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Astronomie-Sensation: Schwarze Löcher wachsen auch ohne Galaxiencrashs
Technik · 11.10.2026 20:20

Astronomie-Sensation: Schwarze Löcher wachsen auch ohne Galaxiencrashs

Kurz: Eine neue Studie der University of Oxford widerlegt die Theorie, dass supermassereiche Schwarze Löcher nur durch Galaxienkollisionen wachsen können.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

In der Welt der Astrophysik hat sich ein grundlegender Paradigmenwechsel vollzogen, der das Verständnis über die Entwicklung des Universums nachhaltig beeinflusst. Bisher galt in der Fachwelt die feste Annahme, dass supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien primär durch gewaltsame Kollisionen zwischen Sternsystemen an Masse gewinnen. Diese Theorie wurde nun durch eine umfassende Studie von Forscherinnen und Forschern der britischen University of Oxford infrage gestellt. Die wissenschaftliche Untersuchung, die im Fachmagazin Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass Schwarze Löcher auch in völlig isolierten, ungestörten Galaxien heranwachsen können. Damit kippt eine der zentralen Grundregeln der modernen Astronomie, die besagt, dass ein synchrones Wachstum zwischen der Galaxie und ihrem zentralen Schwarzen Loch zwingend auf externe, katastrophale Ereignisse angewiesen sei. Die neuen Erkenntnisse zeichnen ein deutlich ruhigeres Bild der galaktischen Evolution, in dem interne Prozesse eine weitaus wichtigere Rolle spielen als bisher angenommen.

Die Einzelheiten der Untersuchung

Das Forschungsteam unter der Leitung von Sophie M. Jewell stützte seine Analyse auf eine beeindruckende Datenmenge. Insgesamt untersuchten die Wissenschaftler 2.435 sogenannte Scheibengalaxien. Die Grundlage für diese Auswertung bildeten Messwerte des Dark Energy Spectroscopic Instrument (DESI), das am Kitt Peak National Observatory im US-Bundesstaat Arizona stationiert ist. Dieses hochmoderne Instrument nutzt ein System von über 5.000 Glasfasern, um das Licht von tausenden Sternsystemen simultan in seine spektralen Wellenlängen zu zerlegen. Diese präzisen Lichtdaten wurden mit den Aufnahmen des Himmelskartierungs-Projekts Legacy Surveys kombiniert, die durch extrem lange Belichtungszeiten auch weit entfernte Objekte sichtbar machen. Durch die mathematische Zusammenführung dieser Quellen konnte das Team den aktiven Galaxienkern, die flache Sternenscheibe und den zentralen Sternenwulst rechnerisch voneinander trennen. Um die Masse der Schwarzen Löcher in Galaxien ohne zentralen Wulst zu bestimmen, analysierte das Team das tiefrote Leuchten von erhitztem Wasserstoffgas, das mit hoher Geschwindigkeit um das Schwarze Loch kreist. Anhand der Helligkeit und Streuung dieses Lichts ließ sich die Gasgeschwindigkeit und damit die Masse des Objekts präzise ableiten.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die bisherige Lehrmeinung stützte sich maßgeblich auf die Beobachtung des zentralen Sternenwulstes in Galaxien. In der Astronomie galt dieser Wulst als ein deutliches Indiz dafür, dass zwei Galaxien in ihrer Vergangenheit miteinander kollidiert sind. Ein solcher Zusammenstoß wurde als notwendiger Katalysator angesehen, um Gas in das Zentrum zu befördern und das Schwarze Loch zu füttern. Die Forscherinnen und Forscher aus Oxford filterten für ihre Studie gezielt 546 Galaxien heraus, die einen solchen Wulst nicht aufweisen. Das Fehlen dieser Struktur dient als Beleg dafür, dass diese Sternensysteme eine gänzlich ungestörte Vergangenheit ohne kosmische Zusammenstöße hinter sich haben. Dennoch zeigte sich bei der Auswertung, dass die Masse des Schwarzen Lochs und die der restlichen Galaxie stets in einem festen Verhältnis zueinander stehen. Dies deutet darauf hin, dass die Mechanismen, die das Wachstum steuern, nicht von äußeren Einflüssen abhängen, sondern in der internen Dynamik der Galaxien selbst begründet liegen. Diese Erkenntnis stellt eine signifikante Abkehr von den bisherigen Modellen dar, die das Wachstum fast ausschließlich durch externe Schocks erklärten.

Die Beteiligten und Institutionen

Die maßgebliche wissenschaftliche Arbeit wurde von einem Team der University of Oxford geleistet, wobei die Forscherin Sophie M. Jewell eine zentrale Rolle einnahm. Die technische Grundlage für die Datengewinnung lieferte das Kitt Peak National Observatory in Arizona mit seinem Dark Energy Spectroscopic Instrument (DESI). Zudem wurden Daten des Projekts Legacy Surveys genutzt, um die notwendige Auflösung für die Analyse weit entfernter Galaxien zu erreichen. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachmagazin Monthly Notices of the Royal Astronomical Society publiziert, was den wissenschaftlichen Stellenwert der Entdeckung unterstreicht. Für zukünftige Untersuchungen plant das Team eine enge Zusammenarbeit mit internationalen Institutionen, darunter die europäische Raumfahrtagentur ESA sowie die US-amerikanische NASA. Diese Organisationen stellen die notwendige Infrastruktur in Form von Weltraumteleskopen bereit, um die neuen Hypothesen weiter zu validieren und die bisherigen Beobachtungsdaten durch präzisere Aufnahmen zu ergänzen.

Einordnung der Ergebnisse

Einzuordnen ist das so: Die Entdeckung gleicht in ihrer Tragweite der Herabstufung des Pluto im Jahr 2006, da sie eine fest verankerte astronomische Grundregel infrage stellt. Den Berichten zufolge fungieren Strukturen wie Spiralarme oder längliche Sternenansammlungen innerhalb der Galaxien als alternative Nahrungsquellen. Diese Strukturen wirken wie Förderbänder, die permanent Gas in das galaktische Zentrum transportieren. Die Daten belegen, dass rund 65 Prozent der untersuchten ruhigen Galaxien über eine solche balkenförmige Struktur verfügen, während etwa 85 Prozent deutliche Spiralarme besitzen. Diese physikalischen Strukturen bremsen das rotierende Gas ab und zwingen es in das zentrale Schwarze Loch. Diese Prozesse laufen über Jahrmillionen hinweg kontinuierlich ab, ohne dass es eines äußeren Impulses bedarf. Die Untersuchung zeigt somit, dass die interne Dynamik von Galaxien ein weitaus effizienterer Motor für das Wachstum von Schwarzen Löchern ist, als es die bisherigen Modelle vermuten ließen.

Offene Fragen und Schwachstellen

Obwohl die Studie wichtige neue Erkenntnisse liefert, bleiben einige Aspekte offen. Die Untersuchung deckte eine deutliche Schwachstelle in etablierten Computersimulationen wie dem Modell Horizon-AGN auf. Diese Programme berechnen derzeit zu wenige leichte und mittelschwere Schwarze Löcher, da ihre Algorithmen primär auf gewaltige Galaxiencrashs als Wachstumsfaktor trainiert sind. Die Frage, warum die Simulationen bisher derart von der Realität abweichen, wird im Quelltext teilweise mit technischen Ursachen begründet: Heutige Simulationen lösen kosmische Strukturen meist zu grob auf. Zudem weisen die Algorithmen den virtuellen Schwarzen Löchern bereits zu Beginn eine zu hohe Startmasse zu, wodurch das langsame, stetige Wachstum in den Berechnungen verloren geht. Es bleibt jedoch zu klären, wie exakt die neuen Beobachtungsdaten in die bestehenden Simulationsmodelle integriert werden können, um diese Diskrepanz zwischen Modell und Realität vollständig zu schließen.

Wie es weitergeht

Um den Widerspruch zwischen den aktuellen Computermodellen und der astronomischen Realität aufzulösen, setzt die Wissenschaft in den kommenden Jahren auf präzisere Beobachtungsdaten. Das Forschungsteam plant, in künftigen Untersuchungen die Bilder des Weltraumteleskops Euclid der europäischen Raumfahrtagentur ESA auszuwerten, das bereits im Jahr 2023 gestartet wurde. Ergänzend dazu sollen Messungen des geplanten Nancy Grace Roman Space Telescope der US-Raumfahrtbehörde NASA herangezogen werden. Die Sensoren dieses Teleskops sind in der Lage, selbst extrem schwache Lichtquellen in großer Entfernung exakt zu erfassen. Durch diese technologische Erweiterung soll die bisherige Datenbasis systematisch ausgebaut werden. Ziel ist es, die neuen Erkenntnisse über das interne Wachstum von Schwarzen Löchern durch eine größere Stichprobe zu untermauern und die Algorithmen der kosmologischen Simulationen entsprechend anzupassen, um ein akkurateres Bild der galaktischen Entwicklung zu erhalten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-sitzung-sitzen-computer-7831782/ · Foto: Aesthos AR. Photography
Quelle: https://t3n.de/news/schwarze-loecher-wachstum-ohne-galaxienkollision-1766503/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed