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Bosnien und Herzegowina: Den Rundfunk lähmen, das Land spalten
Schlagzeilen · 15.03.2026 00:55

Bosnien und Herzegowina: Den Rundfunk lähmen, das Land spalten

Kurz: Bosnien und Herzegowina kämpft um seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der in einer existenziellen Finanzkrise steckt.

Bosnien und Herzegowina: Krise des Rundfunks und ihre Folgen

Existenzielle Finanzkrise des Rundfunks

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Bosnien und Herzegowina, bekannt als BHRT, steht vor einer existenzgefährdenden Finanzkrise. Laut der Direktorin Nena Tadić ist die Situation so ernst, dass grundlegende Arbeitsbedingungen nicht mehr gewährleistet sind. Mitarbeiter müssen beispielsweise zwölf Stockwerke zu Fuß gehen, da die Aufzüge aufgrund fehlender Mittel nicht funktionieren.

Die finanziellen Schwierigkeiten sind alarmierend: Zu Beginn des Jahres fehlten dem Sender über 50 Millionen Euro. Dies führte zu blockierten Konten und offenen Rechnungen, die nicht beglichen werden konnten. Besonders gravierend ist die Situation mit der Europäischen Rundfunkunion (EBU), bei der BHRT Schulden in Höhe von elf Millionen Euro hat, die bis Ende Februar hätten gezahlt werden müssen.

Politische Hintergründe der Krise

Die Ursachen für die finanzielle Misere sind komplex und tief in den politischen Strukturen des Landes verwurzelt. Bosnien und Herzegowina ist in mehrere Entitäten unterteilt, die jeweils eigene Rundfunkanstalten haben. Der Konflikt zwischen BHRT und RTRS, dem Rundfunk der Republika Srpska, ist zentral für die Krise. RTRS zahlt seinen gesetzlich vorgeschriebenen Anteil der Rundfunkgebühren nicht an BHRT, was zu einem finanziellen Aderlass führt.

Tadić macht Milorad Dodik, einen führenden Politiker in der Republika Srpska, für diese Situation verantwortlich. Trotz Gerichtsurteilen, die die gesetzliche Verpflichtung zur Zahlung bekräftigen, bleibt die Situation ungelöst.

Die Rolle der Politik

Die politische Landschaft in Bosnien und Herzegowina ist geprägt von ethnischen Spannungen und einer schwachen Zentralregierung. Entscheidungen werden häufig blockiert, was die Situation des Rundfunks weiter verschärft. Maja Sever, eine Journalistin und Vorsitzende der Europäischen Journalisten-Föderation, betont, dass die Politik in Sarajevo das Gebührenproblem seit Jahren ignoriert.

Im Januar 2026 wurden zwar Beschlüsse zur Rettung von BHRT gefasst, doch die Umsetzung bleibt aus. Das Parlament, in dem ethnisch geprägte Parteien regelmäßig Entscheidungen verzögern, ist ein großes Hindernis für notwendige Reformen.

Auswirkungen auf die Medienlandschaft

Sollte die Krise nicht gelöst werden, droht Bosnien und Herzegowina, das erste europäische Land ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu werden. Dies hätte nicht nur negative Auswirkungen auf die Medienvielfalt, sondern könnte auch die Bestrebungen des Landes zur EU-Mitgliedschaft gefährden.

Die EBU hat bereits angekündigt, dass ohne eine nachhaltige Lösung keine finanziellen Mittel mehr für den Sendebetrieb zur Verfügung stehen werden. Dies könnte dazu führen, dass rund 780 Mitarbeiter von BHRT in die Arbeitslosigkeit gedrängt werden.

Ausblick und mögliche Lösungen

Die Frage, wie es weitergeht, bleibt offen. Die EBU fordert die bosnischen Behörden nachdrücklich auf, eine Lösung für die Finanzkrise zu finden. Die Situation erfordert tiefgreifende Veränderungen und ernsthafte Investitionen, um die Zukunft von BHRT zu sichern.

Christian Schmidt, der Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, könnte eine Schlüsselrolle spielen. Einige Stimmen fordern von ihm, Druck auf die politischen Akteure auszuüben, um Lösungen zu finden.

Die Herausforderungen sind groß, und ohne Kooperationsbereitschaft von allen Seiten ist eine Lösung der Krise fraglich. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Bosnien und Herzegowina zu sichern und somit auch die Stabilität des Landes zu bewahren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/landschaft-wald-nebel-baumstamme-15506792/ · Foto: Amel Uzunovic
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/bosnien-herzegowina-rundfunk-100.html