Die Rolle von KI in der modernen Kommunikation
Die Debatte darüber, inwieweit künstliche Intelligenz (KI) in der professionellen Kommunikation eingesetzt werden sollte, gewinnt an Intensität. Immer wieder stehen Politiker und Journalisten in der Kritik, weil sie Texte veröffentlichen, die mutmaßlich ohne menschliche Mitwirkung durch KI-Systeme generiert wurden. Diese Entwicklung wirft grundlegende Fragen zur Authentizität und Qualität öffentlicher Botschaften auf. Die Kommunikationsberaterin Franzi von Kempis beleuchtet in diesem Kontext, wie Unternehmen und Organisationen den Spagat zwischen technischer Effizienz und menschlicher Glaubwürdigkeit meistern können.
Der Mensch im Zentrum des Prozesses
Für von Kempis ist die Position zum Einsatz von KI eindeutig: Der Mensch muss den gesamten Prozess der Kommunikation definieren. Dies bedeutet, dass der Mensch sowohl am Anfang, in der Mitte als auch am Ende eines Textes stehen muss. KI sollte lediglich als unterstützendes Werkzeug betrachtet werden – etwa als Sparringspartner für die Strukturierung von Inhalten oder für Überarbeitungsprozesse. Sobald es jedoch um die Vermittlung von Haltung, persönlichen Meinungen oder politischen Versprechen geht, ist die menschliche Urheberschaft unabdingbar.
Grenzen der künstlichen Intelligenz
Ein wesentlicher Kritikpunkt an aktuellen KI-Chatbots wie ChatGPT ist deren mangelndes Sprachgefühl. Laut von Kempis neigen diese Systeme zu vorhersehbaren Mustern, wie etwa dem klassischen „Dreiklang“, bei dem Argumente stets in drei Teilen aufgezählt werden. Diese sprachliche Monotonie führt dazu, dass die Texte oft oberflächlich wirken.
Zudem betonen Experten, dass eine KI aus einem inhaltlich schwachen Entwurf keinen exzellenten Text machen kann. Das Verständnis für Zwischentöne, das für wirkungsvolle Reden und Texte essenziell ist, bleibt eine exklusive menschliche Fähigkeit. KI-generierte Inhalte wirken oft distanziert und lassen die emotionale Tiefe vermissen, die für eine echte Verbindung zum Publikum notwendig ist.
Drei Säulen erfolgreicher Kommunikation
Um in einer Zeit, die von Fake News und Propaganda geprägt ist, erfolgreich zu kommunizieren, empfiehlt von Kempis die Konzentration auf drei Kernaspekte:
* **Klare Botschaft:** Wer kommunizieren will, muss präzise wissen, was die zentrale Aussage ist. Ohne einen klaren Kern verliert sich die Botschaft.
* **Zielgruppenfokus:** Der Versuch, jeden zu erreichen, ist zum Scheitern verurteilt. Eine effektive Kommunikation setzt eine klare Definition der Adressaten voraus.
* **Bewusste Gestaltung:** Das „Wie“ der Vermittlung ist entscheidend. Botschaften müssen emotional und kreativ transportiert werden, ohne dabei in populistische Muster zu verfallen.
Ausblick und Einordnung
Die Herausforderung besteht darin, die technologischen Möglichkeiten der KI zu nutzen, ohne die eigene Stimme zu verlieren. Während KI bei der Effizienzsteigerung helfen kann, bleibt die Verantwortung für den Inhalt eine rein menschliche Aufgabe. Da die technologische Entwicklung rasant voranschreitet, wird die Fähigkeit, zwischen KI-generierten Inhalten und authentischer Kommunikation zu unterscheiden, für das Publikum zunehmend wichtiger. Organisationen, die auf eine klare menschliche Haltung setzen, dürften langfristig an Glaubwürdigkeit gewinnen, während eine rein automatisierte Kommunikation Gefahr läuft, an Relevanz zu verlieren.