Historischer Erfolg überschattet von Doping-Vorwürfen
Der zweite Wettkampftag der Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham wird vor allem durch eine sportliche Bestleistung mit einem bitteren Beigeschmack in Erinnerung bleiben. Owen Ansah sicherte sich über die 100-Meter-Distanz die Bronzemedaille. Mit einer Zeit von 10,19 Sekunden beendete der Hamburger eine 40-jährige Durststrecke: Er ist der erste deutsche Sprinter seit Steffen Bringmann im Jahr 1986, der bei einer EM eine Medaille über diese Strecke gewinnen konnte. Der Sieg ging an den Briten Romell Glave (10,09 Sekunden) vor seinem Landsmann Jeremiah Azu (10,16 Sekunden).
Die Freude über den Erfolg ist jedoch getrübt. Gegen Ansah steht der Vorwurf im Raum, eine Dopingprobe verweigert zu haben. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, droht dem 25-Jährigen eine Sperre von bis zu vier Jahren, was den Aberkennung der Medaille zur Folge haben könnte. Aktuell ist der Status des Gewinns daher noch nicht endgültig geklärt.
Silber für Merlin Hummel im Hammerwurf
Erfreulicher verlief der Tag für Merlin Hummel. Der Vizeweltmeister von Tokio bestätigte seine internationale Klasse und sicherte sich in Birmingham die Silbermedaille im Hammerwurf. Mit einer Weite von 81,30 Metern, erzielt im fünften Durchgang, konnte er sich in einem psychisch anspruchsvollen Finale behaupten. Er ist damit der erste deutsche Hammerwerfer seit zwei Jahrzehnten, der bei kontinentalen Titelkämpfen auf dem Podium steht. Geschlagen geben musste sich Hummel lediglich dem Ungarn Bence Halász, der mit 84,25 Metern eine Weltklasseleistung ablieferte. Bronze ging an den Ukrainer Mychajlo Kochan.
Dramatik bei den Hürden und starke Leistungen auf der Stadionrunde
Für die deutschen Hürdensprinterinnen verlief der Tag hingegen enttäuschend. Franziska Schuster erlebte im Halbfinale über 100 Meter Hürden einen schmerzhaften Moment, als sie an der drittletzten Hürde stürzte und das Rennen vorzeitig beenden musste. Für die Athletin war es der erste Sturz in ihrer Karriere. Auch für Rosina Schneider und Lia Flotow reichte es trotz engagierter Läufe nicht für den Einzug in das Finale, das in einem äußerst knappen Fotofinish zwischen der Niederländerin Nadine Visser und der Polin Pia Skrzyszowska entschieden wurde.
Bessere Nachrichten gab es über 400 Meter: Jean Paul Bredau aus Potsdam qualifizierte sich mit einer starken Zeit von 44,86 Sekunden für das Finale am Mittwoch. Er sicherte sich den Sieg in seinem Halbfinale und zählt damit zu den Hoffnungsträgern für die kommenden Läufe.
Weitere Ergebnisse und Ausblicke
Im Weitsprung der Männer setzte der Grieche Miltiadis Tentoglou seine Dominanz fort und gewann sein viertes EM-Gold in Serie. Ein deutscher Erfolg blieb in dieser Disziplin aus, da der deutsche Meister Simon Batz verletzungsbedingt bereits in der Qualifikation ausschied.
Auf der 5000-Meter-Distanz der Frauen verteidigte die Italienerin Nadia Battocletti ihren Titel erfolgreich. Die deutsche Debütantin Vanessa Mikitenko belegte bei ihrer ersten Teilnahme an einem Großereignis den 14. Platz. Im Diskuswurf konnte sich Henrik Janssen für das Finale qualifizieren, während seine Teamkollegen Steven Richter und Marius Karges die Endrunde verpassten.
Ein besonderes Ausrufezeichen setzte Smilla Kolbe über 800 Meter. Mit einer Zeit von 1:57,80 Minuten unterbot sie nicht nur ihre persönliche Bestleistung deutlich, sondern markierte auch die schnellste Zeit einer deutschen Läuferin auf dieser Distanz seit 1990. Sie zieht damit in das Halbfinale am Donnerstag ein.