Ein neuer Vorstoß für mehr Pünktlichkeit
Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat angekündigt, die Bonuszahlungen für die Führungsebene der Deutschen Bahn künftig stärker an die Pünktlichkeit im Fernverkehr zu knüpfen. Ziel der Maßnahme ist es, den Handlungsdruck auf den Konzern zu erhöhen, um die unbefriedigende Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs zu verbessern. Obwohl das Thema bereits in der Vergangenheit diskutiert wurde, stößt Bilgers Initiative auf breite Unterstützung über Parteigrenzen hinweg.
Parteien und Verbände begrüßen den Kurs
Die politische Resonanz auf den Vorschlag ist positiv. Isabell Cademartori, Obfrau der SPD im Verkehrsausschuss des Bundestages, betonte, dass die Bevölkerung eine zuverlässigere Bahn erwarte. Angesichts der hohen staatlichen Investitionen in die Infrastruktur sei es nur folgerichtig, dass sich diese Anstrengungen auch in einer besseren Pünktlichkeitsbilanz niederschlagen müssen.
Auch vonseiten der Grünen kommt Zuspruch für die Verknüpfung von Boni und Zielerreichung. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Julia Verlinden wies jedoch darauf hin, dass die Kernursache für Verspätungen und Zugausfälle in der langjährigen Unterfinanzierung der Schieneninfrastruktur durch den Bund liege. Eine rein anreizorientierte Vergütungspolitik müsse daher zwingend mit massiven Investitionen in das Schienennetz einhergehen.
Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, unterstützt Bilgers Vorhaben ebenfalls. Er mahnte jedoch an, dass der Bund als Eigentümer nicht nur Druck auf den Konzern ausüben, sondern auch seine eigenen Aufgaben – insbesondere die Sicherstellung ausreichender Finanzmittel und deren Kontrolle – konsequent wahrnehmen müsse.
Kritik an bisherigen Zielvorgaben
Die Debatte um die Vergütung bei der Bahn ist nicht neu. Bereits Bilgers Amtsvorgänger Patrick Schnieder hatte in einem Strategiepapier eine stärkere Kopplung der variablen Vergütung an die Unternehmensziele angestrebt. Kritiker bemängeln jedoch, dass die bisherigen Zielmarken für Bonuszahlungen oft zu niedrig angesetzt waren.
Recherchen von *ZDF frontal* verdeutlichten dies anhand der Pünktlichkeitsziele: So wurden erste Boni bereits bei einer Pünktlichkeitsquote von 65 Prozent im Fernverkehr fällig. Ein Erreichen von 70 Prozent führte laut den Berichten sogar zu einer Auszahlung von 150 Prozent der vereinbarten Bonussumme. Da die Pünktlichkeitswerte im Jahr 2025 jedoch bei rund 60 Prozent lagen, kamen diese speziellen Boni für die Vorstände im Fernverkehrsbereich nicht zur Auszahlung.
Historische Belastung durch Bonuszahlungen
In der Vergangenheit sorgten Bonuszahlungen bei der Bahn wiederholt für öffentliche Kritik. Ein prominentes Beispiel ist das Jahr 2022, in dem trotz historisch schlechter Pünktlichkeitswerte und mangelnder Kundenzufriedenheit Boni in dreistelliger Millionenhöhe an Bahn-Beschäftigte ausgezahlt wurden. Damals wurden Faktoren wie Pünktlichkeit bei der Berechnung der variablen Vergütung mit null gewichtet, während Ziele wie Mitarbeiterzufriedenheit oder der Frauenanteil in Führungspositionen in den Fokus rückten.
Auch der Thüringer Digital- und Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW) kritisierte die bisherige Praxis. Er bezeichnete es als für Kunden und Beschäftigte gleichermaßen schwer nachvollziehbar, wenn der Konzernvorstand Ziele zu niedrig ansetze und selbst deren Verfehlung teilweise noch mit Bonuszahlungen belohnt werde.
Ausblick auf die nächsten Schritte
Der neue Verkehrsminister steht nun vor der Herausforderung, die angekündigte Strategie in die Praxis umzusetzen. Während der politische Konsens über die Notwendigkeit einer stärkeren Leistungsorientierung besteht, bleibt die Frage der operativen Umsetzung zentral. Die künftige Ausgestaltung der Zielvereinbarungen wird zeigen, ob der Druck auf die Führungsebene tatsächlich ausreicht, um die strukturellen Probleme des Bahnverkehrs zu adressieren. Dabei wird es auch darauf ankommen, wie der Bund seine Rolle als Eigentümer und Kontrollinstanz künftig ausfüllt, um die notwendigen Verbesserungen im Schienennetz zu begleiten.