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Billig-Notebooks: Neuer ARM-Prozessor mit verwunderlich altem Innenleben
Technik · 14.08.2026 11:24

Billig-Notebooks: Neuer ARM-Prozessor mit verwunderlich altem Innenleben

Kurz: Qualcomm enthüllt Details zum neuen Snapdragon C für günstige Notebooks. Die Technik wirkt jedoch betagt und wirft Fragen zum Preis-Leistungs-Verhältnis auf.

Einleitung: Die neue Einstiegsklasse von Qualcomm

Qualcomm hat nach einer zweimonatigen Wartezeit seit der ersten Ankündigung nun detaillierte technische Spezifikationen für seinen neuen Einstiegsprozessor, den Snapdragon C, veröffentlicht. Dieser Chip ist gezielt für das Segment der besonders preiswerten Notebooks konzipiert und soll den Markt für Windows-on-ARM-Geräte in der unteren Preisklasse erschließen. Die Veröffentlichung dieser Daten gibt einen tiefen Einblick in die Architektur, die sich deutlich von den leistungsstarken Snapdragon-X-Modellen unterscheidet. Während die X-Serie auf die modernen, hauseigenen Oryon-Kerne setzt, geht Qualcomm beim Snapdragon C einen anderen Weg. Die nun bestätigte Fertigung im 6-Nanometer-Verfahren lässt Fachleute aufhorchen, da sie stark auf eine ältere Architektur hindeutet. Es zeichnet sich ab, dass Qualcomm hier auf bewährte, aber technologisch überholte Komponenten zurückgreift, um die Kosten für die Endgeräte niedrig zu halten. Das erste Gerät, das mit diesem Prozessor angekündigt wurde, ist das Acer Aspire Go 15, dessen Marktstart in Europa mit Spannung erwartet wird, wenngleich erste Preislisten bereits für Diskussionen sorgen.

Technische Details und die Architektur des Snapdragon C

Die technischen Spezifikationen des Snapdragon C, namentlich in der Ausführung C1-10-100, offenbaren ein Innenleben, das auf den ersten Blick verwundert. Der Chip nutzt acht CPU-Kerne, die zwar offiziell nicht im Detail spezifiziert sind, deren Fertigungsprozess jedoch Rückschlüsse zulässt. Da der Prozessor in einem 6-Nanometer-Prozess gefertigt wird, ist davon auszugehen, dass Qualcomm auf die Cortex-A78- und A55-Architekturen setzt. Ein direkter Vergleich mit dem Snapdragon 8cx Gen3, der bereits Ende 2021 vorgestellt wurde, zeigt die technologische Einordnung: Der 8cx Gen3 wurde noch in einem 5-Nanometer-Prozess gefertigt und nutzte die leistungsfähigeren Cortex-X1-Kerne. Dies legt nahe, dass der neue Snapdragon C in Sachen Rechenleistung hinter dem drei Jahre alten 8cx Gen3 zurückbleiben dürfte. Auch bei der Grafikeinheit gibt es wenig Grund für Optimismus, da die integrierte Adreno 643 für moderne 3D-Anwendungen oder anspruchsvolle Spiele kaum geeignet sein dürfte. Die Konnektivität bleibt ebenfalls auf einem konservativen Stand, mit Unterstützung für PCIe 3.0, USB 3.1 und Wi-Fi 6E über den FastConnect C6700-Adapter.

Hintergrund und Marktpositionierung

Die Entwicklung des Snapdragon C ist Teil von Qualcomms Strategie, eine breitere Palette an Notebooks mit ARM-Prozessoren auszustatten. Bisher konzentrierte sich das Unternehmen stark auf das High-End-Segment, doch um gegen die etablierte x86-Konkurrenz von Intel und AMD in der Einstiegsklasse zu bestehen, war ein günstigeres Pendant notwendig. Die Historie der Windows-on-ARM-Geräte zeigt jedoch, dass die Akzeptanz stark von der Performance abhängt. Der Vergleich mit Intels Einstiegsprozessor N250, den Qualcomm in seinen eigenen Werbefolien heranzieht, wirkt dabei eher wie ein verzweifelter Versuch, den eigenen Chip besser aussehen zu lassen. Der N250 basiert auf der Intel-7-Technik und verfügt lediglich über vier Kerne, was ihn zu einem Vergleichsobjekt macht, das selbst bereits als veraltet gilt. Dass Qualcomm den Snapdragon C gegen einen derart schwachen Konkurrenten positioniert, lässt darauf schließen, dass man sich der begrenzten Leistungsfähigkeit des eigenen Produkts durchaus bewusst ist und eher auf Effizienz als auf rohe Rechenkraft setzt.

Die Akteure: Wer bringt die Geräte auf den Markt?

Neben dem Pionier Acer, der mit dem Aspire Go 15 den Anfang macht, sind laut Qualcomm auch andere große Hersteller wie Asus, HP und Lenovo in die Entwicklung von Einstiegsgeräten mit Snapdragon C involviert. Diese Unternehmen stehen vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen Geräte in einem Preissegment platzieren, das hart umkämpft ist. Während Qualcomm bei der Präsentation im Mai noch von Einstiegspreisen ab 300 US-Dollar sprach, zeigt die Realität bei Acer ein anderes Bild. Das Aspire Go 15 wird in Großbritannien für 500 britische Pfund gelistet, was umgerechnet fast 600 Euro entspricht. Für ein Notebook mit Kunststoffgehäuse, 8 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flashspeicher ist dies ein ambitionierter Preis. Da sowohl der Arbeitsspeicher als auch der Flashspeicher fest auf dem Mainboard verlötet sind, gibt es für den Nutzer zudem keinerlei Möglichkeit, das Gerät nachträglich aufzurüsten, was die Langlebigkeit des Produkts einschränkt.

Einordnung: Was bedeutet dieser Schritt für Kunden?

Einzuordnen ist das so: Qualcomm versucht, den ARM-Markt in die Breite zu tragen, nimmt dabei aber in Kauf, dass die Hardware-Basis für moderne Anforderungen an Windows-Geräte recht dünn ist. Die Entscheidung, auf ältere Kern-Architekturen zu setzen, ist zweifellos eine Kostenfrage. Den Berichten zufolge stellt sich jedoch die Frage, ob der Preis von 500 Euro für das Acer Aspire Go 15 gerechtfertigt ist, wenn man bedenkt, dass modernere Snapdragon-X-Notebooks bereits ab 600 Euro erhältlich sind. Die Leistungslücke zwischen dem Snapdragon C und den modernen X-Modellen dürfte eklatant sein. Kunden, die ein solches Gerät erwerben, erhalten zwar ein mobiles System, müssen aber bei der Performance und der Erweiterbarkeit deutliche Abstriche machen. Es ist zu befürchten, dass der Snapdragon C von neueren Low-End-Prozessoren, etwa aus Intels Core 300-Serie oder Apples A18 Pro, in Benchmarks deutlich in den Schatten gestellt wird, sobald diese auf den Markt kommen.

Offene Fragen zur Hardware und Performance

Der Quelltext lässt einige wesentliche Punkte offen, die für potenzielle Käufer von entscheidender Bedeutung wären. So ist beispielsweise unklar, ob im Acer Aspire Go 15 das langsamere LPDDR4X-RAM oder das modernere LPDDR5X-RAM verbaut ist. Qualcomm unterstützt zwar beide Standards, doch die Entscheidung des Herstellers hat direkten Einfluss auf die Systemgeschwindigkeit. Zudem bleibt abzuwarten, wie sich die thermische Belastung im Alltag verhält, da das Gehäuse des Aspire Go 15 aus Kunststoff besteht, was die Wärmeabfuhr erschweren könnte. Auch die Frage nach der tatsächlichen Akkulaufzeit unter verschiedenen Lastszenarien ist noch nicht abschließend geklärt. Ebenso wenig ist bekannt, ob Qualcomm in Zukunft noch leistungsfähigere Varianten des Snapdragon C auf den Markt bringen wird, um die Lücke zum Snapdragon X zu schließen. Die vage Formulierung „bis zu acht Kerne“ in den Folien lässt Spielraum für Spekulationen über schwächere, noch günstigere Varianten, die jedoch die Performance-Problematik weiter verschärfen könnten.

Wie es weitergeht: Markteinführung und Ausblick

Der offizielle Marktstart des Acer Aspire Go 15 in Deutschland ist für November geplant. Acer gibt hierfür einen Startpreis von 500 Euro an. In den kommenden Wochen und Monaten ist damit zu rechnen, dass weitere Hersteller ihre Pläne für Geräte mit dem Snapdragon C konkretisieren werden. Die Branche blickt gespannt darauf, ob Asus, HP und Lenovo tatsächlich in der Lage sein werden, den Preis von 500 Euro zu unterbieten, um eine Daseinsberechtigung gegenüber den deutlich leistungsfähigeren Snapdragon-X-Notebooks zu haben. Sobald erste Testgeräte verfügbar sind, werden unabhängige Benchmarks zeigen müssen, ob der Snapdragon C im Alltag bestehen kann oder ob er lediglich ein Nischenprodukt für sehr einfache Aufgaben bleibt. Die Entwicklung bleibt dynamisch, und es wird sich zeigen, ob die Strategie von Qualcomm, auf bewährte, ältere Architektur zu setzen, von den Konsumenten angenommen wird oder ob der Preisdruck durch die moderne Konkurrenz zu schnell zu hoch wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/historische-gebaudefassade-mit-polizeiautos-38094382/ · Foto: Oleksiy Yeshtokyn,🌻🇺🇦🌻
Quelle: https://www.heise.de/news/Technische-Details-zu-und-weitere-Notebooks-mit-Snapdragon-C-11412920.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag