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Cambridge-Professor Arday: Das „Aushängeschild der Diversität“ ist in Wahrheit ein Hochstapler
Kultur · 06.08.2026 15:37

Cambridge-Professor Arday: Das „Aushängeschild der Diversität“ ist in Wahrheit ein Hochstapler

Kurz: Jason Arday, einst als jüngster schwarzer Professor in Cambridge gefeiert, ist nach massiven Vorwürfen über erfundene Biografien und Plagiate zurückgetreten.

Ein Aufstieg unter Vorbehalt

Lange Zeit galt Jason Arday als Inbegriff einer akademischen Erfolgsgeschichte. Als Sohn ghanaischer Einwanderer, der in einer Londoner Sozialbausiedlung aufwuchs und erst spät lesen und schreiben lernte, wurde sein Werdegang bis hin zur Professur für Bildungssoziologie an der renommierten Universität Cambridge als beispielhaftes Aufsteigermärchen gefeiert. Mit seiner Berufung im Jahr 2023 stieg er zum jüngsten schwarzen Lehrstuhlinhaber in der Geschichte der Universität auf und avancierte zu einem zentralen Aushängeschild für die Diversitätsbemühungen der Institution.

Dieser Glanz ist nun verblasst. Nach einer Serie von Enthüllungen über Unstimmigkeiten in seinem akademischen und persönlichen Lebenslauf hat Arday seinen Rücktritt erklärt. Der Fall wirft ein kritisches Licht auf die Auswahlprozesse an Eliteuniversitäten und löst eine Debatte über die Priorisierung von Diversitätszielen gegenüber wissenschaftlicher Sorgfalt aus.

Plagiatsvorwürfe und biographische Zweifel

Den Stein ins Rollen brachte der Biologieethiker Nathan Cofnas, der Arday vor zwei Wochen beschuldigte, in seiner Doktorarbeit in erheblichem Umfang plagiiert zu haben. Laut Cofnas weisen über 100 Stellen in Ardays Dissertation wörtliche Übereinstimmungen mit einer sechs Jahre zuvor eingereichten Arbeit auf. Obwohl die Universität Cambridge zunächst von einer Schmutzkampagne sprach und auf bereits erfolgte Prüfungen durch Ardays Alma Mater in Liverpool verwies, gewannen die Vorwürfe durch weitere Recherchen des „Guardian“ an Dynamik.

Besonders schwer wiegen die Zweifel an Ardays Selbstdarstellung. Er hatte in Interviews wiederholt von sportlichen Höchstleistungen und karitativem Engagement berichtet, die laut den Recherchen jedoch in dieser Form unrealistisch sind. Arday sah sich gezwungen, diese Angaben nachträglich zu korrigieren. Noch gravierender sind die Berichte über rassistisch motivierte Angriffe, die Arday öffentlich thematisiert hatte – darunter Drohungen mit einer Waffe und der Erhalt eines Schweinskopfes. Überprüfungen ergaben jedoch keine Belege durch Überwachungskameras oder polizeiliche Ermittlungsakten.

Konsequenzen für die Universität Cambridge

Die Universität Cambridge sah sich nach Bekanntwerden weiterer Unstimmigkeiten – insbesondere bezüglich nicht existenter Gastprofessuren im Lebenslauf – gezwungen, eine offizielle Untersuchung einzuleiten. Kurz darauf verkündete Arday seinen Rücktritt. In einer Stellungnahme betonte er, seine Familie schützen zu wollen, wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe jedoch inhaltlich zurück.

Der Fall hat weitreichende politische Implikationen. Kritiker sehen in der Entlarvung Ardays eine Bestätigung für die Sorge, dass akademische Standards zugunsten politischer Diversitätsziele aufgeweicht wurden. Es steht nun die Frage im Raum, ob die Universität bei der Berufung eines weißen Kandidaten eine gründlichere Prüfung der Unterlagen vorgenommen hätte. Für die Universität Cambridge stellt sich damit die unangenehme Aufgabe, die eigene Rolle bei der Berufung eines Mannes zu hinterfragen, dessen öffentliche Identität maßgeblich auf einer nun als fragwürdig eingestuften Biografie basierte.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/christchurch-kunstzentrum-historisches-gebaude-aussenansicht-34725008/ · Foto: sasif awan
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/cambridge-professor-als-hochstapler-entlarvt-jason-arday-tritt-zurueck-201101408.html