Prognose: Gedämpfte Erwartungen für den Breitbandmarkt
Der weltweite Markt für Ausrüstung im Bereich Highspeed-Festnetze steht vor einer deutlichen Abkühlung. Laut einer aktuellen Fünfjahresprognose der Dell'Oro Group wird das jährliche Wachstum zwischen 2026 und 2030 im Durchschnitt lediglich 0,5 Prozent betragen. Diese Einschätzung markiert eine Korrektur nach unten im Vergleich zu den Vorhersagen, die das Analystenhaus noch im Sommer 2025 getroffen hatte.
Die Experten gehen davon aus, dass die Investitionen in den Ausbau von Glasfaser- und Docsis-Netzen im Jahr 2028 ihren Höhepunkt erreichen werden. Das Volumen soll in diesem Jahr bei etwa 18,8 Milliarden US-Dollar liegen. Danach ist mit einer weiteren Abschwächung der Marktdynamik zu rechnen.
Ursachen für die Marktabkühlung
Für die verhaltene Entwicklung identifiziert die Dell'Oro Group mehrere zentrale Faktoren. Ein wesentlicher Punkt ist die spürbare Verlangsamung beim Breitband-Datenverbrauch. Wenn Nutzer ihre Datennutzung nicht mehr in dem Maße steigern wie in den Vorjahren, sinkt der unmittelbare Druck auf die Netzbetreiber, ihre Infrastruktur in hohem Tempo aufzurüsten.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Marktlage in China. Die dortigen großen Netzbetreiber – China Mobile, China Telecom und China Unicom – agieren derzeit zurückhaltender als in der Vergangenheit. Zwar gibt es Bestrebungen, 50G-PON-Systeme einzuführen, doch die Umsetzung verläuft schleppend. Die großen Player Huawei und ZTE setzen zwar auf diese Technologie, beschränken den Einsatz jedoch primär auf Geschäftskunden oder vereinzelte Pilotprojekte im Privatkundenbereich.
Herausforderungen bei Glasfaser und Docsis 4.0
Parallel zur Entwicklung in China zeigt sich weltweit ein differenziertes Bild bei den Technologien:
* **Glasfaser (PON):** Der Umsatz mit PON-Ausrüstung soll bis 2030 jährlich um durchschnittlich 1,6 Prozent wachsen. Treiber sind hier vor allem der Ausbau von XGS-PON in Nordamerika, Europa, dem Nahen Osten und Afrika sowie der Bereich Fiber-To-The-Room (FTTR) in China.
* **Docsis 4.0:** Bei Kabelzugangsnetzen konzentriert sich der Ausbau stark auf Nordamerika. Unternehmen wie Comcast, Charter Communications und Rogers Communications treiben hier die Implementierung von Virtual CCAP, Remote-PHY und Remote-MACPHY voran. Die Umsätze in diesem Segment werden für 2028 und 2029 auf ihrem Zenit erwartet.
Steigende Kosten als Hemmschuh
Neben der technologischen Zurückhaltung gibt es ökonomische Hürden. Laut Jeff Heynen, Vice President bei Dell'Oro, drohen steigende Materialkosten für CPE-Geräte (Customer Premises Equipment) die Kluft zwischen Haushalten, die technisch erschlossen sind, und solchen, die tatsächlich einen Anschluss nutzen, weiter zu vergrößern. Wenn die Endgeräte für die Verbraucher zu teuer werden, sinkt die Anschlussquote, was wiederum die Rentabilität der Ausbauprojekte für die Netzbetreiber schmälert.
Die Branche steht somit vor der Herausforderung, trotz eines nachlassenden Wachstums bei der Datennachfrage und steigender Kosten eine effiziente Strategie für den Netzausbau zu finden. Während in Nordamerika der Fokus auf der Modernisierung der Kabelnetze liegt, bleibt die Entwicklung in Asien und Europa stark von den jeweiligen regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der Akzeptanz neuer Glasfaser-Standards abhängig.