Ein gewaltsamer Tod in der Abgeschiedenheit
Im Frühjahr 2025 erschütterte ein Tötungsdelikt den Weiler Kunzach bei Breitenbrunn im bayerischen Landkreis Unterallgäu. Der 33-jährige Daniel Emminger, der dort allein auf einem gepachteten Einödhof lebte, wurde in der Nacht vom 31. März auf den 1. April 2025 in seinem Anwesen erschossen. Über ein Jahr später ist der Fall weiterhin ungeklärt, weshalb die Kriminalpolizei Memmingen nun erneut an die Öffentlichkeit tritt.
Emminger, der als charismatisch und friedliebend beschrieben wurde, hatte sich auf dem abgelegenen Hof ein Leben abseits konventioneller Strukturen aufgebaut. Als Betreiber des Vereins „Autarkia Naturnah“ widmete er sich der Selbstversorgung und veranstaltete Seminare zu Themen wie Astrologie, Rutengehen und der Herstellung pflanzlicher Essenzen. Der Hof verfügte über keinerlei Anschluss an das öffentliche Wasser-, Strom- oder Kanalnetz.
Die Ermittlungen der Soko Waldrand
Die eigens für diesen Fall ins Leben gerufene „Soko Waldrand“ geht von einem gezielten Tötungsdelikt aus. Als Tatwaffe wurde nach bisherigen Erkenntnissen eine Langwaffe, vermutlich ein Gewehr, verwendet. Projektile konnten am Tatort gesichert werden, doch von der Waffe selbst fehlt bis heute jede Spur. Die Ermittler ziehen in Betracht, dass die Tatwaffe nach dem Mord entsorgt wurde.
Ein zentraler Aspekt der Ermittlungen ist die enorme Lautstärke des Schusses innerhalb des Gebäudes. Da das Kaliber einen Schalldruckpegel erzeugte, der weit über der menschlichen Schmerzgrenze lag – vergleichbar mit dem Start eines Düsenjets –, gehen die Beamten davon aus, dass der Täter entweder einen Gehörschutz trug oder infolge der Tat einen bleibenden Hörschaden erlitten haben könnte.
Suche nach dem Motiv und dem Täter
Obwohl Emminger in seinem Umfeld als beliebt galt und keine offene Feindschaft bekannt war, schließen die Ermittler persönliche Motive nicht aus. Eifersucht, Neid oder eine mögliche Ablehnung seines alternativen Lebensstils werden als Hintergründe in Betracht gezogen. Die Polizei hält es für wahrscheinlich, dass sich Täter und Opfer kannten.
Aufgrund der Art der Tat vermutet die Soko Waldrand, dass der Schütze über eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Schusswaffen verfügte. Mögliche Kreise, in denen der Täter zu suchen sein könnte, umfassen Jäger oder Sportschützen. Auch der Zugang zu alten, nicht registrierten Waffen aus Kriegszeiten wird als Ermittlungsansatz verfolgt.
Zeugenaufruf der Polizei
Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung des Verbrechens. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder der Täterin führen, wurde eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro ausgelobt. Die Ermittler suchen gezielt nach Antworten auf folgende Fragen:
* Wer hat in der Nacht zum 1. April 2025 im Bereich Kunzach oder Breitenbrunn verdächtige Beobachtungen gemacht?
* Wer kennt Personen, die seit diesem Zeitpunkt ein Gewehr vermissen oder eine Waffe entsorgt haben könnten?
* Wem ist nach dem 1. April 2025 eine Person aufgefallen, die Anzeichen eines Gehörschadens zeigte?
* Wer kann sachdienliche Hinweise zum Motiv oder zum Verbleib des Täters geben?
Hinweise nimmt die Kripo Memmingen unter der Telefonnummer 08331 / 100 499 entgegen (ab dem 30. Juli 2026 unter 08331 / 100 201).