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Dock 4 und Palais Bellevue entwickeln Zukunftsvisionen
Regional · 03.08.2026 13:51

Dock 4 und Palais Bellevue entwickeln Zukunftsvisionen

Kurz: Die Kasseler Kulturhäuser Dock 4 und Palais Bellevue erarbeiten im Rahmen des Programms „ÜBERMORGEN“ neue Zukunftsvisionen für die Kulturlandschaft.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Die Kasseler Kulturinstitutionen Dock 4 und Palais Bellevue haben sich einem ambitionierten Projekt verschrieben, das die Rolle von Kulturhäusern in einer sich wandelnden Gesellschaft grundlegend hinterfragen soll. Unter dem Titel „ÜBERMORGEN – Neue Modelle für Kulturinstitutionen“ nehmen die beiden Häuser an einem bundesweiten Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes teil. Ziel ist es, gemeinsam mit der Stadtgesellschaft konkrete Zukunftsvisionen für die Jahre 2040 und 2050 zu entwerfen. Dabei geht es nicht nur um die physische Gestaltung der Orte, sondern vor allem um die Frage, wer sich in diesen Räumen willkommen fühlt und welche Relevanz Kulturhäuser in einem zunehmend digitalen und diversen Umfeld besitzen. Der Prozess ist als partizipatives Vorhaben angelegt, bei dem Bürgerinnen und Bürger, Mitarbeitende der Stadtverwaltung sowie aktive Kulturakteure ihre individuellen Erfahrungen und Wünsche einbringen. Die Initiative zielt darauf ab, die Kulturlandschaft nachhaltig zu öffnen und neue Modelle für die Teilhabe zu etablieren. Der offizielle Startschuss für die praktische Phase fiel Anfang August 2026, wobei die Ergebnisse in ein umfassendes Zukunftskonzept für die beiden beteiligten Kasseler Häuser einfließen sollen. Es ist ein Versuch, institutionelle Strukturen durch den Dialog mit der Bevölkerung zukunftssicher zu gestalten und die Relevanz der Kulturarbeit für kommende Generationen zu sichern.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte

Das Herzstück des Projekts ist die sogenannte „Zukunftscrew“, eine generationenübergreifende Gruppe von Kasselerinnen und Kasselern im Alter von elf bis 80 Jahren. Diese Gruppe absolviert vom 1. bis zum 9. August 2026 ein mehrtägiges „Missionslabor“. Während dieser Zeit setzen sich die Teilnehmenden in Workshops, spielerischen Interventionen und geführten Rundgängen an verschiedenen Orten mit Zukunftsszenarien auseinander. Die Ergebnisse dieses Prozesses werden von drei Künstler-Duos in Form sogenannter „ZEITREISEN“ künstlerisch aufbereitet. Diese Experimente werden am 5. September 2026 im Rahmen der Kasseler Museumsnacht der Öffentlichkeit präsentiert. Die Künstlerinnen Soukaina El Adak und Paula Loll widmen sich dabei dem Themenfeld „Offenheit“ und erforschen durch Tanz- und Begegnungsformate, wie Räume zugänglicher werden können. Eeva Ojanperä und Christine Weghoff behandeln den Bereich „Vermittlung“ und verknüpfen dafür Klangkunst, Pflanzen und moderne Technologie zu einer interaktiven Erfahrung. Das Duo Leon Fomin und David Rothfuss fokussiert sich auf das Thema „Digitalität“ und entwirft spielerische Szenarien, die hinterfragen, wie Kultur funktionieren kann, wenn sie nicht mehr an klassische Orte gebunden ist. Diese künstlerischen Beiträge sollen als Experimente dienen, die mögliche Zukünfte für die Besucherinnen und Besucher unmittelbar erfahrbar machen.

Hintergrund – Die Entstehung und der Verlauf

Das Programm „ÜBERMORGEN – Neue Modelle für Kulturinstitutionen“ ist eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, die bundesweit insgesamt 50 Kulturinstitutionen für eine Förderung ausgewählt hat. Die Grundidee hinter diesem Programm ist die Erkenntnis, dass sich Museen, Theater und andere Kultureinrichtungen in Deutschland in einem tiefgreifenden Wandel befinden. Um in einer Gesellschaft, die von Digitalisierung, Nachhaltigkeitsfragen und einem wachsenden Bedürfnis nach gesellschaftlicher Teilhabe geprägt ist, weiterhin eine zentrale Rolle zu spielen, müssen diese Häuser ihre bisherigen Arbeitsweisen kritisch hinterfragen. Die Kulturstiftung des Bundes möchte mit dieser Förderung innovative Ansätze anstoßen, die über den Einzelfall hinaus die deutsche Kulturlandschaft langfristig verändern könnten. Für Kassel bedeutet die Teilnahme von Dock 4 und Palais Bellevue die Chance, sich aktiv an diesem bundesweiten Diskurs zu beteiligen. Der Prozess wurde von Beginn an so konzipiert, dass er nicht als theoretische Übung verstanden wird, sondern als praktisches Experimentierfeld. Die Einbindung der Stadtgesellschaft war dabei von Anfang an als wesentliches Element vorgesehen, um sicherzustellen, dass die entwickelten Modelle nicht an der Lebensrealität der Menschen vorbeigehen, sondern aus deren Wünschen und Bedürfnissen erwachsen.

Die Beteiligten – Wer entscheidet und wer wirkt mit

Eine zentrale Rolle bei der strategischen Ausrichtung des Projekts nimmt der Kasseler Oberbürgermeister Sven Schoeller ein. Er betont, dass eine Stadt dann besonders lebendig und lebenswert sei, wenn die Impulse der Bürgerinnen und Bürger aktiv aufgenommen und in die Stadtentwicklung integriert würden. Schoeller sieht in dem Programm einen geschützten Raum, in dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und mittels künstlerischer Mittel neue Ideen für die Zukunft der städtischen Kulturhäuser generiert werden können. Neben der politischen Führung sind die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung sowie eine breite Auswahl an Kulturakteuren in den Prozess eingebunden. Die wichtigste Akteursgruppe bleibt jedoch die „Zukunftscrew“, die durch ihre generationenübergreifende Zusammensetzung von elf bis 80 Jahren ein breites Spektrum an Lebenserfahrungen und Zukunftserwartungen in das Projekt einbringt. Die künstlerische Umsetzung der erarbeiteten Erkenntnisse liegt in den Händen der drei Künstler-Duos: Soukaina El Adak, Paula Loll, Eeva Ojanperä, Christine Weghoff, Leon Fomin und David Rothfuss. Sie fungieren als Übersetzer der komplexen gesellschaftlichen Fragestellungen in erfahrbare, künstlerische Formate, die während der Museumsnacht die Brücke zum Publikum schlagen sollen.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das Vorhaben als ein Versuch, die klassische Trennung zwischen Kulturinstitution und Publikum aufzubrechen. Den Berichten zufolge geht es nicht darum, fertige Lösungen für die nächsten Jahrzehnte zu präsentieren, sondern eine Haltung zu entwickeln, die Offenheit und Partizipation in den Mittelpunkt stellt. Dass die „ZEITREISEN“ explizit nicht als Vorhersagen, sondern als Experimente deklariert werden, unterstreicht den explorativen Charakter des Projekts. Es wird deutlich, dass die Stadt Kassel und die beteiligten Häuser die Krise oder den Wandel der Kulturinstitutionen nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreifen, um die Relevanz der Häuser für eine diverse Gesellschaft neu zu legitimieren. Die Einbindung von Künstlern zur Übersetzung der Ergebnisse zeigt zudem, dass man sich bewusst gegen rein administrative oder rein theoretische Konzepte entscheidet. Stattdessen setzt man auf die emotionale und sinnliche Vermittlung von Zukunftsvisionen, um die Bevölkerung stärker an den Prozess der Institutionenentwicklung zu binden. Es ist ein Prozess, der darauf abzielt, die Kulturhäuser wieder stärker als Orte des gesellschaftlichen Austauschs zu positionieren.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Obwohl das Programm „ÜBERMORGEN“ einen klaren Rahmen für die kommenden Wochen vorgibt, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. So geht aus dem Text nicht hervor, wie die konkrete Finanzierung der nach dem Projekt geplanten Maßnahmen aussehen wird. Es ist unklar, ob das Zukunftskonzept, das aus dem Prozess hervorgeht, eine verbindliche Umsetzungsgarantie durch die Stadt Kassel genießt oder ob es lediglich als Empfehlungspapier dient. Zudem fehlen Informationen darüber, wie die Auswahl der „Zukunftscrew“ genau vonstattenging und ob diese Gruppe repräsentativ für die gesamte Kasseler Stadtgesellschaft steht. Auch bleibt offen, welche spezifischen baulichen oder strukturellen Veränderungen an den Häusern Dock 4 und Palais Bellevue vorgenommen werden könnten, falls die Ergebnisse des Missionslabors dies nahelegen würden. Die langfristige Bindung der Künstler-Duos über die Museumsnacht hinaus wird ebenfalls nicht thematisiert. Es bleibt somit eine Lücke zwischen der visionären Phase des Missionslabors und der tatsächlichen, langfristigen Implementierung der Ergebnisse in den laufenden Betrieb der Kulturinstitutionen, was die Frage nach der Nachhaltigkeit der Impulse aufwirft.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte

Der Zeitplan für die kommenden Wochen ist durch die Termine des Missionslabors und der Museumsnacht eng getaktet. Nach dem Abschluss des Missionslabors am 9. August 2026 beginnt für die Künstler-Duos die Phase der Ausarbeitung ihrer „ZEITREISEN“. Diese werden als künstlerische Experimente bis zur Kasseler Museumsnacht am 5. September 2026 finalisiert, um dort dem Publikum präsentiert zu werden. Nach diesem öffentlichen Höhepunkt folgt der wichtigste administrative Schritt: Die Zusammenführung aller Erkenntnisse aus der Arbeit der „Zukunftscrew“ und den künstlerischen Interventionen zu einem umfassenden Zukunftskonzept für das Dock 4 und das Palais Bellevue. Wann genau dieses Konzept der Öffentlichkeit oder den städtischen Gremien zur finalen Beratung vorgelegt wird, ist im aktuellen Zeitplan nicht explizit festgelegt. Ebenso bleibt abzuwarten, welche der entwickelten Ideen in den regulären Spielbetrieb der Häuser übernommen werden. Die Verantwortlichen haben jedoch signalisiert, dass die Ergebnisse des Programms die Basis für die zukünftige Ausrichtung der Häuser bilden sollen, was auf einen längeren Prozess der konzeptionellen Anpassung nach dem September hindeutet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schwarz-und-weiss-schwarzweiss-stadt-gebaude-20743529/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.kassel.de/pressemitteilungen/august/uebermorgen.php