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Autobauer in der Krise: Warum auch BMW jetzt viele Stellen streicht
Schlagzeilen · 29.07.2026 15:36

Autobauer in der Krise: Warum auch BMW jetzt viele Stellen streicht

Kurz: Lange galt BMW als krisenfest, doch nun plant der Konzern den Abbau von 8.000 Stellen. Wir analysieren die Hintergründe der neuen Sparmaßnahmen.

Ein Wendepunkt für den Münchner Autobauer

Lange Zeit nahm BMW eine Sonderrolle in der deutschen Automobilindustrie ein. Während Wettbewerber wie Volkswagen bereits mit drastischen Sparmaßnahmen, Stellenstreichungen und sogar Diskussionen über Werksschließungen in den Schlagzeilen standen, wirkten die Münchner stabil. Doch diese Phase der relativen Ruhe ist nun beendet. Wie aus Informationen hervorgeht, die im Vorfeld einer Betriebsversammlung bekannt wurden, plant BMW den Abbau von weltweit rund 8.000 Stellen.

Der neue Vorstandsvorsitzende Milan Nedeljkovic informierte gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Martin Kimmich die Belegschaft über die notwendigen Anpassungen. Damit reiht sich BMW in die Riege der deutschen Hersteller ein, die unter dem Druck rückläufiger Verkaufszahlen und sinkender Gewinne ihre Strukturen grundlegend überdenken müssen.

Fokus auf den indirekten Bereich

Das geplante Sparprogramm unterscheidet sich in seiner Ausrichtung von den Maßnahmen anderer Konzerne. BMW setzt auf ein freiwilliges Abfindungsprogramm, das bis Ende des kommenden Jahres laufen soll. Interessanterweise ist dieses Angebot nicht für die Produktion vorgesehen. Stattdessen konzentriert sich der Konzern auf den sogenannten indirekten Bereich – also Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung.

Von dieser Maßnahme sind schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Beschäftigte in Deutschland betroffen. Das Unternehmen verzichtet dabei auf gezielte Listen und setzt stattdessen auf Freiwilligkeit. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer äußert sich jedoch kritisch zu diesem Vorgehen. Er vergleicht die Strategie mit dem Schießen mit Schrot, bei dem die Treffgenauigkeit leide, da kein präziser Abbauplan erkennbar sei.

Die Ursachen der Krise

Die Entscheidung für den Stellenabbau kommt nicht völlig überraschend. Bereits im Geschäftsbericht 2025 hatte BMW eine leicht sinkende Mitarbeiterzahl prognostiziert. Zudem hatte der Vorstand vor wenigen Wochen die Gewinnziele nach unten korrigiert und vor einer Verschärfung der Effizienzmaßnahmen gewarnt.

Die Gründe für diesen Schritt sind vielfältig:

* **Einbruch im China-Geschäft:** Der weltweit wichtigste Automarkt bereitet den deutschen Herstellern massive Sorgen. BMW, Mercedes und Audi verzeichneten dort zuletzt Absatzrückgänge von 20 bis 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

* **Struktureller Wandel:** Die Branche befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation. Die Annahme, man hätte für den Umbau der Strukturen mehr Zeit, hat sich als Trugschluss erwiesen.

* **Politische Rahmenbedingungen:** Vorstandschef Nedeljkovic kritisierte in diesem Zusammenhang marktferne politische Zielvorgaben. Er betonte, dass die Branche mit einer substanziellen Veränderung der Spielregeln konfrontiert sei.

Politische Reaktionen und wirtschaftlicher Druck

Unterstützung für die Kritik an den Rahmenbedingungen kommt aus der Politik. Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger forderte eine Verbesserung der wirtschaftspolitischen Bedingungen auf Bundes- und EU-Ebene. Er warnte davor, dass bei zu hohen Lohnnebenkosten und starren Arbeitszeitregelungen die Produktion verstärkt ins Ausland abwandern könnte.

Die aktuelle Lage verdeutlicht, dass BMW kein Sonderfall ist. Experten wie Stefan Bratzel betonen, dass sich der Konzern in seinen Grundzügen nicht von den anderen deutschen Herstellern unterscheidet. Der Druck, die Kosten zu senken und die Prozesse zu verschlanken, ist für alle Akteure der Branche gleichermaßen hoch, um nicht in die roten Zahlen zu rutschen.

Wie geht es weiter?

Für den neuen Vorstandschef Milan Nedeljkovic markiert das Programm einen frühen und schwierigen Einschnitt. Es ist ein klassisches Vorgehen bei einem Chefwechsel, unangenehme Aufgaben direkt anzugehen, um das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Da die Details des Programms offiziell noch nicht vollständig bestätigt sind, bleibt abzuwarten, wie das Angebot von der Belegschaft angenommen wird.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die angestrebte Verschlankung der Strukturen ausreicht, um BMW durch die derzeitige Branchenkrise zu führen. Angesichts der anhaltenden Talfahrt auf den internationalen Märkten bleibt der Handlungsdruck für den Konzern hoch.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/autos-fahrzeuge-parkplatz-aufsicht-15072149/ · Foto: Vladimir Srajber
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/bmw-sparprogramm-102.html