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Ein Navi für Cyborg-Kakerlaken: KI weist Schaben den schnellsten Weg – auch über Hindernisse hinweg
Technik · 25.08.2026 10:45

Ein Navi für Cyborg-Kakerlaken: KI weist Schaben den schnellsten Weg – auch über Hindernisse hinweg

Kurz: Japanische Forscher haben ein KI-gestütztes Navigationssystem für Cyborg-Kakerlaken entwickelt, das Hindernisse erkennt und die Effizienz bei Rettungseinsätzen

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Ein Forschungsteam der Universität von Osaka in Japan hat einen bedeutenden Fortschritt im Bereich der biohybriden Robotik erzielt. Die Wissenschaftler entwickelten ein neuartiges, KI-gestütztes Navigationssystem, das speziell für sogenannte Cyborg-Kakerlaken konzipiert wurde. Diese Insekten, die mit elektronischen Rucksäcken ausgestattet sind, können durch gezielte elektrische Impulse ferngesteuert werden. Bisherige Systeme stießen jedoch häufig an ihre Grenzen, sobald die Tiere unwegsames Gelände oder Hindernisse überwinden mussten. Das neue System ermöglicht es nun, in Echtzeit zwischen flachen Untergründen und Kletterpassagen zu unterscheiden. Durch diese technologische Verbesserung können die Schaben wesentlich effizienter und zielgerichteter navigiert werden, was die Zeit bis zum Erreichen eines Zielpunktes in Tests nahezu halbierte. Die Forschungsarbeit wurde in der renommierten Fachzeitschrift Device veröffentlicht und von unabhängigen Experten geprüft. Ziel der Entwicklung ist es, diese Cyborg-Insekten zukünftig bei komplexen Such- und Rettungsaktionen in Katastrophengebieten einzusetzen, in denen herkömmliche Roboter aufgrund ihrer mechanischen Beschränkungen nicht agieren können.

Die Einzelheiten des Systems

Das Herzstück der Neuerung ist ein sogenanntes mehrschichtiges Perzeptron, kurz MLP. Diese Software-Komponente ist direkt auf dem elektronischen Rucksack der Kakerlake installiert. Zur Datengewinnung nutzt das System eine Kombination aus Beschleunigungs- und Bewegungssensoren sowie einem Magnetometer. Diese Sensoren erfassen kontinuierlich die physische Umgebung, während sich das Insekt fortbewegt. Die KI interpretiert diese Daten, um zu bestimmen, ob sich das Tier gerade auf einer ebenen Fläche befindet, ein Gefälle überwindet oder vor einem Anstieg steht. Laut der Studie erreicht das System eine beeindruckende Erkennungsgenauigkeit von 92 Prozent. Die Steuerung erfolgt über die gezielte Stimulation der Cerci, der Hinterleibs-Anhänge der Kakerlaken. Bei einem erkannten Anstieg werden diese stimuliert, um einen natürlichen Vorwärtsdrang auszulösen. Bei abschüssigem Gelände wird die Stimulation hingegen reduziert, um ein gefährliches Überschlagen des Insekts zu verhindern. Auf flachem Boden wird die elektrische Stimulation weitgehend eingestellt, es sei denn, das Tier kommt zum Stillstand. Diese präzise Abstimmung verhindert eine Überstimulation der Sinnesorgane, die bei bisherigen Systemen oft zu ineffizienten Bewegungsabläufen führte.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Idee, Insekten als biologische Plattformen für Robotertechnik zu nutzen, ist längst kein bloßes Gedankenspiel der Science-Fiction mehr. In der Wissenschaftsgemeinschaft hat sich ein spezialisiertes Feld etabliert, in dem Erkenntnisse aus der Robotik und den Neurowissenschaften verschmelzen. In den vergangenen Jahren wurden bereits beachtliche Fortschritte erzielt; so ist es heute möglich, Cyborg-Schaben in industriellen Verfahren am Fließband zu produzieren. Auch spezielle Anzüge wurden entwickelt, die es den Tieren sogar erlauben, unter Wasser zu tauchen. Trotz dieser Fortschritte blieb die Navigation in der Praxis ein zentrales Problem. Herkömmliche Systeme waren meist auf die klassische Robotik ausgerichtet und darauf programmiert, Hindernisse konsequent zu umgehen. Dies widersprach jedoch der natürlichen Veranlagung der Kakerlaken, die von Natur aus exzellente Kletterer sind. Die Diskrepanz zwischen der künstlichen Steuerung, die Hindernisse als Störfaktoren betrachtete, und dem natürlichen Bewegungsdrang der Tiere führte häufig zu Konflikten, die die Effizienz der Einsätze massiv beeinträchtigten.

Die beteiligten Akteure

Die Federführung bei diesem Projekt liegt bei einem Forscherteam der Universität von Osaka in Japan. Als leitender Wissenschaftler fungiert Keisuke Morishima, der die Vision verfolgt, durch die Entwicklung einer sogenannten biohybriden physischen KI neue Impulse für die Robotik der Zukunft zu setzen. Die Ergebnisse der Arbeit wurden durch ein Peer-Review-Verfahren von unabhängigen Experten validiert und in der Fachzeitschrift Device publiziert. Die Studie selbst trägt den Titel „Biohybrid Navigation through Real-Time Terrain Recognition and Natural Climbing in Cyborg Insect“. Das Team betont, dass der Erfolg der Arbeit maßgeblich auf der engen Zusammenarbeit zwischen Biologie und Technik basiert. Die Beteiligten hoffen, dass ihre Forschung als Vorbild für weitere Projekte dient, bei denen biologische Organismen und künstliche Intelligenz synergetisch zusammenarbeiten. Die Entwicklung richtet sich an ein breites Spektrum von Anwendern, insbesondere an Organisationen, die im Bereich der Katastrophenhilfe, der Gebäudeinspektion und der Suche nach Verschütteten tätig sind, wo die physische Flexibilität von Insekten einen entscheidenden Vorteil gegenüber starren Maschinen bietet.

Einordnung der Forschungsergebnisse

Einzuordnen ist der Erfolg der japanischen Forscher als ein entscheidender Schritt zur Praxistauglichkeit von Cyborg-Insekten. Den Berichten zufolge stellt die Fähigkeit, das Gelände in Echtzeit zu erkennen, ohne die natürlichen Bewegungsfähigkeiten des Insekts zu stören, den größten bisherigen Durchbruch dar. Bisherige Navigationsansätze scheiterten oft daran, dass die künstlichen Steuerungsbefehle mit den natürlichen Reflexen der Tiere kollidierten. Durch die KI-gestützte Erkennung wird das Klettern nun nicht mehr als Hindernis, sondern als Teil einer effizienten Navigationsstrategie begriffen. Die signifikante Reduktion der benötigten Zeit und der zurückgelegten Distanz unterstreicht die Relevanz dieses Ansatzes. Die Experten bewerten den Übergang von einem reaktiven, oft ineffizienten Verhalten zu einer zielgerichteten Fortbewegung als essenziell für den Erfolg der Technologie. Es zeigt sich, dass die Integration von KI in biologische Systeme nicht nur die Kontrolle verbessert, sondern auch das Wohlbefinden und die natürliche Leistungsfähigkeit der Tiere schont, indem Überstimulationen vermieden werden.

Offene Fragen und Herausforderungen

Obwohl die Studie beeindruckende Ergebnisse in der Geländenerkennung und Navigation liefert, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. Der Quelltext macht keine Angaben dazu, wie das System in extremen Umgebungen reagiert, etwa bei starker Verschmutzung der Sensoren oder unter widrigen Wetterbedingungen, die bei realen Rettungseinsätzen häufig auftreten. Auch die Frage nach der Energieversorgung der elektronischen Rucksäcke über längere Zeiträume hinweg wird nicht explizit thematisiert. Zudem bleibt offen, wie viele Cyborg-Kakerlaken gleichzeitig in einem Schwarm koordiniert werden könnten, ohne dass sich die Signale gegenseitig stören oder die KI-Modelle überlastet werden. Ebenso fehlen Informationen über die ethische Debatte, die mit dem Einsatz von Cyborg-Insekten einhergeht, sowie über die Langlebigkeit der Tiere unter den Bedingungen der elektrischen Stimulation. Auch die konkrete Reichweite der Fernsteuerung und die Latenzzeiten bei der Datenübertragung in komplexen Trümmerfeldern werden im vorliegenden Bericht nicht weiter ausgeführt, was für einen flächendeckenden Einsatz jedoch von entscheidender Bedeutung wäre.

Wie es weitergeht

Die Forschungsgruppe um Keisuke Morishima sieht in den aktuellen Ergebnissen erst den Anfang einer Entwicklung. Das Ziel ist es, die Technologie weiter zu verfeinern, um sie für reale Einsatzszenarien vorzubereiten. Die Vision der „biohybriden physischen KI“ soll als Inspiration für zukünftige Generationen von Robotern dienen. Zwar wurden keine spezifischen Termine für Feldtests außerhalb des Labors genannt, doch die Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Device legt den Grundstein für eine breitere wissenschaftliche Auseinandersetzung und mögliche Kooperationen. Die Forscher hoffen, dass ihre Arbeit dazu beiträgt, dass ferngesteuerte Insekten in absehbarer Zeit bei der Inspektion von Gebäuden oder bei der Suche nach Personen in schwer zugänglichen Bereichen unterstützen können. Die nächsten Schritte werden voraussichtlich darin bestehen, die Hardware-Komponenten weiter zu miniaturisieren und die KI-Modelle an noch komplexere Geländestrukturen anzupassen. Auch die Integration weiterer Sensortypen zur besseren Erkennung von Gefahrenquellen innerhalb der Zielgebiete könnte ein zukünftiger Forschungsschwerpunkt sein, um die Sicherheit und Effizienz der Cyborg-Insekten weiter zu steigern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fernseher-tv-neigung-crt-7688587/ · Foto: Yaroslav Shuraev
Quelle: https://t3n.de/news/ein-navi-fuer-cyborg-kakerlaken-ki-weist-schaben-den-schnellsten-weg-auch-ueber-hindernisse-hinweg-1759635/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed