News aus aller Welt
Start
Blick ins Heft c’t 19/2026: Raus aus der Abhängigkeit
Technik · 03.09.2026 12:25

Blick ins Heft c’t 19/2026: Raus aus der Abhängigkeit

Kurz: Die neue c’t 19/2026 beleuchtet Wege aus der Abhängigkeit von US-Cloud-Giganten und bietet praktische Anleitungen für Hardware-Upgrades statt teurer Neukäufe.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Die aktuelle Ausgabe 19/2026 des c’t Magazins widmet sich einem zentralen Problem der modernen digitalen Welt: der tiefgreifenden Abhängigkeit von großen US-amerikanischen Cloud-Anbietern wie Microsoft und Google. Anlass für diese redaktionelle Auseinandersetzung war eine Störung bei Microsofts Exchange Online Anfang September 2026, die bei zahlreichen Nutzern weltweit zu massiven Ausfällen bei E-Mail-Diensten, Outlook und Teams führte. Microsoft begründete dies mit Problemen bei der Konfiguration der Kern-Authentifizierung. Dieses Ereignis dient der Redaktion als Ausgangspunkt, um die Fragilität einer Gesellschaft zu verdeutlichen, die sich fast vollständig auf die Infrastrukturen weniger globaler Konzerne verlässt. Das Magazin präsentiert in diesem Kontext eine Bestandsaufnahme der Abhängigkeitsverhältnisse sowie konkrete Lösungsansätze, wie Unternehmen, Behörden und Privatpersonen durch den Einsatz von quelloffenen Alternativen und europäischen Softwarelösungen ihre digitale Souveränität zurückgewinnen können. Ergänzt wird dieser Schwerpunkt durch einen praktischen Ratgeber zur Hardware-Aufrüstung, der Alternativen zum kostspieligen Neukauf von Computern aufzeigt.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Fakten

Die Störung bei Microsoft ereignete sich am 3. September 2026 und wurde gegen 12:25 Uhr thematisiert. Die Redaktion unter der Leitung von Ulrike Kuhlmann weist darauf hin, dass die Abhängigkeit von Anbietern wie Microsoft 365 oder Google Workspace nicht nur technische, sondern auch rechtliche Dimensionen hat, da diese Unternehmen US-amerikanischem Recht unterliegen. Als konkrete Alternative für den Behördenbereich wird „openDesk“ genannt, ein Paket aus Open-Source-Komponenten. Im Bereich der Hardware-Aufrüstung nimmt die c’t einen sieben Jahre alten Allround-PC als Beispiel, der auf einem c’t-Bauvorschlag von Ende 2019 basiert. Dabei wurde der Prozessor Ryzen 5 3600 durch ein Modell mit 3D-V-Cache ersetzt, um die Performance in 3D-Spielen zu steigern. Weitere Themen im Heft umfassen die KI-Assistenz „Claude“, die Dateien lesen und Browser steuern kann, sowie eine Übersicht zu SATA-SSDs mit 500 GByte Kapazität, die ab einem Preis von 27 Euro erhältlich sind. Zudem wird FritzOS 8.50 vorgestellt, das DNS-Filter zur Werbeblockade einführt. Die Podcast-Reihe „Darknet Diaries Deutsch“ startet am 15. September 2026 mit neuen Folgen, moderiert von Isabel Grünewald, Judith Hohmann und Marko Pauli.

Hintergrund – Vorgeschichte und Verlauf

Die digitale Abhängigkeit von US-Konzernen ist über Jahre hinweg gewachsen. Viele Nutzer und Unternehmen haben ihre gesamte Infrastruktur – von E-Mails über Kalender bis hin zu komplexen Dokumentenarchiven – in die Cloud verlagert. Dienste wie OneDrive, SharePoint oder Google Drive sind heute tief in die Arbeitsabläufe integriert. Die Redaktion betont, dass dieser Prozess schleichend verlief, da die Anbieter zwar europäische Rechenzentren betreiben und Schutzmaßnahmen versprechen, die grundlegende rechtliche Bindung an die USA jedoch bestehen bleibt. Ein weiteres Problem ist der sogenannte „Vendor-Lock-in“. Wer über Jahre hinweg Daten, Zugriffsrechte und Workflows in einem geschlossenen System verwaltet, steht bei einem Wechsel vor enormen Hürden. Die Übertragung gewachsener Strukturen ist oft mit Datenverlusten oder hohem technischem Aufwand verbunden. Während Nextcloud ursprünglich als Cloudspeicher-Alternative zu Dropbox oder OneDrive startete, hat es sich zu einer umfassenden Kollaborationsplattform entwickelt, die heute als zentraler Baustein für digitale Souveränität gilt, da sie als offene Plattform verschiedene Dienste integrieren kann.

Die Beteiligten – Wer ist betroffen und wer entscheidet?

Von der Problematik der digitalen Abhängigkeit sind laut c’t-Bericht nahezu alle gesellschaftlichen Gruppen betroffen: Privatpersonen, Unternehmen, das Gesundheitswesen und insbesondere Behörden. Letztere stehen vor der Herausforderung, ihre kritische Infrastruktur abzusichern. Institutionen wie das ZenDiS (Zentrum für Digitale Souveränität) spielen hier eine Rolle bei der Planung von Open-Source-Lösungen wie openDesk. Auf der Seite der Anbieter stehen die US-Konzerne Microsoft und Google, die durch ihre Cloud-Dienste die technologische Basis für Millionen Nutzer weltweit stellen. Die c’t-Redaktion, namentlich Ulrike Kuhlmann, Ronald Eikenberg sowie das Podcast-Team um Isabel Grünewald, Judith Hohmann und Marko Pauli, fungiert als Vermittler von technischem Wissen. Zudem werden Experten wie Rachel Tobac erwähnt, die im Kontext von Cyberkriminalität und Sicherheitsrisiken als Beispiel für die Gefahren digitaler Identitätsdiebstähle dient. Die Nutzer selbst sind in der Rolle derjenigen, die entscheiden müssen, ob sie den Aufwand eines Wechsels zu souveränen Systemen auf sich nehmen oder das Risiko der Abhängigkeit akzeptieren.

Einordnung – Was das bedeutet

Die c’t-Redaktion bewertet die aktuelle Situation als kritisch. Einzuordnen ist das so: Wenn zentrale Dienste wie Exchange Online ausfallen, zeigt dies die Verletzlichkeit einer hochdigitalisierten Gesellschaft. Die Abhängigkeit von wenigen Anbietern wird dabei als gesellschaftliches Risiko eingestuft, insbesondere in Bereichen, die für das Funktionieren des Staates oder die Versorgung der Bevölkerung essenziell sind. Den Berichten zufolge ist der Wechsel zu Open-Source-Alternativen zwar technisch möglich und realistisch, erfordert jedoch ein Umdenken und die Bereitschaft, mehrere Bausteine zu kombinieren, da es oft keine „Eins-zu-eins-Lösung“ aus einer Hand gibt. Die Redaktion stellt klar, dass es nicht um eine „digitale Askese“ geht, sondern um die Wahlfreiheit und die Kontrolle über die eigenen Daten. Dass die Hardware-Preise für Arbeitsspeicher und SSDs seit etwa einem Jahr steigen, verstärkt laut c’t den Trend, bestehende Rechner aufzurüsten, statt in teure Neuanschaffungen zu investieren, was eine ökonomisch vernünftige Reaktion auf den Markt darstellt.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für Nutzer und Entscheidungsträger in der Praxis von hoher Relevanz wären. So wird zwar die Notwendigkeit der digitalen Souveränität betont, es bleibt jedoch unklar, wie genau die Migration von komplexen, über Jahre gewachsenen Unternehmensdatenbeständen von Microsoft 365 zu Open-Source-Alternativen wie openDesk konkret abläuft, ohne dass es zu den erwähnten Verlusten bei Arbeitsabläufen kommt. Auch die Frage nach der langfristigen finanziellen Ersparnis durch den Umstieg auf Open-Source-Lösungen wird nicht detailliert beziffert; es wird lediglich angedeutet, dass der Aufwand hoch ist. Zudem bleibt offen, wie kleine Unternehmen ohne eigene IT-Abteilungen die Komplexität der Kombination verschiedener Open-Source-Bausteine bewältigen sollen, da Nextcloud beispielsweise keinen eigenen Mailserver mitbringt. Auch zu den genauen Sicherheitsvorkehrungen bei der Nutzung von KI-Agenten, die autonom durch Webseiten klicken, werden nur allgemeine Hinweise gegeben, ohne die spezifischen technischen Kontrollmechanismen für den Endanwender im Detail zu erläutern.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte

Die c’t 19/2026 bietet den Lesern eine Anleitung zur Installation von openDesk und beleuchtet die Pläne des ZenDiS. Für Hardware-Interessierte liefert das Magazin eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Upgrade eines PCs von 2019. Die Podcast-Reihe „Darknet Diaries Deutsch“ startet am 15. September 2026, wobei ab diesem Datum jeden Dienstag eine neue Folge veröffentlicht wird. Die Redaktion kündigt zudem an, dass Leser durch das Abonnieren des Podcasts sicherstellen können, keine der sechs neuen Geschichten über Cyberkriminalität zu verpassen. Für Nutzer, die sich für die technische Umsetzung von Apps interessieren, wird das Projekt „Kotlin Multiplatform“ als Lösung für die Veröffentlichung von Anwendungen auf iOS, Desktop und Web vorgestellt. Die c’t bleibt zudem bei ihrer Berichterstattung über die digitale Souveränität und die damit verbundenen Herausforderungen für Behörden und Unternehmen, wobei das Magazin regelmäßig über Tests, Praxiswissen und technologische Entwicklungen informiert, wie der Newsletter alle zwei Wochen unterstreicht.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/laptop-einfarbig-monochrom-graustufen-5702283/ · Foto: Tima Miroshnichenko
Quelle: https://www.heise.de/news/Blick-ins-Heft-c-t-19-2026-Raus-aus-der-Abhaengigkeit-11439161.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag