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Der Security-Ko-Prozessor in vielen CPUs ist unsicher
Technik · 12.08.2026 16:42

Der Security-Ko-Prozessor in vielen CPUs ist unsicher

Kurz: Schwachstellen im fTPM 2.0 gefährden die Sicherheit von AMD- und Intel-Systemen. Angreifer könnten durch lokale Zugriffe tiefgreifende Systemmanipulationen vorn

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Das Trusted Platform Module (TPM) gilt als das zentrale Element innerhalb der Vertrauenskette moderner Computersysteme. Es dient als sogenannter Root of Trust, um die Integrität von Hardware und Software sicherzustellen. Aktuellen Berichten zufolge ist ausgerechnet diese kritische Komponente bei einer Vielzahl von Prozessoren der Hersteller AMD und Intel angreifbar. Die Schwachstellen liegen in der Implementierung des fTPM 2.0, einer Firmware-basierten Lösung, die auf einem abgeschotteten Mikrocontroller-Kern innerhalb der CPU ausgeführt wird. Das Firmenkonsortium Trusted Computing Group, welches den entsprechenden Referenzcode für diese Technologie bereitstellt, hat selbst auf schwerwiegende Mängel in früheren Versionen hingewiesen. Diese Schwachstellen, die unter den Bezeichnungen CVE-2026-6726 und CVE-2026-6727 geführt werden, ermöglichen es Angreifern unter bestimmten Voraussetzungen, tiefgreifende Änderungen an betroffenen Systemen vorzunehmen. Da das TPM für die Speicherung kryptografischer Schlüssel und die Überprüfung der Echtheit des UEFI-BIOS sowie für Sicherheitsfunktionen wie Bitlocker unter Windows essenziell ist, wiegt diese Entdeckung besonders schwer. Die Schweregrade der Lücken werden im Common Vulnerability Scoring System (CVSS) mit 8,5 beziehungsweise 8,3 als hoch eingestuft.

Die Einzelheiten zu den Sicherheitslücken

Die beiden identifizierten Schwachstellen weisen unterschiedliche Angriffsvektoren auf. Die Lücke CVE-2026-6727 wird als Seitenkanalangriff beschrieben. Dabei nutzt der Angreifer Zeitversätze aus, um vertrauliche Informationen aus dem TPM zu extrahieren. Durch das Senden einer Vielzahl von Befehlen an den Coprozessor und das präzise Messen der Antwortzeiten bei der Verarbeitung des Verschlüsselungsverfahrens RSA-OAEP können Rückschlüsse auf Geheimnisse gezogen werden, da korrekte und falsche Füllwerte in der Verschlüsselung unterschiedlich lange Verarbeitungszeiten erfordern. Die zweite Schwachstelle, CVE-2026-6726, zielt direkt auf die Validierung kryptografischer Schlüssel ab. Hierbei wurde festgestellt, dass das TPM unter bestimmten Umständen verworfene Schlüssel nicht korrekt invalidiert. Dies führt dazu, dass ein Angreifer einen manipulierten Schlüssel an der Stelle eines legitimen Keys einschleusen kann, der vom System fälschlicherweise als echt akzeptiert wird. Dies ebnet den Weg für weitreichende Manipulationen an der Systemintegrität. Beide Lücken erfordern für eine erfolgreiche Ausnutzung einen lokalen Zugriff auf das Gerät sowie privilegierte Rechte, was die unmittelbare Gefahr für den durchschnittlichen Privatnutzer zwar begrenzt, für Unternehmensumgebungen jedoch ein erhebliches Risiko darstellt.

Hintergrund und Ursprung der Schwachstellen

Die Ursache für die Sicherheitslücken liegt in der Bereitstellung des Referenzcodes durch die Trusted Computing Group. Sowohl AMD als auch Intel sind Mitglieder dieses Konsortiums und haben den fehlerhaften Code in ihre jeweiligen BIOS-Versionen integriert, um die fTPM-2.0-Funktionalität auf ihren Prozessoren zu realisieren. Das fTPM 2.0 ist als Firmware-Lösung konzipiert, die auf einem dedizierten, vom Hauptprozessor abgeschotteten Mikrocontroller-Kern läuft. Da dieser Code integraler Bestandteil der Firmware ist, die von den Prozessorherstellern an die Mainboard- und Systemhersteller geliefert wird, betrifft das Problem eine sehr breite Palette an Hardware-Generationen. Die Schwachstellen sind somit nicht auf ein einzelnes Produkt beschränkt, sondern ziehen sich durch die Implementierung des Standards bei den zwei marktbeherrschenden CPU-Herstellern. Die Entdeckung dieser Mängel unterstreicht die Komplexität der Vertrauenskette, bei der bereits Fehler im grundlegenden Referenzcode weitreichende Auswirkungen auf die Sicherheit von Millionen von Desktop-PCs, Notebooks und Servern haben können, da diese Systeme auf die Integrität des TPM angewiesen sind, um beispielsweise die Bitlocker-Verschlüsselung oder die UEFI-BIOS-Prüfung verlässlich auszuführen.

