausgeht, gilt derzeit als Wunschdenken. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie schnell die Mannschaft das neue System verinnerlicht und ob die personellen Veränderungen ausreichen, um in der ausgeglichenen zweiten Liga zu bestehen.