Ein Traditionsunternehmen in der Krise
Der schwäbische Batteriehersteller Varta steht vor einer ungewissen Zukunft. Wie das Unternehmen offiziell mitteilte, wurde beim zuständigen Amtsgericht in Stuttgart ein Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Damit bestätigen sich die Befürchtungen, die bereits seit Längerem im Raum standen und auf eine anhaltende wirtschaftliche Schieflage des Konzerns aus Ellwangen hindeuteten.
Das Amtsgericht hat den Eingang von insgesamt vier Anträgen bestätigt, die nun einer rechtlichen Prüfung unterzogen werden. Diese Entwicklung markiert einen weiteren Tiefpunkt in der jüngeren Unternehmensgeschichte, die bereits von intensiven Sanierungsbemühungen geprägt war.
Warum das Insolvenzverfahren notwendig wurde
Die Entscheidung zur Insolvenz ist das Resultat einer massiven finanziellen Unterdeckung. Eine unabhängige Analyse der Situation ergab, dass Varta kurzfristig Kapital im mittleren zweistelligen Millionenbereich benötigt, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Trotz intensiver Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern konnte jedoch kein Investor gefunden werden, der bereit war, die notwendigen Mittel bereitzustellen.
Eine Gruppe von Gläubigern, bestehend aus der Deutschen Bank sowie den Finanzinvestoren RBC Bluebay, Blantyre und Whitebox, begründete das Vorgehen mit der prekären Finanzlage. Berichten zufolge drohte dem Unternehmen bereits eine Zerschlagung, da Teile der Gläubigergruppe das margenstarke Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Gesamtkonzern herauslösen wollten.
Gescheiterte Restrukturierungsversuche
Die aktuelle Situation ist besonders bemerkenswert, da Varta bereits im Jahr 2024 umfangreiche Maßnahmen zur Rettung des Unternehmens eingeleitet hatte. Damals wurde das Instrument des Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetzes (StaRUG) genutzt, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Im Zuge dessen verloren Altaktionäre ihre Anteile, während Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichteten. Noch im April 2025 verkündete die Unternehmensführung den erfolgreichen Abschluss dieser Restrukturierung und gab sich optimistisch hinsichtlich der künftigen Ausrichtung.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen zeichneten jedoch ein schwierigeres Bild. Bereits für das Jahr 2024 wies Varta einen Umsatz von rund 793 Millionen Euro bei einem Verlust von 64,5 Millionen Euro aus. Das Portfolio des Unternehmens ist breit gefächert und umfasst neben klassischen Haushaltsbatterien auch hochspezialisierte Mikrobatterien für Hörgeräte sowie Lösungen für Energiespeicher.
Auswirkungen auf Standorte und Belegschaft
Die wirtschaftliche Instabilität hat direkte Konsequenzen für die rund 3.260 Mitarbeiter des Unternehmens, die einen Großteil ihrer Arbeitsplätze am Stammsitz in Ellwangen haben. Besonders kritisch ist die Lage am Standort Nördlingen. Dort ist bereits die Schließung eines Werkes mit etwa 350 Beschäftigten für den Herbst geplant.
Der Grund für diesen Rückzug ist der Verlust eines zentralen Großkunden: Apple. Der US-Technologiekonzern, der bisher Knopfbatterien für seine kabellosen Kopfhörer in Nördlingen fertigen ließ, hat sich laut Berichten vom Mai 2026 gegen eine weitere Zusammenarbeit entschieden. Die Produktion dieser Komponenten soll künftig in den asiatischen Raum verlagert werden. Da es Varta nicht gelungen ist, diesen Wegfall durch neue Großaufträge zu kompensieren, verlor der Standort seine wirtschaftliche Grundlage.
Der Weg in die Eigenverwaltung
Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist ein spezielles Verfahren, bei dem die Geschäftsführung unter Aufsicht eines Sachwalters im Amt bleibt und die Sanierung des Unternehmens selbst steuert. Ziel ist es, den Betrieb fortzuführen und eine tragfähige Lösung für die Gläubiger und den Erhalt der Arbeitsplätze zu finden. Welche operativen Schritte nach der Antragstellung folgen, wird von der Prüfung des Amtsgerichts und den weiteren Verhandlungen mit den Gläubigern abhängen. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob Varta in seiner bisherigen Form bestehen bleiben kann oder ob eine tiefgreifende Zerschlagung der Unternehmensbereiche unumgänglich wird.