Systematischer Betrug über gekaperte Händlerzugänge
Der Online-Gebrauchtwagenmarkt ist für viele Interessenten die erste Anlaufstelle. Doch eine aktuelle Betrugsserie zeigt, wie anfällig diese Plattformen für professionelle Cyberkriminalität sind. Ermittler der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) und der Kriminalpolizei Coburg haben in Zusammenarbeit mit rumänischen Behörden zwei Tatverdächtige festgenommen, die über einen Zeitraum von mehreren Monaten ein ausgeklügeltes System zur Täuschung von Autokäufern betrieben haben sollen.
Die Tätergruppe nutzte dabei eine besonders perfide Methode: Anstatt eigene Fake-Profile zu erstellen, übernahmen sie die Zugangsdaten seriöser Fahrzeughändler. Durch die Nutzung bereits existierender, vertrauenswürdiger Accounts konnten die Betrüger ihre gefälschten Inserate unauffällig in das reguläre Angebot der Portale einbetten.
Das Ausmaß der kriminellen Aktivitäten
Seit September 2025 sollen die Verdächtigen rund 5.000 gefälschte Inserate veröffentlicht haben. Die Basis für diese Operation bildeten mehrere hundert gekaperte Händlerkonten. Das Ziel der Betrüger war es, Käufer in Sicherheit zu wiegen, da die Angebote auf den ersten Blick von etablierten Autohäusern zu stammen schienen.
Um den finanziellen Schaden zu maximieren, griffen die Täter zu einer weiteren Manipulation: Sie erstellten gefälschte Rechnungen. Käufer, die sich für ein Fahrzeug entschieden, überwiesen den Kaufpreis somit nicht auf das Geschäftskonto des eigentlichen Händlers, sondern auf Konten, die von der Betrügergruppe in Spanien und Deutschland kontrolliert wurden. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg beläuft sich der Gesamtschaden für die geschädigten Käufer auf mindestens 660.000 Euro.
Festnahme in „Hackerville“
Die Ermittlungen führten die Beamten schließlich in die rumänische Stadt Râmnicu Vâlcea. Der Ort gilt in Sicherheitskreisen als „Hackerville“, da er in der Vergangenheit mehrfach als Rückzugsort für international agierende Cyberkriminelle in Erscheinung getreten ist. Am 7. Juli 2026 konnten dort zwei rumänische Staatsangehörige im Alter von 40 und 44 Jahren festgenommen werden.
Bei der Durchsuchung ihrer Räumlichkeiten stellten die Einsatzkräfte Beweismittel sicher, darunter Bargeld und Goldmünzen im Wert von etwa 100.000 Euro. Die beiden Verdächtigen wurden mittlerweile nach Deutschland ausgeliefert, einem Haftrichter vorgeführt und befinden sich in Untersuchungshaft.
Ermittlungen und Ausblick
Die Aufarbeitung des Falls ist noch nicht abgeschlossen. Die Polizei wertet derzeit die sichergestellten Beweismittel aus, um das volle Ausmaß der Betrugsoperation zu erfassen. Zudem suchen die Ermittler nach weiteren möglichen Komplizen, die an der Infrastruktur oder der Abwicklung der Zahlungen beteiligt gewesen sein könnten.
Für Autokäufer bleibt die Situation eine Mahnung zur Vorsicht. Auch wenn ein Inserat über ein bekanntes Händlerkonto geschaltet ist, sollten potenzielle Käufer bei Unstimmigkeiten – etwa bei abweichenden Kontodaten auf Rechnungen oder ungewöhnlich günstigen Preisen – misstrauisch werden. Die Überprüfung der Identität des Verkäufers über offizielle, vom Portal unabhängige Kontaktwege kann helfen, solche Betrugsversuche frühzeitig zu erkennen.