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Angebot an LVMH: Gefährliches Überwachungs-Werkzeug breitet sich aus
Technik · 11.08.2026 16:27

Angebot an LVMH: Gefährliches Überwachungs-Werkzeug breitet sich aus

Kurz: Das Überwachungs-Tool Webloc nutzt Werbedaten zur metergenauen Ortung. Recherchen zeigen nun, dass die Technologie auch privaten Unternehmen angeboten wird.

Eine neue Dimension der digitalen Überwachung

Unter dem Fachbegriff ADINT (Advertising-based Intelligence) verbirgt sich eine Technologie, die zunehmend für Sicherheitsbedenken sorgt. Dabei werden Standortdaten, die eigentlich für Werbezwecke in Apps erhoben wurden, zweckentfremdet, um Bewegungsprofile von Personen zu erstellen. Ein zentrales Werkzeug in diesem Bereich ist „Webloc“, entwickelt vom US-Unternehmen Penlink. Während das Tool bisher vor allem im Kontext staatlicher Sicherheitsbehörden bekannt war, deuten aktuelle Recherchen auf eine Ausweitung des Kundenkreises in den privaten Sektor hin.

Funktionsweise und Gefahren von Webloc

Die Technologie hinter Webloc nutzt die riesigen Datenmengen der Werbeindustrie. Milliarden von Handy-Standortdaten fließen täglich durch das Ökosystem der Werbebranche, wo sie von spezialisierten Datenhändlern aggregiert und an Firmen wie Penlink weitergegeben werden. Laut Berichten des Citizen Lab der Universität Toronto erlaubt die grafische Benutzeroberfläche von Webloc den Nutzern, gezielt nach Geräten zu suchen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem definierten Gebiet aufgehalten haben. Zudem lassen sich detaillierte Bewegungsprofile einzelner Nutzer nachverfolgen, was eine Überwachung bis hin zu Privatadressen ermöglicht.

Der Fall LVMH: Einblicke in die Vermarktungsstrategie

Einem Bericht des französischen Mediums Mediapart zufolge wurde Webloc dem Luxusgüterkonzern LVMH (Moët Hennessy Louis Vuitton) als Lösung zur Aufklärung von Diebstählen angeboten. Die Vermittlung soll über ein privates Sicherheitsunternehmen erfolgt sein. LVMH betonte auf Anfrage, dass der Konzern keine Kenntnis über die zugrunde liegende Technologie hatte, als ein Dienstleister im Rahmen eines Tests eine Präsentation durchführte. Sobald die Funktionsweise des Tools transparent wurde, habe LVMH die Gespräche abgebrochen und das Angebot nicht weiter verfolgt.

Die involvierte Sicherheitsfirma Amarante bestätigte, einen Anwendungsfall von Penlink an LVMH weitergeleitet zu haben, stellte jedoch klar, Webloc weder zu verkaufen noch aktiv zu vermarkten. Penlink selbst hat auf Anfragen zu seiner Rolle bei diesem Vorgang bisher nicht reagiert.

Rechtliche und ethische Bedenken

Fachleute wie der Wiener Tracking-Forscher Wolfie Christl bewerten die Nutzung solcher Technologien durch private Unternehmen als „gänzlich inakzeptabel“. Die Verwendung von Werbedaten für Überwachungszwecke steht im Widerspruch zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), da die betroffenen Nutzer niemals in eine solche Form der Datennutzung eingewilligt haben. Die informierte Einwilligung, auf die sich die Werbeindustrie bei der Datenerhebung beruft, ist in diesem Kontext faktisch nicht gegeben.

Hintergrund: Das Risiko der Datenströme

Die Gefahr durch ADINT-Werkzeuge ist eng mit der generellen Praxis des Datenhandels verknüpft. Recherchen, wie die „Databroker Files“, haben bereits belegt, dass selbst hochsensible Informationen über Militärangehörige, Regierungsbeamte und Privatpersonen frei verfügbar sind. Diese Daten ermöglichen tiefe Einblicke in den Alltag von Millionen Menschen – von Arbeitswegen über den Besuch von Arztpraxen bis hin zu privaten Aufenthaltsorten.

Die Ausweitung auf private Akteure könnte die Risiken für Spionage, Sabotage und gezielte Überwachung weiter verschärfen. Während Verbraucherschützer ein striktes Verbot des Trackings und der Profilbildung zu Werbezwecken fordern, um die Datenquelle für ADINT-Tools auszutrocknen, zeigen sich staatliche Stellen oft zögerlich. In einigen Fällen nutzen Behörden die Technologie sogar selbst, während sie gleichzeitig Transparenz über den Einsatz dieser invasiven Methoden verweigern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/laptop-arbeiten-technologie-forschung-3912976/ · Foto: ThisIsEngineering
Quelle: https://netzpolitik.org/2026/angebot-an-lvmh-gefaehrliches-ueberwachungs-werkzeug-breitet-sich-aus/