Die betroffenen Akteure und Systeme

Von der Problematik sind zahlreiche Prozessorgenerationen beider Hersteller betroffen. Bei AMD umfasst das Spektrum nahezu alle Desktop-, Notebook- und Embedded-Prozessoren, die auf der Zen-Architektur basieren. Dies reicht von der Ryzen-1000-Serie bis hin zu den aktuellen Ryzen-9000-Modellen sowie den Ryzen AI 400 Prozessoren. Im Serverbereich sind laut AMD spezifisch die Epyc-Modelle 4004 und 4005 betroffen, während die leistungsstärkeren 7000er- und 9000er-Serien nicht explizit in der Liste der betroffenen Modelle aufgeführt werden. Intel verzeichnet ebenfalls eine breite Betroffenheit, die Desktop-, Notebook- und Embedded-Prozessoren bis einschließlich der Core-Ultra-200-Serie einschließt. Bei den Server-CPUs nennt Intel Baureihen bis hin zu den Xeon Scalable Prozessoren der dritten Generation (Ice Lake), die im Jahr 2021 eingeführt wurden. Die betroffenen Unternehmen – AMD und Intel – fungieren hierbei als Zulieferer, die den fehlerhaften Code in ihre Firmware integriert haben. Die eigentliche Verteilung der Korrekturen erfolgt jedoch über die Hersteller von Mainboards und Komplettsystemen, die die neuen BIOS-Versionen in ihre Update-Zyklen aufnehmen müssen.

Einordnung der Sicherheitslage

Die Sicherheitslücken sind als kritisch einzustufen, da sie das Fundament der Systemintegrität untergraben. Den Berichten zufolge ist die praktische Relevanz für Privatnutzer zwar als gering einzuschätzen, da ein lokaler Zugriff mit privilegierten Rechten für einen Angriff zwingend erforderlich ist. In einem Unternehmenskontext ändert sich die Bewertung jedoch grundlegend. Ein Angreifer, der physischen oder lokalen Zugriff auf ein Notebook erlangt, könnte dieses kompromittieren und anschließend als vertrauenswürdiges Firmengerät tarnen. Dies würde es dem Angreifer ermöglichen, sich in das Unternehmensnetzwerk einzunisten und weitere Sicherheitsbarrieren zu umgehen. Einzuordnen ist das so, dass das TPM als Root of Trust zwar weiterhin ein wichtiges Sicherheitsinstrument bleibt, die Abhängigkeit von einer fehleranfälligen Firmware-Implementierung jedoch eine Schwachstelle darstellt, die bei einer Kompromittierung des TPM-Kerns die gesamte Sicherheitsarchitektur des Systems in Frage stellt. Die hohe CVSS-Bewertung unterstreicht dabei die theoretische Gefährlichkeit der Lücken, auch wenn die Hürden für eine Ausnutzung in der Praxis hoch bleiben.

Offene Fragen und Lücken in der Berichterstattung

Obwohl die Berichte die technischen Hintergründe der Schwachstellen CVE-2026-6726 und CVE-2026-6727 sowie die betroffenen Hardware-Generationen detailliert benennen, bleiben einige Fragen unbeantwortet. So wird nicht explizit erläutert, warum die fehlerhafte Implementierung des Referenzcodes über einen so langen Zeitraum unbemerkt blieb, obwohl das TPM bereits seit Jahren in Millionen von Systemen weltweit im Einsatz ist. Zudem gibt der Quelltext keine Auskunft darüber, ob bereits aktive Ausnutzungen der Schwachstellen in freier Wildbahn dokumentiert wurden oder ob es sich rein um theoretische, im Labor nachgewiesene Sicherheitslücken handelt. Auch die Frage, ob ältere Hardware-Generationen, die nicht mehr aktiv mit BIOS-Updates versorgt werden, dauerhaft anfällig bleiben oder ob es alternative Schutzmaßnahmen für diese Systeme gibt, wird nicht geklärt. Ebenso bleibt offen, wie hoch der Aufwand für einen Angreifer ist, die für den Seitenkanalangriff notwendige Software präzise auf die Hardware-Umgebung abzustimmen, um die Zeitversätze zuverlässig für eine Extraktion von Geheimnissen nutzen zu können.

Wie es weitergeht

Die Reaktion der Hersteller auf die entdeckten Schwachstellen ist bereits angelaufen. Sowohl AMD als auch Intel haben neue Firmware-Versionen an die Hersteller von Mainboards, Notebooks und Desktop-PCs verteilt. Diese Unternehmen werden in den kommenden Wochen und Monaten entsprechende BIOS-Updates für ihre Kunden bereitstellen. Nutzer sind daher angehalten, die Support-Seiten ihrer jeweiligen Hardware-Hersteller regelmäßig auf neue BIOS-Versionen zu prüfen. Parallel dazu werden Software-Patches für verschiedene Plattformen und Bibliotheken ausgerollt, darunter Aktualisierungen für die Debian-Bibliothek libtpms sowie für zahlreiche Windows-Versionen. Die vollständige Schließung der Sicherheitslücken erfordert somit eine koordinierte Aktion, die sowohl die Firmware-Ebene als auch die Betriebssystem-Ebene umfasst. Da die Bereitstellung der Updates von den jeweiligen Geräteherstellern abhängt, ist mit einem gestaffelten Zeitplan zu rechnen, bei dem die Verfügbarkeit der Korrekturen je nach Modell und Hersteller variieren wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/polizei-suv-neben-marineschiff-mit-f-805-kennzeichnung-33589248/ · Foto: Martijn Stoof
Quelle: https://www.heise.de/news/Der-Security-Ko-Prozessor-in-vielen-CPUs-ist-unsicher-11411837.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag