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David Ellison: Der Paramount-Boss spielt den Harmlosen
Kultur · 06.08.2026 09:39

David Ellison: Der Paramount-Boss spielt den Harmlosen

Kurz: David Ellison kämpft mit einem Gastbeitrag um die Übernahme von Warner. Doch der Paramount-Chef steht unter Druck: Kartellklagen und hohe Kosten drohen.

Ein öffentliches Plädoyer unter Zeitdruck

David Ellison, der CEO von Paramount Skydance, hat eine ungewöhnliche Strategie gewählt, um die ins Stocken geratene Übernahme von Warner Bros. Discovery zu retten. In einem Gastbeitrag für die „New York Times“ meldete sich der Medienmanager erstmals persönlich zu Wort, um den geplanten 110-Milliarden-Dollar-Deal zu verteidigen. Bisher hatte Ellison zu den massiven Vorwürfen geschwiegen, doch er betonte nun, dass andere seine Geschichte bereits für ihn geschrieben hätten – ein Zustand, den er beenden wolle.

Die Resonanz auf seinen Vorstoß war jedoch unmittelbar mit einer juristischen Hürde verbunden. Nur Stunden nach Veröffentlichung des Textes legte eine Bundesrichterin den Prozessbeginn für die kartellrechtliche Klage auf März 2027 fest. Für Paramount bedeutet dieser späte Termin eine erhebliche finanzielle Belastung.

Die hohen Kosten des Stillstands

Die Verzögerung des Verfahrens verschärft die wirtschaftliche Lage für das Unternehmen. Ab Oktober muss Paramount Skydance sogenannte „ticking fees“ in Höhe von etwa sieben Millionen Dollar pro Tag entrichten, solange die Übernahme nicht vollzogen ist. Bis zum Prozessbeginn im Frühjahr 2027 könnten sich diese Kosten auf rund 1,7 Milliarden Dollar summieren. Sollte das Vorhaben am Ende gänzlich scheitern, droht zudem eine Vertragsstrafe von sieben Milliarden Dollar. Zwölf Bundesstaaten sowie die „Writers Guild of America“ gehen juristisch gegen die Fusion vor, da sie eine unzulässige Marktmacht befürchten.

Argumentation gegen die Giganten

In seinem Essay entwirft Ellison das Bild eines Medienmarktes, in dem ein fusionierter Konzern aus Paramount und Warner keineswegs zu dominant wäre. Vielmehr argumentiert er, dass die Größe notwendig sei, um gegen Tech-Giganten wie Netflix, Amazon, Apple und YouTube bestehen zu können. Seinen Kritikern wirft er vor, ein Hollywood-Bild zu zeichnen, das in der heutigen Realität keine Gültigkeit mehr besitze. Die Fusion sei somit ein notwendiges Korrektiv, um im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben.

Politische Kontroversen um CNN und CBS

Der Kern des Widerstands gegen die Übernahme scheint jedoch weniger in Marktanteilen als in der politischen Ausrichtung der beteiligten Medienhäuser zu liegen. Sollte der Deal gelingen, würden neben CBS auch CNN unter die Kontrolle der Ellisons fallen. Kritiker äußern die Sorge, dass der neue Eigentümer die redaktionelle Linie der Nachrichtensender beeinflussen könnte.

Ellison weist diese Vorwürfe zurück. Er betont, er habe in der Vergangenheit Kandidaten beider politischer Lager gewählt und verfolge keine parteipolitische Agenda. Sein Ziel sei ein Journalismus, der „geradlinig aus der Mitte“ berichte und ausschließlich den Fakten verpflichtet sei.

Skepsis gegenüber dem Kurswechsel

Diese Beteuerungen stoßen in der Branche auf erhebliche Skepsis. Beobachter verweisen auf die jüngsten Entwicklungen bei CBS nach der Übernahme durch Skydance. Mit der Ernennung der konservativen Kommentatorin Bari Weiss zur Chefredakteurin von CBS News habe sich der Sender politisch neu ausgerichtet. Mitarbeiter berichten von redaktionellen Eingriffen, etwa der zeitweisen Zurückhaltung einer Trump-kritischen Dokumentation. Auch die Trennung von dem als Trump-kritisch geltenden Late-Night-Star Stephen Colbert im Frühsommer wird in diesem Kontext als Indiz für einen Kurswechsel gewertet.

Zudem gibt es Berichte über enge Kontakte zwischen der Familie Ellison und Donald Trump. Laut Recherchen des „Wall Street Journal“ soll Larry Ellison, der Vater des Paramount-Chefs, den Warner-Deal gegenüber Trump mit der Aussicht auf politische Veränderungen bei CNN beworben haben. Angesichts dieser Vorgeschichte wird Ellisons Plädoyer für Objektivität von vielen Journalisten bei CNN als bloße Chiffre für eine bevorstehende politische Neuausrichtung im Sinne Trumps interpretiert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/gebaude-geschichte-museum-struktur-6986295/ · Foto: Akheel Ahamed
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/david-ellison-auf-werbetour-fuer-paramount-warner-deal-accg-201099711.html