Energiekrise durch Wassermangel
Die anhaltende Dürre in Ungarn hat gravierende Auswirkungen auf die nationale Energieversorgung. Das einzige Atomkraftwerk des Landes, Paks, ist aufgrund der extrem niedrigen Pegelstände der Donau gezwungen, seine Produktion massiv zu reduzieren. Da das Kraftwerk für die notwendige Kühlung der Reaktoren auf das Wasser des Flusses angewiesen ist, lässt der aktuelle Wassermangel keinen Normalbetrieb mehr zu. Die vier Reaktoren sowjetischer Bauart, die normalerweise eine Gesamtleistung von zwei Gigawatt erbringen, wurden zunächst auf ein Viertel ihrer Kapazität gedrosselt, bevor eine vollständige Abschaltung unumgänglich wurde.
Bedeutung für die nationale Stromversorgung
Das Kernkraftwerk Paks, das etwa 130 Kilometer südlich von Budapest liegt, spielt eine zentrale Rolle im ungarischen Energiemix. Normalerweise deckt die Anlage rund 40 Prozent des gesamten Strombedarfs des Landes ab. Der Ausfall dieser Kapazität trifft Ungarn zu einer kritischen Zeit, in der für die kommende Woche Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius vorhergesagt werden.
Die Situation wird durch technische Probleme in anderen Bereichen verschärft. Im größten Gaskraftwerk des Landes in Szazhalombatta kam es zu einer Störung, durch die weitere 400 Megawatt an Kapazität vorübergehend ausfielen. Laut Angaben von Ministerpräsident Peter Magyar wird mit einer Wiederinbetriebnahme dieses Kraftwerks am Sonntag gerechnet. Dennoch sieht sich die Regierung gezwungen, umfassende Maßnahmen zur Stabilisierung des Stromnetzes zu ergreifen.
Weitreichende Sparmaßnahmen der Regierung
Um den Engpass zu bewältigen, hat das ungarische Kabinett ein Bündel an Sparmaßnahmen beschlossen, die sowohl den öffentlichen als auch den privaten Sektor betreffen:
* **Schienengüterverkehr:** Ab dem 3. August wird der Güterverkehr auf der Schiene täglich für fünf Stunden am Nachmittag eingestellt, um die Last im Netz zu reduzieren.
* **Homeoffice-Pflicht:** Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind angewiesen, die ersten drei Tage der Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Unternehmen wurden dazu aufgerufen, diesem Beispiel nach Möglichkeit zu folgen.
* **Beleuchtung:** Nicht zwingend notwendige Beleuchtungen, insbesondere an öffentlichen Gebäuden, sollen abgeschaltet werden.
* **Industrielle Vorgaben:** Großbetriebe werden per Dekret verpflichtet, ihren Energieverbrauch zu senken. Sollten diese Sparziele nicht erreicht werden, drohen Sanktionen. Zudem behält sich der Netzbetreiber vor, Großverbraucher bei Bedarf kurzzeitig vom Netz zu trennen.
Regionale Auswirkungen
Die Problematik beschränkt sich nicht nur auf Ungarn. Auch in Rumänien führt das Niedrigwasser der Donau zu Einschränkungen in der Energieerzeugung. Dort musste bereits ein Reaktor des Atomkraftwerks Cernavoda heruntergefahren werden. Die aktuelle Wetterlage und die daraus resultierende hydrologische Situation verdeutlichen die Abhängigkeit der großflächigen Stromerzeugung von stabilen Wasserressourcen. Wie lange die Einschränkungen in Paks andauern werden, hängt maßgeblich von einer Entspannung der Pegelstände ab.