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Dieser 60-Meter-Ballon soll Internet aus der Stratosphäre liefern
Technik · 26.07.2026 10:55

Dieser 60-Meter-Ballon soll Internet aus der Stratosphäre liefern

Kurz: Ein 60 Meter langes Luftschiff soll als Stratosphären-Plattform das 5G-Netz in Japan erweitern. Das steckt hinter der HAPS-Technologie von Sceye.

Neue Ära der Konnektivität: Internet aus der Stratosphäre

In der Luftfahrt und Telekommunikation zeichnet sich eine technologische Entwicklung ab, die das Potenzial hat, die Versorgung mit Internetdiensten grundlegend zu verändern. Das in New Mexico ansässige Unternehmen Sceye setzt dabei auf sogenannte High-Altitude Platform Stations (HAPS). Dabei handelt es sich um Fluggeräte, die in einer Höhe von etwa 18 Kilometern operieren und von dort aus Aufgaben übernehmen, die bisher entweder terrestrischen Sendemasten oder Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen vorbehalten waren.

Ein aktuelles Projekt führt das Unternehmen in den pazifischen Raum. Ein rund 60 Meter langes, mit Helium gefülltes Fluggerät, das optisch an ein Luftschiff erinnert, soll im August eine beachtliche Reise antreten. Ausgehend von den USA führt die Route über den Pazifik in Richtung Japan. Dort ist das Ziel, die Plattform in der Stratosphäre zu positionieren, um in Zusammenarbeit mit dem Mobilfunkanbieter Softbank das 5G-Netz zu ergänzen und Daten direkt an Endgeräte zu übermitteln.

Die Vorteile von HAPS gegenüber der Satellitentechnik

Das Konzept der HAPS-Plattformen bietet eine interessante Zwischenlösung zwischen bodengestützter Infrastruktur und der Raumfahrt. Da diese Fluggeräte deutlich näher an der Erdoberfläche operieren als Satelliten, ist der Energieaufwand für die Signalübertragung signifikant geringer. Mikkel Vestergaard Frandsen, Gründer und CEO von Sceye, beschreibt den Ansatz als eine Möglichkeit, weltraumähnliche Bedingungen zu schaffen, ohne dabei die hohen Kosten und die Komplexität einer echten Weltraummission in Kauf nehmen zu müssen.

Die Einsatzgebiete für solche Plattformen sind vielfältig. Neben der Bereitstellung von Internetzugängen in dicht besiedelten Regionen, wo sie Satellitenbetreiber bei der Kapazitätssteigerung unterstützen können, sehen Unternehmen wie die Airbus-Tochter Aalto auch Potenzial in der Katastrophenhilfe. In Gebieten, in denen die terrestrische Infrastruktur zerstört wurde, könnten HAPS schnell für eine funktionierende Kommunikation sorgen. Zudem ist die Erdbeobachtung ein zentrales Einsatzfeld.

Technische Herausforderungen in der Stratosphäre

Der Betrieb in 18 Kilometern Höhe stellt Ingenieure vor komplexe Aufgaben. Ein solches Fluggerät muss einerseits extrem leicht konstruiert sein, um in der Luft zu bleiben, andererseits jedoch eine hohe strukturelle Stabilität aufweisen, um die notwendige Technik für die Signalübertragung zu tragen. Die Energieversorgung erfolgt dabei autark über Solarpaneele, die auf der Hülle angebracht sind.

Eine besondere Herausforderung ist die Aufrechterhaltung der Position. Da Winde das Fluggerät aus der Bahn werfen können, muss das System in der Lage sein, aktiv gegenzusteuern. Dies geschieht über Rotoren, die rund um die Uhr mit Strom versorgt werden müssen. Die Speicherung der tagsüber gewonnenen Sonnenenergie ist daher essenziell für den nächtlichen Betrieb.

Fortschritte und nächste Schritte

Die Entwicklung hat in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Bei einem Testflug im Jahr 2024 konnte das Sceye-System bereits unter Beweis stellen, dass es in der Lage ist, seine Position trotz widriger Bedingungen stabil zu halten. In einem weiteren Testlauf im Frühjahr dieses Jahres blieb das Fluggerät zwölf Tage lang in der Luft und legte dabei eine Strecke bis zur Küste Brasiliens zurück, wobei es über 88 Stunden lang fest an verschiedenen Standorten verweilte.

Der bevorstehende Einsatz über Japan markiert einen weiteren wichtigen Meilenstein. Sollte sich das System dort bewähren, könnte dies den Weg für einen kommerziellen Dauerbetrieb ebnen. Die Technologie zeigt, dass die Stratosphäre zunehmend als strategisch wichtiger Raum für die globale Vernetzung und Datenübertragung wahrgenommen wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/gelbes-kabel-3541557/ · Foto: Ann H
Quelle: https://t3n.de/news/silberpfeil-internet-stratosphaere-ballon-japan-1752238/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed