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Bauhaus – Sachsen-Anhalt: »Bauhaus-Manifest« – Institutionen erinnern an Anfeindungen durch das Naziregime
Kultur · 20.08.2026 20:47

Bauhaus – Sachsen-Anhalt: »Bauhaus-Manifest« – Institutionen erinnern an Anfeindungen durch das Naziregime

Kurz: Ein breites Bündnis aus Kultur, Handwerk und Kirche verteidigt in einem Manifest die Freiheit der Kunst vor dem Hintergrund politischer Anfeindungen.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Kurz vor der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben sich zahlreiche namhafte Institutionen aus den Bereichen Kultur, Handwerk, Architektur und Kirche in einem gemeinsamen Dokument, dem sogenannten »Bauhaus-Manifest 2026«, zusammengeschlossen. Mit diesem Schritt reagieren die Unterzeichner auf die zunehmende politische Rhetorik gegen das Bauhaus, welches als eine der bedeutendsten Stätten der Moderne gilt. Das Manifest versteht sich als ein deutliches Plädoyer für die Freiheit der Kunst und eine weltoffene Gesellschaft. Die beteiligten Organisationen betonen darin die Notwendigkeit, kulturelle Einrichtungen wie Theater, Museen und Bibliotheken als Räume des demokratischen Dialogs und des Perspektivwechsels zu bewahren. Dabei wird explizit gefordert, die Eigenständigkeit dieser Institutionen gegenüber parteipolitischen Einflussnahmen abzusichern. Obwohl die AfD im Text des Manifests nicht namentlich genannt wird, ist das Papier als eine klare Reaktion auf die kulturpolitischen Positionen der Partei zu verstehen, die das Bauhaus in der Vergangenheit als »Irrweg der Moderne« diffamiert hatte. Die Initiative setzt ein Zeichen gegen kulturfeindlichen Nationalismus und für den Erhalt der kulturellen Vielfalt in Deutschland.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte

Das Manifest wurde von einer breiten Allianz getragen, zu der unter anderem die Akademie der Künste, der Deutsche Kulturrat, der Deutsche Designtag sowie der Deutsche Städtetag gehören. Auch der Deutsche Museumsbund, der Zentralverband des Deutschen Handwerks, die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland zählen zu den Unterstützern. Initiator des Bündnisses ist der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Die historische Bedeutung des Bauhauses, das 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet wurde und später seinen Sitz nach Dessau verlegte, bildet den Kern der Argumentation. Während eines Festakts im Bauhaus Dessau unterstrich Rainer Robra, der Staatsminister und Minister für Kultur von Sachsen-Anhalt, die historische Dimension der Debatte. Er erinnerte daran, dass das Bauhaus bereits in der Vergangenheit aus politischen Gründen aus Weimar vertrieben wurde. Diese historischen Erfahrungen dienen den Unterzeichnern als Mahnung, die Freiheit der Kunst nicht als gegeben hinzunehmen, sondern aktiv zu verteidigen. Die AfD, die in Sachsen-Anhalt eine Alleinregierung anstrebt, propagiert hingegen eine »patriotische Kulturpolitik«, die sich an Modellen wie dem des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán orientiert.

Hintergrund – Die Vorgeschichte der Auseinandersetzung

Die Spannungen zwischen der AfD in Sachsen-Anhalt und den Vertretern des Bauhauses haben eine längere Vorgeschichte. Das Bauhaus, dessen innovative Ansätze in Design, Architektur und Kunst weltweit als prägend gelten, geriet zunehmend in das Visier der Partei. Die AfD-Landtagsfraktion hat das Bauhaus öffentlich als »Irrweg der Moderne« bezeichnet und damit eine Debatte über die Rolle staatlich geförderter Kulturinstitutionen entfacht. Diese Angriffe werden von Kulturschaffenden als Bedrohung für die Autonomie der Kunst wahrgenommen. Die historische Parallele zum Naziregime, das das Bauhaus einst massiv unter Druck setzte und zur Schließung zwang, wird von den Unterzeichnern des Manifests bewusst gezogen, um die Dringlichkeit ihrer Forderungen zu unterstreichen. Die AfD hingegen begründet ihre Haltung mit dem Wunsch nach einer Kulturpolitik, die primär zur »deutschen Identitätsfindung« beitragen soll. Dieser Gegensatz zwischen einer weltoffenen, experimentellen Kunstauffassung und einer national ausgerichteten Kulturpolitik bildet den Kern des aktuellen Konflikts, der nun durch das Manifest in die öffentliche Debatte vor der Wahl getragen wurde.

Die Beteiligten – Wer entscheidet und wer sich äußert

Die Akteure in diesem Konflikt sind vielfältig. Auf der einen Seite steht ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis, angeführt von Wolfram Weimer, das die institutionelle Unabhängigkeit der Kultur verteidigt. Zu diesem Bündnis zählen zentrale gesellschaftliche Akteure wie die Kirchen, der Deutsche Städtetag und diverse Fachverbände aus Design und Handwerk. Diese Institutionen sehen sich als Hüter der demokratischen Werte, die durch das Bauhaus-Erbe verkörpert werden. Auf der anderen Seite steht die AfD in Sachsen-Anhalt, insbesondere deren kulturpolitische Strategen, die eine Abkehr von der bisherigen Förderpraxis fordern. Ein prominenter Vertreter der Landesregierung, Kulturminister Rainer Robra, hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet und die Bedeutung der Kunstfreiheit betont. Er ordnet die aktuellen Angriffe in den historischen Kontext der Vertreibung des Bauhauses ein. Die Entscheidungsträger in den betroffenen Kulturinstitutionen sehen sich durch das Manifest gestärkt, während die AfD ihre Positionierung als Teil ihres Wahlprogramms für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt weiterverfolgt.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das Manifest als ein Versuch der kulturellen und gesellschaftlichen Institutionen, eine rote Linie zu ziehen. Den Berichten zufolge geht es den Unterzeichnern nicht nur um den Schutz einer historischen Stätte, sondern um die Verteidigung der demokratischen Grundordnung an sich. Die explizite Erwähnung der »Autonomie künstlerischer Leistungen« als Grundbedingung für eine lebendige Demokratie verdeutlicht, dass die Kulturschaffenden die Angriffe der AfD als systemische Gefahr begreifen. Die Weigerung, die Partei namentlich zu nennen, kann als rhetorische Strategie gewertet werden, um das Thema auf einer prinzipiellen, überparteilichen Ebene zu halten, statt sich auf eine direkte politische Auseinandersetzung mit der AfD einzulassen. Dennoch ist die Stoßrichtung des Papiers unmissverständlich: Es ist ein Gegenentwurf zur »patriotischen Kulturpolitik«, wie sie die AfD anstrebt. Die Unterstützung durch so unterschiedliche Akteure wie die Deutsche Bischofskonferenz und den Deutschen Museumsbund zeigt, dass das Thema über die reine Kunstszene hinaus als gesamtgesellschaftlich relevant eingestuft wird.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für das Verständnis der weiteren Entwicklung von Bedeutung wären. So wird nicht konkretisiert, welche konkreten Schritte die AfD unternehmen könnte, um ihre »patriotische Kulturpolitik« im Falle einer Regierungsbeteiligung in Sachsen-Anhalt umzusetzen. Es bleibt unklar, ob es bereits konkrete Kürzungen oder strukturelle Änderungen bei der Förderung des Bauhauses oder vergleichbarer Institutionen gegeben hat oder ob es sich bisher primär um eine rhetorische Auseinandersetzung handelt. Auch wird nicht erläutert, wie die betroffenen Institutionen auf eine mögliche politische Einflussnahme reagieren würden, sollte die AfD nach der Wahl tatsächlich in eine Regierungsposition gelangen. Zudem bleibt offen, inwieweit die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt die Debatte wahrnimmt und ob das Manifest eine messbare Wirkung auf die öffentliche Meinung oder das Wahlverhalten haben könnte. Die genauen Mechanismen, wie die AfD die Schulpflicht oder andere Bereiche beeinflussen will, werden in diesem Kontext nur angerissen, aber nicht im Detail ausgeführt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/moderne-architektur-in-der-berliner-philharmonie-36443533/ · Foto: Sergej K.
Quelle: https://www.spiegel.de/kultur/bauhaus-sachsen-anhalt-bauhaus-manifest-institutionen-erinnern-an-anfeindungen-durch-das-naziregime-a-b6ec2b91-8ff5-45bb-8347-9f13e31ec7a7#ref=rss