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Der digitale Euro soll bis 2029 kommen
Wirtschaft · 27.07.2026 07:16

Der digitale Euro soll bis 2029 kommen

Kurz: Bis 2029 soll der digitale Euro schrittweise eingeführt werden. Das Projekt zielt auf mehr europäische Souveränität im Zahlungsverkehr gegenüber US-Anbietern ab

Ein neues Kapitel für den europäischen Zahlungsverkehr

Die Einführung einer digitalen europäischen Währung nimmt konkrete Formen an. Bis zum Jahr 2029 soll der digitale Euro schrittweise in den Alltag der Bürgerinnen und Bürger integriert werden. Ziel ist es, ein Zahlungsmittel zu schaffen, das die Sicherheit und Anonymität von Bargeld mit der Bequemlichkeit moderner Smartphone-Technologie verbindet. Hinter dem Projekt steht der politische Wille, die Abhängigkeit von großen US-amerikanischen Finanzdienstleistern wie Visa, MasterCard oder PayPal zu verringern und die Souveränität des europäischen Finanzsektors zu stärken.

Politische Ambitionen und der Weg zur Einigung

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gilt als einer der prominentesten Befürworter des Vorhabens. Er betont regelmäßig die Notwendigkeit eines „europäischen Patriotismus“ im Finanzwesen. Die Debatte hat auf europäischer Ebene an Fahrt aufgenommen: Nachdem die Finanzminister der Mitgliedsstaaten bereits eine gemeinsame Position formuliert hatten, hat sich nun auch das Europäische Parlament in den Prozess eingeschaltet. Aktuell laufen die Verhandlungen zwischen den EU-Institutionen. Zwar gibt es noch unterschiedliche Auffassungen, etwa bei der Ausgestaltung strengerer Datenschutzvorgaben, doch die Beteiligten zeigen sich zuversichtlich, zeitnah einen Konsens zu erzielen.

Die Rolle der Banken und das Wallet-Konzept

Ein zentraler Streitpunkt war lange Zeit die technische Umsetzung des digitalen Geldbeutels, der sogenannten Wallet. Ursprünglich stand die Frage im Raum, ob die Europäische Zentralbank (EZB) eine eigene App entwickeln sollte. Geschäftsbanken äußerten hiergegen Bedenken, da sie eine direkte Konkurrenz fürchteten. Inzwischen zeichnet sich eine Lösung ab: Die Wallet soll voraussichtlich direkt in die bestehenden Apps der Banken integriert werden. Dies hätte den Vorteil, dass das digitale Portemonnaie unmittelbar mit dem Girokonto verknüpft ist.

Dennoch bleiben Details zu klären, insbesondere bezüglich der Obergrenzen für Guthaben. Banken befürchten, dass große Mengen an Einlagen in die digitale Wallet abfließen könnten, was ihren Spielraum für Kreditvergaben und Investitionen einschränken würde. Die Festlegung eines Schwellenwerts ist daher ein wesentlicher Punkt in den laufenden Diskussionen.

Bargeld bleibt erhalten

Besonders in Ländern mit einer starken Bargeldkultur wie Deutschland, Österreich und Italien ist die Skepsis gegenüber digitalen Neuerungen groß. Die Politik begegnet diesen Vorbehalten mit dem Argument, dass der digitale Euro eine Ergänzung und kein Ersatz für physisches Geld sei. Zudem plant die EU eine gesetzliche Neuerung, die den Handel dazu verpflichten soll, Bargeld flächendeckend zu akzeptieren. Damit würde die Praxis, Geschäfte ausschließlich auf Kartenzahlung umzustellen, künftig unzulässig werden.

Ein straffer Zeitplan für die Umsetzung

Die EZB hat bereits 36 Zahlungsdienstleister für erste Testphasen ausgewählt, um die Infrastruktur zu erproben. Während die Politik, allen voran Bundesfinanzminister Klingbeil, auf ein zügiges Tempo drängt, plädieren Vertreter der Privatbanken für eine stufenweise Einführung. Sie schlagen vor, Online- und Offline-Varianten des digitalen Euro zeitversetzt zu starten, um die Sicherheitsanforderungen und den operativen Aufwand besser bewältigen zu können.

Die nächsten Schritte sind bereits definiert: Bereits im kommenden Jahr soll ein Pilotprojekt starten, das den Weg für die geplante Einführung im Jahr 2029 ebnet. Ob dieser Zeitplan angesichts der komplexen technischen und regulatorischen Anforderungen gehalten werden kann, bleibt abzuwarten, doch die Richtung für das europäische Finanzwesen scheint mit dieser Entscheidung festzustehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/finanzen-kasse-banknoten-papiergeld-10149288/ · Foto: Engin Akyurt
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/digitales/einfuehrung-digitaler-euro-100.html