Streit um die Lizenzvergabe in der 2. Handball-Bundesliga
Die sportliche Zukunft der HSG Nordhorn-Lingen steht im Zentrum einer juristischen Auseinandersetzung. Nachdem der Verein im Frühjahr 2026 die Lizenz für die kommende Zweitliga-Saison ohne Auflagen erhalten hatte, sind nun erhebliche Zweifel an der wirtschaftlichen Stabilität des Clubs aufgekommen. Die HSG Krefeld Niederrhein, die als sportlicher Absteiger von einem Lizenzentzug der Nordhorner profitiert hätte, hat in diesem Zusammenhang Strafanzeige erstattet.
Vorwürfe gegen die HSG Nordhorn-Lingen
Der Kern der Vorwürfe seitens der Krefelder bezieht sich auf die finanzielle Transparenz des niedersächsischen Vereins. Laut Angaben der HSG Krefeld Niederrhein stehe der Kader der Nordhorner in keinem angemessenen Verhältnis zu deren tatsächlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Es besteht der Verdacht, dass im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens möglicherweise falsche Angaben gemacht wurden, um die Zulassung für die Spielzeit 2026/2027 zu erhalten.
Die Handball-Bundesliga (HBL) hatte bereits im Juli eingeräumt, dass es bei der Prüfung der Unterlagen zu "nicht unerheblichen Abweichungen" gegenüber den ursprünglichen Angaben des Vereins gekommen sei. Dies hat die Liga dazu veranlasst, den Druck auf den Club aus der Grafschaft Bentheim deutlich zu erhöhen.
HBL-Reaktion: Auflagen und Sanktionen
Auf die finanzielle Schieflage hat die HBL mit einem Maßnahmenpaket reagiert. Neben der Aussicht auf einen Abzug von sechs Punkten für die kommende Saison wurden dem Verein strenge Auflagen erteilt. Dazu gehört unter anderem der kurzfristige Nachweis, dass die bestehende Liquiditätslücke vollständig gedeckt werden kann. Zudem hat die Liga eine strikte Begrenzung der Personalausgaben verhängt. Neue Spielerverpflichtungen sind für die HSG Nordhorn-Lingen derzeit nur nach expliziter Genehmigung durch die Lizenzierungskommission möglich.
HBL sieht keine Rechtswidrigkeit bei der Lizenzierung
Trotz der eingeleiteten Strafanzeige durch die HSG Krefeld Niederrhein hält die HBL an ihrer bisherigen Einschätzung fest. Ein unabhängiges Vertrauensgremium der Erst- und Zweitligisten kam zu dem Ergebnis, dass bei der ursprünglichen Lizenzerteilung im Frühjahr keine Rechtswidrigkeit vorlag. Nach aktuellem Kenntnisstand der Liga ist die Lizenz für die Saison 2026/2027 somit rechtmäßig erteilt worden, was dem Verein die weitere Planung für den Spielbetrieb ermöglicht.
Wie geht es weiter?
Die HSG Nordhorn-Lingen hat öffentlich erklärt, die Verantwortung für die aktuelle Situation zu übernehmen. Der Verein betont, in enger und lösungsorientierter Zusammenarbeit mit der Lizenzierungskommission der HBL an der Erfüllung aller Auflagen zu arbeiten.
Dennoch ist eine schnelle Entspannung der Lage unwahrscheinlich. Da die HSG Krefeld Niederrhein zivilrechtliche Schritte eingeleitet hat und zudem angekündigt hatte, vor das Schiedsgericht der HBL zu ziehen, bleibt die juristische Aufarbeitung des Falls ein fortlaufender Prozess. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Verein die geforderten finanziellen Nachweise erbringen kann und wie die weiteren rechtlichen Schritte der Krefelder die sportliche Planung beeinflussen werden.