Langsames Tempo beim Ausbau
Die Energiewende in Hessen kommt nur schleppend voran. Während die Windkraft als zentraler Pfeiler für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas gilt, bleibt der Beitrag Hessens überschaubar. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Daten der Fachagentur Wind und Solar lediglich 23 neue Windenergieanlagen in Betrieb genommen. Diese Anlagen verfügen über eine Gesamtleistung von 129,7 Megawatt. Dies entspricht lediglich 5,5 Prozent des gesamten bundesweiten Zubaus im gleichen Zeitraum.
Dem gegenüber steht der Rückbau veralteter Anlagen. Zehn Windräder wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 vom Netz genommen. Diese Anlagen waren durchschnittlich über 20 Jahre in Betrieb und leisteten zusammen 9 Megawatt. In einem Fall kam es zu einem sogenannten Repowering, bei dem alte Anlagen durch leistungsstärkere Modelle ersetzt wurden, was einen Netto-Zuwachs von 5,7 Megawatt zur Folge hatte.
Hessen im bundesweiten Vergleich
Mit einem Bestand von insgesamt 1.208 Windkraftanlagen zum Halbjahr 2026 ist Hessen im nationalen Vergleich eher schwach aufgestellt. Nur knapp jedes 25. Windrad in Deutschland befindet sich auf hessischem Boden. Die installierte Leistung im Bundesland beläuft sich auf 2,9 Gigawatt.
Betrachtet man die installierte Leistung pro Quadratkilometer, belegt Hessen mit 138 Kilowatt einen Rang im hinteren Mittelfeld. Der Abstand zu den Spitzenreitern ist deutlich: Schleswig-Holstein führt das Ranking mit 631 Kilowatt pro Quadratkilometer an. Andere Bundesländer wie Bayern (40 Kilowatt) oder Berlin (19 Kilowatt) weisen jedoch noch geringere Werte auf. Die meisten neuen Kapazitäten wurden zuletzt in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen geschaffen.
Herausforderungen für die Klimaziele
Die hessische Landesregierung hat sich das Ziel gesetzt, den Bedarf an Strom und Wärme bis zum Jahr 2045 vollständig aus erneuerbaren Quellen zu decken. Die aktuelle Datenlage verdeutlicht jedoch die Diskrepanz zwischen diesem Anspruch und der Realität: Im Jahr 2024 stammten lediglich 13 Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien, wobei die Windkraft mit 2,4 Prozent nur einen kleinen Teil dazu beitrug.
Auch auf Bundesebene zeigt sich eine Herausforderung bei der Zielerreichung. Das im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankerte Ziel für das Jahr 2026 – eine installierte Leistung von 84 Gigawatt – wird nach aktuellem Stand der rund 70 Gigawatt voraussichtlich verfehlt werden. Dennoch bleibt die Windenergie an Land der wichtigste Energieträger für die deutsche Stromerzeugung. Im ersten Halbjahr 2026 konnte die Erzeugung von Windstrom an Land um acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 53,1 Milliarden Kilowattstunden gesteigert werden.
Akzeptanz als Hürde
Ein wesentlicher Faktor, der den Ausbau vor Ort oft bremst, sind Proteste der Bevölkerung. Da moderne Windkraftanlagen zunehmend an Höhe gewinnen, wächst in vielen Regionen der Widerstand gegen neue Projekte. Dieser gesellschaftliche Konflikt bleibt eine der zentralen Herausforderungen für die Umsetzung der Energiewende in Hessen, um das langfristige Ziel der Klimaneutralität bis 2045 erreichen zu können.