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Drei Schulabschlüsse in vier Jahren – dank Stipendium
Regional · 01.09.2026 18:40

Drei Schulabschlüsse in vier Jahren – dank Stipendium

Kurz: Das SABA-Bildungsstipendium feiert sein 20-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung im Frankfurter Crespo Haus und zeigt beeindruckende Bildungsbiografien.

Ein Meilenstein für Bildungschancen in Frankfurt

Das SABA-Bildungsstipendium der Crespo Foundation feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums gewährt eine Ausstellung im Frankfurter Crespo Haus, das sich in unmittelbarer Nähe zum Bankenviertel befindet, tiefe Einblicke in die Lebenswege von Menschen mit Fluchterfahrung. Die Schau mit dem Titel „Hier geblieben. Geschichten aus 20 Jahren SABA Bildungsstipendium für Migrant:innen“ dokumentiert nicht nur die individuellen Erfolgsgeschichten der Geförderten, sondern unterstreicht auch die Bedeutung von künstlerischer Bildung neben dem rein schulischen oder akademischen Werdegang. Rand Matlef, eine ehemalige Stipendiatin, steht dabei beispielhaft für den Erfolg des Programms. Innerhalb von nur vier Jahren gelang es ihr, drei Schulabschlüsse nachzuholen, um anschließend ein Architekturstudium aufzunehmen. Heute befindet sie sich in ihrem Masterstudium im Bereich Energy Science and Engineering. Die Ausstellung im Crespo Haus, das durch einen Umbau und einen sogenannten „Open Space“ eine neue Offenheit gewonnen hat, dient als Plattform, um diese persönlichen Entwicklungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Rolle der Stiftung bei der Integration und Selbstverwirklichung von Menschen mit Migrationsbiografien hervorzuheben.

Details zu den Lebenswegen und der Förderung

Die Biografien der Stipendiatinnen und Stipendiaten sind oft von Brüchen geprägt. Viele von ihnen kamen ohne direkte Orientierung nach Deutschland, wie es bei Rand Matlef der Fall war, die vor zehn Jahren aus dem Irak floh. Die Herausforderungen für Menschen über 18 Jahren, die in das deutsche Bildungssystem einsteigen wollen, sind laut Cora Stein, die das Programm lange begleitet hat, immens. Oftmals werden im Heimatland erworbene Abschlüsse hierzulande nicht anerkannt, oder die Betroffenen hatten schlichtweg keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Das SABA-Stipendium setzt genau hier an. Es bietet nicht nur finanzielle Unterstützung für essenzielle Dinge wie Laptops, Schulbücher oder die Lebenshaltungskosten alleinerziehender Mütter, sondern fungiert als ganzheitliches Förderprogramm. Die Kuratorin Puneh Henning betont, dass die künstlerische Auseinandersetzung – sei es durch Skulptur, Malerei, Musik oder Fotografie – ein zentrales Element darstellt. Die Ausstellung zeigt dies eindrucksvoll durch eine Vielzahl von Selbstporträts in Wasserfarben und Linolschnitten sowie durch Fotografieprojekte, die seit der Öffnung des Programms für Männer im Jahr 2023 entstanden sind.

Der Hintergrund der Crespo Foundation

Die Crespo Foundation ist eine gemeinnützige private Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Gegründet wurde sie im Jahr 2001 von der Psychologin und Fotografin Ulrike Crespo, die im Jahr 2019 verstarb. Das Leitmotiv der Stiftung lautet „Menschen stark machen“. Ziel ist es, dass Individuen ein selbstbestimmtes Leben führen und die Gesellschaft aktiv mitgestalten können. Das SABA-Bildungsstipendium ist ein integraler Bestandteil dieser Philosophie. Ulrike Crespo erkannte früh, dass Frauen mit Migrationshintergrund zwar einen großen Bildungswillen mitbringen, jedoch mit erheblichen Zugangshürden konfrontiert sind. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Hürden abzubauen. Über die Jahre hinweg hat sich das Programm stetig weiterentwickelt, um auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zu reagieren. Die Ausstellung im Crespo Haus ist somit auch eine Würdigung der Vision der Stiftungsgründerin, die Bildung nicht nur als reinen Wissenserwerb, sondern als Prozess der Persönlichkeitsentwicklung verstand, bei dem Kreativität und Gemeinschaft eine entscheidende Rolle spielen.

Die Akteure hinter dem Erfolg

Im Mittelpunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten stehen die Menschen, die das Programm durchlaufen haben, sowie die Verantwortlichen der Stiftung. Rand Matlef, die heute als Praktikantin am Umbau des Crespo Hauses mitgewirkt hat, verkörpert die erfolgreiche Integration durch Bildung. Sie betont, dass das Stipendium ihr nicht nur den akademischen Weg geebnet, sondern ihr auch soziale Kontakte ermöglicht hat, darunter eine ihrer engsten Freundinnen. Cora Stein, eine langjährige Begleiterin des Programms, hebt hervor, dass es bei der Förderung um weit mehr als nur Mathe, Deutsch oder Englisch geht. Es geht um den Menschen als Ganzes. Die Kuratorin Puneh Henning spielt eine zentrale Rolle bei der Aufarbeitung dieser Geschichten für die Öffentlichkeit. Durch die bewusste Entscheidung, Selbstporträts der Stipendiatinnen und Stipendiaten ins Zentrum der Ausstellung zu rücken, schafft sie einen Raum, in dem die Teilnehmenden ihre Erfahrungen verarbeiten und sich selbst neu kennenlernen können. Die Zusammenarbeit zwischen den Künstlern in den Workshops und den Stipendiaten bildet dabei das Herzstück der pädagogischen Arbeit der Stiftung.

Einordnung der Bedeutung des Programms

Einzuordnen ist das SABA-Bildungsstipendium als ein gezieltes Instrument zur sozialen Mobilität. Den Berichten zufolge ist das deutsche Bildungssystem für Menschen mit Fluchterfahrung, insbesondere für jene, die erst im Erwachsenenalter ankommen, oft nur schwer zugänglich. Das Stipendium fungiert hier als Brücke, die nicht nur finanzielle Barrieren beseitigt, sondern auch psychologische Unterstützung bietet. Dass das Programm seit 2023 auch Männern offensteht, ist ein wichtiger Schritt, um den Kreis der Begünstigten zu erweitern und die Diversität der Erfahrungen abzubilden. Die Verbindung von akademischer Bildung und künstlerischer Praxis ist dabei ein Alleinstellungsmerkmal. Die Kunst dient hierbei nicht nur als Freizeitbeschäftigung, sondern als Werkzeug zur Identitätsfindung und zur Bewältigung der Migrationserfahrung. Die Ausstellung im Crespo Haus ist somit ein Zeugnis für die Wirksamkeit eines ganzheitlichen Bildungsansatzes, der über standardisierte Lehrpläne hinausgeht und den Fokus konsequent auf die Potenziale des Einzelnen legt.

Offene Fragen und Lücken im Bericht

Obwohl der Quelltext einen detaillierten Einblick in die Arbeit des SABA-Stipendiums gibt, bleiben einige Fragen unbeantwortet. So wird nicht explizit dargelegt, wie hoch die jährliche Anzahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten ist oder nach welchen spezifischen Kriterien die Auswahl der Geförderten erfolgt. Auch die genaue Finanzierung des Programms durch die Stiftung wird nicht im Detail erläutert. Zudem bleibt offen, wie viele Personen insgesamt in den vergangenen 20 Jahren von der Förderung profitiert haben. Die langfristigen beruflichen Auswirkungen des Stipendiums werden zwar anhand des Beispiels von Rand Matlef illustriert, eine statistische Auswertung über den Verbleib der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt fehlt jedoch. Ebenso wird nicht näher darauf eingegangen, ob es Kooperationen mit staatlichen Bildungseinrichtungen gibt, um den Übergang in das reguläre Schul- oder Studiensystem zu erleichtern. Die Ausstellung bietet zwar einen Einblick in die Geschichten, doch die systemischen Herausforderungen, die über die Einzelförderung hinausgehen, werden im Rahmen des Berichts nicht weiter vertieft.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/friedlicher-protest-am-jantar-mantar-in-neu-delhi-38727115/ · Foto: Shantum Singh
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-drei-schulabschluesse-in-vier-jahren--dank-stipendium-100.html