Ein Sportplatz als Ackerlandschaft
Beim Moorburger TSV im Süden Hamburgs herrscht derzeit sportlicher Stillstand. Was einst eine gepflegte Rasenfläche für den Fußballbetrieb war, gleicht nach den nächtlichen Besuchen von Wildschweinen mittlerweile eher einem umgepflügten Acker. Der Verein sah sich gezwungen, die gesamte Anlage für den Spielbetrieb zu sperren, da der Zustand des Platzes eine geordnete Nutzung unmöglich macht.
Die Tiere erscheinen regelmäßig pünktlich zur Dämmerung auf dem Gelände. Dabei zeigen sie ein Verhalten, das Experten und Anwohner gleichermaßen alarmiert: Die Wildschweine lassen sich selbst durch helles Flutlicht nicht von ihrem Treiben abhalten. Sie graben den Boden systematisch um und haben das Areal zu ihrem nächtlichen Aufenthaltsort erkoren.
Sicherheitsrisiko für Vereinsmitglieder
Die Entscheidung zur Sperrung basiert jedoch nicht allein auf dem zerstörten Rasen. Yvonne Petrich, die Präsidentin des Moorburger TSV, betont, dass die Sicherheit der Vereinsmitglieder oberste Priorität habe. Die Unberechenbarkeit der Tiere stelle ein erhebliches Risiko dar. Wildschweine können bei einer Begegnung mit Menschen lebensgefährliche Verletzungen durch ihre scharfen Hauer verursachen. Zudem sind die Tiere in der Lage, Menschen bei der Flucht zu überholen, und gelten als geschickte Schwimmer.
Besonders besorgniserregend ist ein Vorfall, bei dem der Platzwart des Vereins auf seinem Fahrrad von den Tieren verfolgt wurde. Ein solches Verhalten widerspricht dem typischen, scheuen Wesen der Wildtiere und unterstreicht die angespannte Lage vor Ort.
Ursachenforschung und Lebensraumverlust
Die Frage, warum die Tiere den Weg in die bewohnten Gebiete suchen, führt oft auf den schwindenden Lebensraum zurück. Auch in Moorburg vermutet die Vereinsführung einen Zusammenhang mit den zahlreichen Baumaßnahmen in der Umgebung. Die Tiere finden in ihrem natürlichen Habitat kaum noch Rückzugsmöglichkeiten und weichen daher auf Sportanlagen aus, um dort zu nächtigen.
Ähnliche Probleme werden auch aus anderen Regionen gemeldet. In Hagen in Nordrhein-Westfalen etwa sorgten Wildschweine für Unruhe an einer Grundschule, wo sie das Gelände belagerten und so Eltern, Lehrkräfte und Schüler in Aufregung versetzten.
Maßnahmen zur Problemlösung
Der Moorburger TSV arbeitet eng mit dem Bezirksamt zusammen, um der Plage Herr zu werden. Ein einfaches Einfangen der Tiere ist aufgrund ihrer Wildheit nicht praktikabel. Aktuell ist ein Stadtjäger im Einsatz, der die Tiere mit Schüssen vertreiben soll. Bei einem dieser Einsätze wurde bereits ein Tier getroffen. Die Vereinsführung berichtet, dass der Jäger gezielt die Dämmerung abwartet, um auf die Tiere zu reagieren.
Langfristig setzt der Verein auf bauliche Maßnahmen. Ein sogenannter Wildfangzaun soll das Gelände künftig vor weiteren nächtlichen Besuchen schützen. Die Verantwortlichen hoffen, dass diese Schritte zeitnah greifen, damit der Fußballbetrieb in Moorburg wieder aufgenommen werden kann und die Sportler sicher auf den Platz zurückkehren können.