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Drei Forschungs-Hubs: Deutschland will Spitze in der Kernfusion werden
Technik · 29.07.2026 18:04

Drei Forschungs-Hubs: Deutschland will Spitze in der Kernfusion werden

Kurz: Deutschland treibt die Energiewende voran: Drei neue Forschungs-Hubs sollen die Kernfusion durch gezielte Spezialisierung und Industrienähe zur Marktreife führe

Strategische Neuausrichtung der Fusionsforschung

Die Bundesregierung setzt ein deutliches Zeichen für die technologische Souveränität im Energiesektor: Mit der Einrichtung von drei spezialisierten Forschungs-Hubs soll Deutschland eine führende Rolle bei der Entwicklung von Fusionskraftwerken einnehmen. Das Ziel ist klar definiert: Die Kernfusion soll langfristig als Quelle für saubere, sichere und bezahlbare Energie etabliert werden, um die industrielle Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu sichern.

Die Initiative verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Forschungseinrichtungen, Start-ups und industrielle Partner eng verzahnt werden. Mit einer initialen Förderung von 125 Millionen Euro bis zum Jahr 2029 sollen die Hubs nicht nur theoretische Grundlagen schaffen, sondern aktiv Infrastruktur, Fertigungskapazitäten und die Ausbildung von Fachkräften vorantreiben.

Stride: Fokus auf magnetischen Einschluss

Der Hub „Stride“ konzentriert sich auf die Fusion mittels magnetischem Einschluss in einem Stellarator. Deutschland gilt in diesem Bereich dank der Forschungsanlage Wendelstein 7-X in Greifswald bereits als international führend. Die Koordination liegt beim Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching, das eng mit den Unternehmen Proxima Fusion und Gauss Fusion zusammenarbeitet.

Die Arbeiten umfassen die Auslegung und Integration komplexer Systeme wie Magnete, Plasmaheizungen und Steuerungstechnik. Ein besonderer Standortvorteil ergibt sich durch die Nutzung des stillgelegten Kernkraftwerks in Gundremmingen. Dort soll zudem das Demonstratorkraftwerk „Stellaris“ entstehen, das den Übergang von der Forschung zur praktischen Anwendung markieren könnte.

Vega: Lasergetriebene Trägheitsfusion

Ein völlig anderer technischer Pfad wird im Hub „Vega“ verfolgt: die lasergetriebene Trägheitsfusion. Hier führen die Start-ups Marvel Fusion und Focused Energy die Koordination an. Der Fokus liegt auf der Entwicklung hochspezialisierter Lasertechnologien sowie der notwendigen Target-Systeme.

Die Standorte für diesen Hub sind das ehemalige Kernkraftwerk in Biblis sowie ein „Fusion R&D Campus“ in Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Verantwortlichen betonen, dass die im Rahmen dieser Forschung entwickelten Technologien, insbesondere im Bereich der Hochleistungslaser, auch in anderen Industriesektoren Anwendung finden könnten, was den Nutzen der Investitionen über die reine Energieerzeugung hinaus erweitert.

Mat-Trix: Materialforschung und Brennstoffkreislauf

Der dritte Hub, „Mat-Trix“, ist am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelt und widmet sich zwei kritischen Herausforderungen der Fusionstechnologie: dem Brennstoffkreislauf und der Materialbeständigkeit. Da Tritium, ein essenzielles Wasserstoffisotop für die Fusion, in der Natur kaum vorkommt, muss es direkt im Reaktor erbrütet werden. Die hierfür notwendigen Technologien stehen im Zentrum der Arbeit am KIT.

Parallel dazu adressieren die Wissenschaftler die extremen physikalischen Bedingungen im Inneren eines Fusionsreaktors. Bei Temperaturen von rund 100 Millionen Grad Celsius und intensiver Strahlung müssen die verwendeten Materialien eine enorme Belastbarkeit aufweisen. Die Entwicklung solcher Werkstoffe ist eine Grundvoraussetzung für den dauerhaften Betrieb eines Kraftwerks.

Perspektiven und nächste Schritte

Die Förderung der Hubs ist auf eine Laufzeit bis 2029 ausgelegt und in sechs Phasen strukturiert. Diese Etappen sollen sicherstellen, dass die Projekte kontinuierlich an konkreten Forschungs- und Entwicklungszielen gemessen werden. Die Einbindung der Industrie, etwa durch Unternehmen wie Focused Energy, unterstreicht den Anspruch, die Fusion aus dem reinen Laborumfeld in eine industrielle Realität zu überführen.

Die Verantwortlichen betrachten die Kernfusion als eine langfristige Antwort auf den globalen Engpass bei bezahlbarer Energie. Während die unmittelbare politische Agenda oft kurzfristig geprägt ist, zielen diese Hubs darauf ab, eine technologische Basis zu schaffen, die über Jahrzehnte hinweg die Energieversorgung transformieren könnte. Die enge Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft soll dabei helfen, die technologischen Hürden effizienter zu überwinden und Deutschland als Standort für Fusionsenergie zu festigen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/silber-imac-mit-might-mouse-und-tastatur-eingeschaltet-930530/ · Foto: Dzenina Lukac
Quelle: https://www.heise.de/news/Drei-neue-Forschungs-Hubs-sollen-die-Kernfusion-in-Deutschland-voranbringen-11383736.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag