Formtest auf dem Weg nach Birmingham
Gut zwei Wochen vor dem Start der Europameisterschaften in Birmingham steht für die deutsche Leichtathletik-Elite ein entscheidender Härtetest an. Im Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid werden am Wochenende die nationalen Meistertitel vergeben. Für viele Athleten geht es dabei nicht nur um die prestigeträchtige Goldmedaille, sondern auch um die Sicherung der letzten Startplätze für den Saisonhöhepunkt in Großbritannien.
Die Veranstaltung findet unter dem Eindruck einer Saison statt, in der zahlreiche deutsche Rekorde fielen. Diese Entwicklung hat in der Fachwelt für Aufsehen gesorgt und die Erwartungen an die kommenden Wettkämpfe weiter gesteigert.
Mihambo und Weber im Fokus
Zu den prominentesten Teilnehmerinnen zählt die Olympiasiegerin Malaika Mihambo. Nach überstandenen Rückenproblemen meldete sich die Weitspringerin zuletzt beim Diamond-League-Meeting in London eindrucksvoll zurück und erzielte mit 7,05 Metern ihre größte Weite seit ihrem EM-Sieg vor zwei Jahren. Das Publikum in Wattenscheid darf gespannt sein, ob sie diese Marke bei der Meisterschaft bestätigen oder gar übertreffen kann.
Im Speerwurf sorgt Europameister Julian Weber für Schlagzeilen. Nach einer langen Leidenszeit mit multiplen Verletzungen gelang ihm in Luzern ein Comeback nach Maß. Mit einer Weite von 87,04 Metern setzte er eine neue europäische Jahresbestleistung und unterstrich seine Ambitionen für die EM. In Bochum strebt der 31-Jährige seinen sechsten deutschen Meistertitel in Folge an. Damit könnte er mit der Legende Klaus Wolfermann gleichziehen. Als härtester Konkurrent gilt Thomas Röhler, der ebenfalls wieder an seine früheren Leistungen anknüpfen konnte.
Rekordjagd auf der Laufbahn
Nicht nur in den technischen Disziplinen, sondern auch auf der Laufbahn präsentieren sich die DLV-Athleten in starker Verfassung. Emil Agyekum hat über 400 Meter Hürden den langjährigen deutschen Rekord von Harald Schmid unterboten und zählt damit zur europäischen Spitze. Auch Robert Farken sorgt für Bestmarken am Fließband; er stellte in London gleich zwei deutsche Rekorde über 1500 Meter und die Meile auf.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Hindernisrennen. Bei den Frauen zeigt sich die zweimalige Europameisterin Gesa Krause in herausragender Form. Mit einer Zeit von 9:07,50 Minuten in Eugene unterstrich sie ihre Ambitionen. Da jedoch bereits vier Läuferinnen die EM-Norm erfüllt haben, der Verband aber nur drei Startplätze pro Disziplin vergibt, ist der interne Konkurrenzdruck hoch. Bei den Männern führt der Titelverteidiger Karl Bebendorf das Feld an, nachdem der Hindernis-Europarekordler Frederik Ruppert kurzfristig auf die 5000-Meter-Distanz gewechselt ist.
Absagen und personelle Herausforderungen
Nicht alle Spitzenathleten werden in Wattenscheid an den Start gehen können. Konstanze Klosterhalfen hat bereits angekündigt, sowohl auf die DM als auch auf die EM zu verzichten, um sich künftig auf den Straßenlauf zu konzentrieren. Auch Majtie Kolberg und die Lokalmatadorin Christina Honsel mussten ihre Teilnahme aufgrund von Verletzungen absagen, halten jedoch an ihren Plänen für die Europameisterschaften fest.
Zusätzlich sorgt der Sprinter Owen Ansah für Schlagzeilen. Trotz laufender Ermittlungen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) wegen des Vorwurfs einer verweigerten Dopingkontrolle plant der deutsche Rekordhalter über 100 Meter den Start bei den Meisterschaften. Er hat angekündigt, sich umfassend gegenüber der NADA zu äußern.
Hintergrund und Ausblick
Die Leichtathletik-DM in Wattenscheid bildet den Abschluss einer intensiven Vorbereitungsphase. Während die Stabhochspringer ihre Titel bereits im Rahmen der "Finals" in Hannover ermittelt haben – wobei Marec Metzger überraschend den Favoriten Bo Kanda Lita Baehre schlug –, steht für die übrigen Disziplinen nun die finale Standortbestimmung an. Die gezeigten Leistungen in Bochum werden maßgeblich darüber entscheiden, mit welchen Erwartungen das deutsche Team die Reise nach Birmingham antritt.