Neue regulatorische Hürden für Tech-Giganten
Die Europäische Kommission bereitet offenbar eine Ausweitung ihrer strengen Aufsicht im digitalen Raum vor. Wie aus Berichten hervorgeht, stehen der KI-Chatbot ChatGPT von OpenAI sowie die Spieleplattform Roblox kurz davor, als sogenannte „Very Large Online Platforms“ (VLOP) eingestuft zu werden. Diese Klassifizierung basiert auf dem Digital Services Act (DSA), einem zentralen Gesetzeswerk der EU, das darauf abzielt, die Verantwortung großer digitaler Dienste zu erhöhen.
Der Hintergrund für diesen Schritt ist das Nutzeraufkommen: Der DSA sieht vor, dass Dienste mit mehr als 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU als systemrelevant eingestuft werden können. Während OpenAI für ChatGPT rund 159 Millionen Nutzer angibt, liegt die Zahl bei Roblox bei etwa 48 Millionen. Beide Unternehmen überschreiten damit die gesetzliche Schwelle deutlich.
Was die VLOP-Einstufung für Unternehmen bedeutet
Sollte die Einstufung wie erwartet im August erfolgen, kommen auf OpenAI und die Roblox Corporation umfangreiche Pflichten zu. Der DSA fordert von als VLOP gelisteten Anbietern unter anderem:
* Regelmäßige und detaillierte Risikoanalysen zur Sicherheit der Nutzer.
* Unabhängige externe Prüfungen der Plattform-Mechanismen.
* Die Veröffentlichung jährlicher Transparenzberichte.
* Die Zahlung einer Aufsichtsgebühr an die EU-Kommission.
Bei Nichteinhaltung dieser Vorgaben drohen den Konzernen empfindliche Sanktionen. Die Bußgelder können bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes betragen, was den finanziellen Druck auf die betroffenen Unternehmen massiv erhöht.
Fokus auf Jugendschutz und KI-Risiken
Besonders für Roblox stellt die Regulierung eine Herausforderung dar, da die Plattform bereits mehrfach aufgrund mangelnder Schutzmaßnahmen für Minderjährige in der Kritik stand. Zwar hat das Unternehmen bereits strengere Kontrollen für Interaktionen und Inhalte implementiert, doch der gleichzeitige Ausbau des Werbegeschäfts steht im Fokus der Aufsichtsbehörden. Der DSA untersagt explizit personalisierte Werbung, die auf Profiling basiert, sofern das Alter der Minderjährigen dem Anbieter bekannt ist.
Für OpenAI verschiebt sich der Fokus bei den geforderten Risikobewertungen auf andere Bereiche. Hierbei geht es insbesondere um den Nachweis effektiver Maßnahmen gegen die Verbreitung von Desinformation sowie die Einhaltung von Datenschutzvorgaben und den Schutz geistigen Eigentums bzw. Urheberrechten.
Einordnung in die europäische Digitalpolitik
Mit der geplanten Einstufung von OpenAI und Roblox setzt die EU ihre Strategie fort, die digitale Landschaft konsequent zu regulieren. Während im Jahr 2023 Plattformen wie YouTube, Facebook und Instagram die ersten VLOPs wurden und zuletzt Online-Marktplätze wie Shein und Temu in den Fokus rückten, betritt die Kommission mit der Einbeziehung von KI-Entwicklern und Videospiel-Plattformen neues Terrain.
Bisher haben sich weder OpenAI noch Roblox offiziell zu den Berichten geäußert. Auch seitens der EU-Kommission liegt noch keine offizielle Stellungnahme vor. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie die Unternehmen auf die drohende Einstufung reagieren und inwieweit sie ihre internen Compliance-Strukturen an die Anforderungen des Digital Services Act anpassen müssen.