Unerwartete Werbeeinblendungen in HP-Systemsoftware
Besitzer von HP-Computern mit Windows 11 berichten vermehrt von einer ungewöhnlichen Entwicklung: Die vorinstallierte Software "HP Support Assistant" zeigt Werbebanner an, die gezielt für Microsofts Suchmaschine Bing werben. Dabei ist das Programm primär für administrative Aufgaben konzipiert, wie etwa die Bereitstellung von Garantieinformationen, die Anzeige technischer Gerätedaten sowie die Verwaltung von Treiber-Updates.
Berichten zufolge tritt das Werbefenster sogar in störenden Momenten auf, beispielsweise während der Nutzer ein Spiel ausführt. Die Einblendung fordert dazu auf, Bing sowohl als Standardsuchmaschine als auch als Startseite im Browser festzulegen. Besonders kritisch: Die entsprechende Schaltfläche ist bereits vorausgewählt, sodass ein unbedachter Klick ausreicht, um den Konfigurationsprozess zu starten.
Funktionsweise der Bing-Erweiterung
Wer auf die Aufforderung "Yes, let's try it" klickt, initiiert die Installation einer Browser-Erweiterung für Google Chrome oder Mozilla Firefox. Ziel dieser Erweiterung ist es, die Browsereinstellungen eigenständig zu manipulieren.
In der Praxis stoßen diese Versuche jedoch häufig auf Sicherheitsbarrieren: Moderne Browser wie Chrome und Firefox blockieren automatisierte Änderungen an den Suchmaschinen- und Startseiteneinstellungen. Wenn die automatische Umstellung scheitert, leitet die Erweiterung den Nutzer auf eine Anleitung um, die den Anwender dazu auffordert, die Einstellungen manuell vorzunehmen.
Probleme bei der Deaktivierung
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Hartnäckigkeit der Werbehinweise. Die Software bietet zwar Optionen an, um den Hinweis zu einem späteren Zeitpunkt erneut anzuzeigen oder dauerhaft zu unterdrücken. Nutzererfahrungen legen jedoch nahe, dass die Abwahl der Werbung oft wirkungslos bleibt und die Einblendungen weiterhin erscheinen.
Hintergrund: Microsoft Rewards und das "Search that gives back"-Konzept
HP bewirbt Bing unter dem Slogan "Search that gives back". Hierbei handelt es sich um eine Anspielung auf das Programm "Microsoft Rewards". Nutzer, die über Bing suchen, sammeln Punkte, die sie gegen verschiedene digitale Güter eintauschen können. Dazu gehören unter anderem:
* Gutscheine für Microsoft, Xbox oder diverse Händler
* Digitale Inhalte und Spiele
* Teilnahme an Gewinnspielen
* Spenden an gemeinnützige Organisationen
Einordnung im Kontext der Branche
Das Vorgehen von HP weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Fall bei LG. Dort hatte eine Monitorsoftware Werbung für den Sicherheitsanbieter McAfee eingeblendet, was nach öffentlicher Kritik und einer Intervention durch den Windows-Chef Pavan Davuluri zur Abschaltung der Pop-ups führte.
Im aktuellen Fall bei HP stellt sich die Situation jedoch anders dar: Da Microsoft als Betreiber der Suchmaschine Bing selbst von der Umstellung profitiert, bleibt abzuwarten, ob eine ähnliche regulatorische oder öffentliche Intervention erfolgt. Bisher ist keine offizielle Reaktion seitens Microsoft oder HP bekannt, die auf ein Ende dieser Werbepraxis hindeutet.
Empfehlungen für betroffene Nutzer
Für Anwender, die sich durch die Einblendungen gestört fühlen, gibt es derzeit nur eine effektive Lösung: die Deinstallation des HP Support Assistant. Wer diesen Weg wählt, muss jedoch bedenken, dass damit auch der Zugriff auf nützliche Funktionen wie die automatisierte Treiberaktualisierung und die Verwaltung von Garantieansprüchen verloren geht. Zudem ist darauf zu achten, dass das Programm nicht durch automatische Windows-Updates erneut auf das System aufgespielt wird.