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Astronomen warnen: Satelliten-Ring könnte den Nachthimmel um 300 Prozent aufhellen
Technik · 26.07.2026 19:10

Astronomen warnen: Satelliten-Ring könnte den Nachthimmel um 300 Prozent aufhellen

Kurz: Kommerzielle Weltraumprojekte könnten den Nachthimmel dauerhaft verändern. Astronomen warnen vor einem künstlichen Lichtring durch orbitale Rechenzentren und Sp

Neue Infrastruktur im Erdorbit

Der rasante Fortschritt in der kommerziellen Raumfahrt führt zu ambitionierten Plänen, die weit über die bisherige Satellitennutzung hinausgehen. Unternehmen wie SpaceX, Blue Origin und das Startup Reflect Orbital arbeiten an Projekten, die eine massive industrielle Präsenz im erdnahen Weltraum vorsehen. Dabei geht es primär um den Aufbau orbitaler Rechenzentren sowie den Einsatz von Weltraumspiegeln. Der Hintergrund dieser Bestrebungen ist der enorme Energiebedarf und die benötigte Kühlleistung moderner IT-Infrastrukturen auf der Erde. Im Weltraum profitieren diese Anlagen von den niedrigen Umgebungstemperaturen des Alls und einer konstanten Versorgung durch Sonnenenergie.

Entstehung eines künstlichen Lichtrings

Um eine ununterbrochene Energiegewinnung zu gewährleisten, müssen die entsprechenden Satelliten auf einer spezifischen polaren Umlaufbahn positioniert werden. Diese verläuft entlang der sogenannten Tag-Nacht-Grenze – dem Bereich zwischen der beleuchteten und der unbeleuchteten Seite unseres Planeten. Da diese Route für alle Betreiber gleichermaßen attraktiv ist, prognostizieren Experten eine hohe Dichte an Objekten in diesem Korridor. Laut Hugh Lewis, Professor für Astronautik an der University of Birmingham, würde diese Konzentration optisch als ein leuchtendes Band wahrgenommen werden. Ein solches Phänomen könnte in den Morgen- und Abendstunden die Sichtbarkeit von Sternen und Planeten massiv einschränken.

Auswirkungen auf die Astronomie

Besonders die Pläne von Reflect Orbital, bis zu 50.000 Spiegel zur Reflexion von Sonnenlicht auf irdische Solarparks einzusetzen, sorgen in der Fachwelt für Besorgnis. Computersimulationen der Astronomin Samantha Lawler von der University of Regina verdeutlichen das Ausmaß: Die reflektierenden Objekte könnten in bestimmten Regionen die Anzahl der sichtbaren Sterne übersteigen. Berechnungen der Europäischen Südsternwarte deuten darauf hin, dass ein solches Szenario den Nachthimmel um bis zu 300 Prozent aufhellen könnte. Das resultierende Streulicht würde demnach bis zu zwei Stunden nach Sonnenuntergang für eine deutliche Aufhellung des Himmels sorgen.

Regulatorische Lücken und Kritik

Die US-amerikanische Federal Communications Commission (FCC) steht für ihre Genehmigungspraxis in der Kritik. Trotz der Einwände aus der Wissenschaftsgemeinschaft erteilte die Behörde eine Lizenz für einen ersten Testsatelliten von Reflect Orbital. Die Begründung: Die Auswirkungen auf die optische Astronomie fielen nicht in den Zuständigkeitsbereich der FCC. Fachverbände wie die American Astronomical Society warnen hingegen eindringlich vor den Folgen. Neben der Beeinträchtigung der astronomischen Forschung werden auch potenzielle Gefahren für die Luftfahrt durch Blendeffekte angeführt.

Die ökologische Verlagerung

Die Auslagerung von Rechenzentren in den Orbit wird oft als Lösung für irdische Ressourcenprobleme wie den hohen Flächen- und Wasserverbrauch der IT-Industrie dargestellt. Kritiker betonen jedoch, dass dadurch lediglich die ökologische und infrastrukturelle Belastung in den Weltraum verlagert wird. Da es bislang keine globale Regulierungsbehörde gibt, die neben technischen Aspekten auch den Schutz des Nachthimmels und die Lichtverschmutzung umfassend bewertet, bleibt die Zukunft des nächtlichen Himmels ungewiss. Die Wissenschaftsgemeinschaft fordert daher eine kritische Auseinandersetzung mit den langfristigen Folgen dieser orbitalen Industrieprojekte.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/weisses-betongebaude-unter-blauem-himmel-wahrend-der-nachtzeit-6325002/ · Foto: Igor Mashkov
Quelle: https://t3n.de/news/satellitenring-nachthimmel-aufhellung-astronomen-warnung-1753860/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed