News aus aller Welt
Start
Europäische Südsternwarte beobachtet Falcon-Einschlag auf dem Mond
Technik · 06.08.2026 19:18

Europäische Südsternwarte beobachtet Falcon-Einschlag auf dem Mond

Kurz: Die Europäische Südsternwarte konnte den Einschlag einer SpaceX-Raketenstufe auf dem Mond mit dem Very Large Telescope in Chile erfolgreich dokumentieren.

Ein seltener Blick auf den Mondaufprall

Der kontrollierte oder unkontrollierte Absturz von Weltraumschrott auf Himmelskörpern stellt Wissenschaftler regelmäßig vor Herausforderungen. Einem Team der Europäischen Südsternwarte (ESO) ist es nun gelungen, den Einschlag der ausgebrannten Oberstufe einer Falcon-9-Rakete auf der Mondoberfläche zu beobachten. Die Mission, die im Rahmen einer koordinierten Beobachtungskampagne stattfand, lieferte wissenschaftlich wertvolle Erkenntnisse über die Zusammensetzung der aufgewirbelten Materie.

Präzisionsarbeit in der Atacama-Wüste

Für die Beobachtung nutzte die ESO das Very Large Telescope (VLT), das sich am Paranal-Observatorium in Chile befindet. Die vier Einzelteleskope wurden gezielt auf den Einsteinkrater ausgerichtet, den errechneten Zielpunkt des Aufpralls. Die Raketenstufe, die ein Gewicht von etwa vier Tonnen aufwies, schlug mit einer Geschwindigkeit von rund 8700 Kilometern pro Stunde auf der Mondoberfläche auf.

Die Beobachtung war aufgrund der Lichtverhältnisse und der Distanz äußerst komplex. Während im Vorfeld vermutet wurde, dass Teleskope auf dem amerikanischen Kontinent den Einschlag aufgrund der dortigen Dunkelheit gut erfassen könnten, gestaltete sich die visuelle Dokumentation in der Praxis schwieriger als erwartet. Laut der Astrophysikerin Sara Webb von der Swinburne University of Technology gelang es trotz des Einsatzes verschiedener Teleskope nicht, klare Videoaufnahmen oder hochauflösende Bilder des eigentlichen Aufprallmoments zu gewinnen.

Analyse der Staubwolke

Der eigentliche Erfolg der ESO-Beobachtung liegt in der spektroskopischen Analyse der Staubwolke, die durch den Aufprall entstand. Diese Wolke war nach dem Einschlag für etwa fünf bis zehn Minuten sichtbar und erstreckte sich über eine Größe von mehreren Dutzend Kilometern.

Die Forscher konnten in der Wolke spezifische Spektrallinien von Natrium und Lithium nachweisen. Die wissenschaftliche Interpretation dieser Daten deutet darauf hin, dass das Natrium aus dem Mondboden selbst stammt, während das Lithium vermutlich ein Überbleibsel der Raketenstufe ist. Dies bietet einen seltenen Einblick in die Interaktion zwischen künstlichen Objekten und der lunaren Oberfläche.

Hintergrund der Mission

Die betroffene Falcon-9-Oberstufe stammt von einem Start am 15. Januar 2025. Die Rakete hatte die Lander „Blue Ghost“ des US-Unternehmens Firefly Aerospace sowie „Resilience“ des japanischen Start-ups Ispace in Richtung Mond befördert. Nachdem die Nutzlast erfolgreich ausgesetzt worden war, verblieb die Oberstufe im All, anstatt beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu verglühen, was schließlich zu dem Einschlag führte.

Weitere Schritte und Datenlage

Da keine der Sonden in der Mondumlaufbahn den Einschlag direkt in einer optimalen Position verfolgen konnte, bleibt die Datenlage vorerst begrenzt. Der südkoreanische Orbiter Danuri überflog den Bereich zwar kurz vor dem Ereignis, eine Veröffentlichung etwaiger Aufnahmen steht jedoch noch aus.

Die wissenschaftliche Gemeinschaft richtet ihren Blick nun auf den Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) der NASA. Es wird erwartet, dass diese Sonde in den kommenden Tagen den Einsteinkrater überfliegt und hochauflösende Aufnahmen der Einschlagstelle liefert. Diese Bilder sollen dabei helfen, die genauen Auswirkungen des Aufpralls zu kartieren. Das Team der ESO plant zudem, weitere Details zur Zusammensetzung der Staubwolke zu veröffentlichen, sobald die vollständige Auswertung der gewonnenen Spektraldaten abgeschlossen ist.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/laptop-arbeiten-technologie-forschung-3912976/ · Foto: ThisIsEngineering
Quelle: https://www.heise.de/news/Europaeische-Suedsternwarte-beobachtet-Falcon-Einschlag-auf-dem-Mond-11402444.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag