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"Zombiefeuer": Warum Brände im ausgetrockneten Moor schwer bekämpfbar sind
Schlagzeilen · 17.08.2026 17:29

"Zombiefeuer": Warum Brände im ausgetrockneten Moor schwer bekämpfbar sind

Kurz: Im belgischen Hohen Venn brennen Moore unter der Erde. Warum diese sogenannten Zombiefeuer für Einsatzkräfte eine enorme Herausforderung darstellen.

Was geschehen ist: Die Gefahr unter der Oberfläche

Im belgischen Hohen Venn hat sich eine gefährliche Situation entwickelt, die weit über einen gewöhnlichen Waldbrand hinausgeht. Während oberirdisch Flammen in Bäumen und Gräsern lodern, hat sich das Feuer in die tieferen Schichten des Torfmoores gefressen. Diese spezifische Art der Brandentwicklung wird als „Zombiefeuer“ bezeichnet. Das Besondere daran ist, dass das Feuer nicht wie ein klassischer Vegetationsbrand an der Oberfläche sichtbar ist, sondern sich unbemerkt im Untergrund ausbreitet. Die Torfschichten, die im Hohen Venn stellenweise mehrere Meter tief reichen, dienen dabei als Brennstoff. Für die Einsatzkräfte vor Ort bedeutet dies eine massive Erschwernis, da der eigentliche Brandherd oft nicht exakt lokalisiert werden kann. Das Feuer bewegt sich unter der Erde fort und kann an völlig unerwarteten Stellen wieder an die Oberfläche durchbrechen. Diese Dynamik macht die Brandbekämpfung zu einer langwierigen und gefährlichen Aufgabe, die laut Prognosen der Feuerwehr in Monschau noch Wochen in Anspruch nehmen könnte, selbst wenn das Feuer aktuell nicht weiter vorrückt.

Die Einzelheiten: Zahlen, Orte und Expertenstimmen

Die Situation im Hohen Venn ist durch komplexe physikalische Prozesse geprägt. Tanja Sanders vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde betont, dass Moore grundsätzlich anders brennen als reine Vegetation. Während Waldbrände stark von Wind beeinflusst werden und visuell gut verfolgbar sind, bleibt der Moorbrand meist im Verborgenen. Der Biologe Tobias Ceulemans von der Universität Antwerpen ordnet die Brandanfälligkeit des Gebiets kritisch ein. Er weist darauf hin, dass das Hohe Venn eigentlich ein Gebiet sei, das nur schwer in Brand geraten sollte. Die Ursache für die aktuelle Katastrophe liege in der jahrzehntelangen Entwässerung, die durchgeführt wurde, um Fichtenforste für die Holzgewinnung anzupflanzen. Ceulemans fordert daher ein Verbot für die Anlage von Nutzforsten auf solchen Böden. Die Löscharbeiten erfordern laut Sanders enorme Mengen an Wasser, da die gesamte betroffene Fläche durchfeuchtet werden muss, um bis zum Schwelbrand im Erdreich vorzudringen. Ein Sprecher der Feuerwehr in Monschau äußerte sich zur Dauer des Einsatzes, während Jan Koch vom WDR am 17. August 2026 eine vorsichtige Entwarnung gab, da das Feuer aktuell nicht weiter vorrücke.

Hintergrund: Die Folgen der Entwässerung

Die Entstehung der Zombiefeuer ist kein Zufall, sondern das Resultat menschlicher Eingriffe in die Natur. Moore sind von Natur aus wassergesättigte Ökosysteme, die bei einem natürlichen Zustand kaum brennbar sind. Im Fall des Hohen Venns wurde jedoch über Jahrzehnte hinweg aktiv in den Wasserhaushalt eingegriffen. Das Ziel war die wirtschaftliche Nutzung durch den Anbau von Fichten. Diese Entwässerung hat den Boden massiv ausgetrocknet und die Torfschichten, die einst als CO2-Speicher fungierten, in eine potenzielle Brandmasse verwandelt. Wenn ein solches Moor austrocknet, verliert es seine Schutzfunktion. Das Feuer kann sich dann in das Erdreich hineinfressen und als Schwelbrand fortbestehen. Dieser Prozess findet oft ohne sichtbare Flammen statt, produziert jedoch eine gefährliche Rauchentwicklung, die das Atemgift Kohlenmonoxid enthalten kann. Die historische Entscheidung, Moore für die Forstwirtschaft zu entwässern, rächt sich nun in Zeiten zunehmender Trockenheit, da das ausgetrocknete Material eine ideale Grundlage für die hartnäckigen Untergrundbrände bildet.

Die Beteiligten: Institutionen und Experten in der Pflicht

Bei der Bewältigung der Lage sind verschiedene Akteure involviert. Die Feuerwehr in Monschau steht an vorderster Front und koordiniert die schwierigen Löscharbeiten vor Ort. Der WDR, vertreten durch Jan Koch, berichtet kontinuierlich über den aktuellen Stand der Lage. Wissenschaftliche Expertise kommt von Tanja Sanders vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde, die die physikalischen Unterschiede zwischen Vegetations- und Moorbränden erläutert. Der Biologe Tobias Ceulemans von der Universität Antwerpen liefert die ökologische Einordnung und kritisiert die forstwirtschaftliche Praxis der Vergangenheit. Zudem gibt es Erfahrungen aus anderen europäischen Regionen, die zur Einordnung herangezogen werden: Der Kommandant des Feuer- und Rettungsdienstes in der Gironde, Matthieu Jomain, berichtet von den Problemen, die ähnliche Zombiefeuer nach dem Waldbrand 2022 in Frankreich verursacht haben. Dort mussten Feuerwehrleute über zwei Jahre hinweg immer wieder Brandherde tief in der Erde aufspüren und löschen, was die Komplexität der Aufgabe unterstreicht.

Einordnung: Die Gefahr der Zombiefeuer

Einzuordnen ist die Situation als eine schleichende Gefahr, die weit über das unmittelbare Ereignis hinausgeht. Den Berichten zufolge ist ein Moorbrand nicht mit einem klassischen Waldbrand vergleichbar. Die Gefahr besteht in der Unberechenbarkeit des Feuers, das sich unterirdisch ausbreitet und plötzlich an einer anderen Stelle wieder auftauchen kann. Besonders kritisch ist dabei die Rauchentwicklung, die durch den Schwelbrand entsteht und die Einsatzkräfte sowie die Umgebung gefährdet. Die Erfahrungen aus der französischen Region Gironde zeigen, dass die Gefahr auch Monate oder sogar Jahre nach dem eigentlichen Brandereignis bestehen bleiben kann. Glimmende Wurzeln oder Rauchwolken, die scheinbar aus dem Nichts aufsteigen, sind Warnsignale für die Feuerwehrleute. Die Einordnung durch Experten verdeutlicht, dass die Wiederherstellung eines nassen Moores zwar ökologisch sinnvoll wäre, aber bei bereits ausgetrockneten Flächen die Brandgefahr für lange Zeit bestehen bleibt. Es ist ein Prozess, bei dem die Feuerwehr Stück für Stück Asche und Erde abtragen muss, um die tiefliegenden Brandherde überhaupt erst zu finden.

Offene Fragen und wie es weitergeht

Der vorliegende Quelltext lässt einige Fragen offen, die für die langfristige Bewältigung der Lage von Bedeutung wären. So wird nicht explizit beantwortet, welche konkreten Maßnahmen zur Renaturierung des Hohen Venns nach dem Brand ergriffen werden sollen, um künftige Zombiefeuer zu verhindern. Ebenso bleibt offen, ob es bereits Pläne gibt, das Verbot für Nutzforste auf Moorböden, wie von Tobias Ceulemans gefordert, politisch zu diskutieren oder umzusetzen. Auch die Frage nach der finanziellen Belastung durch die extrem wasserintensiven Löscharbeiten wird nicht detailliert behandelt. Wie es weitergeht, ist vor allem durch die laufenden Löscharbeiten bestimmt. Die Feuerwehr in Monschau geht davon aus, dass die Arbeiten noch Wochen andauern werden. Die Einsatzkräfte müssen weiterhin das Gelände auf Anzeichen von Schwelbränden überwachen, da das Feuer jederzeit an anderer Stelle durchbrechen könnte. Eine kontinuierliche Beobachtung, wie sie aus Frankreich bekannt ist, scheint auch für das Hohe Venn das Szenario für die kommenden Monate zu sein, um ein erneutes Aufflammen durch Trockenheit oder Wind zu verhindern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/silhouette-feuer-heiss-verbrennung-4276086/ · Foto: marco allasio
Quelle: https://www.tagesschau.de/wissen/klima/zombiefeuer-moore-100.html