Abschluss einer Ära: EA wird privatisiert
Nach über 35 Jahren an der Börse steht Electronic Arts (EA) vor einem historischen Umbruch. Wie aus einem bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Dokument hervorgeht, soll die Übernahme durch ein Konsortium unter Führung des saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) am 4. August zum Handelsschluss vollzogen werden. Damit endet der Status des Unternehmens als börsennotierter Akteur, was künftig den Wegfall der Pflicht zur Veröffentlichung regelmäßiger Geschäftsberichte bedeutet.
Der Prozess bis zu diesem Punkt war langwierig. Ursprünglich war der Abschluss des Deals bereits für das Ende des EA-Geschäftsjahres im Juni geplant. Jedoch führten noch ausstehende behördliche Genehmigungen zu einer Verzögerung von etwa einem Monat. Ende Juli konnte schließlich die letzte große Hürde genommen werden: Die EU-Kommission erteilte die Freigabe für die Übernahme ohne Auflagen. Die Wettbewerbshüter sahen dabei keine Anzeichen für eine Beeinträchtigung des Wettbewerbs im Videospielsektor oder im Bereich E-Sport.
Saudi-Arabien dominiert das Konsortium
Die Finanzierung des 55 Milliarden US-Dollar schweren Deals setzt sich aus 36 Milliarden US-Dollar Eigenkapital und 20 Milliarden US-Dollar Fremdkapital zusammen. Die Eigentümerstruktur hinter dem Konsortium ist dabei sehr einseitig verteilt. Neben dem PIF sind die Investment-Firmen Silver Lake sowie Affinity Partners, geleitet von Jared Kushner, beteiligt. Laut Unterlagen, die im Rahmen brasilianischer Kartellverfahren bekannt wurden, entfallen 93,4 Prozent der Anteile auf den saudischen Staatsfonds. Silver Lake hält 5,5 Prozent, während auf Affinity Partners lediglich 1,1 Prozent entfallen.
Finanzielle Belastungen und Ausblick
Die Übernahme bringt erhebliche finanzielle Verpflichtungen mit sich. Die aufgenommenen 20 Milliarden US-Dollar an Fremdkapital werden als Schuldenlast direkt in die Bilanz von Electronic Arts übertragen. Diese Verbindlichkeiten müssen in den kommenden Jahren bedient werden, was Analysten zufolge den Druck auf das Unternehmen massiv erhöht.
Die Auswirkungen dieser Strategie sind bereits spürbar. Seit der Ankündigung der Übernahme im September 2025 gab es bei EA bereits mehrere Entlassungsrunden, selbst bei erfolgreichen Projekten wie „Battlefield 6“. Experten gehen davon aus, dass dieser Trend zur Kostensenkung anhalten könnte. Auch für die Spielerschaft könnte dies Konsequenzen haben, da die Notwendigkeit zur Umsatzsteigerung wächst.
Ein Beispiel für diese Entwicklung bot das Sportspiel „College Football 27“. EA integrierte dort ohne Vorankündigung Mikrotransaktionen in Einzelspieler-Modi, um den Spielfortschritt gegen Echtgeld zu beschleunigen. Aufgrund massiver Proteste und Boykottaufrufe sah sich der Publisher jedoch gezwungen, diese Kaufoptionen Mitte Juli wieder zu entfernen. Ob der Kurs unter der neuen Eigentümerstruktur zu einer aggressiveren Monetarisierung führt, bleibt eine der zentralen Fragen für die Zukunft von EA unter der fortbestehenden Führung von CEO Andrew Wilson.