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Warum der Paketbote nur einmal klingelt
Schlagzeilen · 04.08.2026 11:40

Warum der Paketbote nur einmal klingelt

Kurz: Paketboten stehen unter enormem Zeitdruck, während die Branche boomt. Warum die Arbeitsbedingungen so stark variieren und welche Rolle Subunternehmer spielen.

Ein System unter Dauerstress

Wer kennt das Szenario nicht: Ein kurzes Klingeln, und bevor die Tür geöffnet werden kann, ist der Zusteller bereits wieder auf dem Weg zum nächsten Ziel. Oft bleiben Pakete im Treppenhaus zurück oder landen direkt in einer Annahmestelle. Was bei vielen Kunden für Unmut sorgt und regelmäßig zu Beschwerden bei der Bundesnetzagentur führt, ist für die Zusteller selbst oft die Konsequenz eines massiven Zeitdrucks. Laut einer im Auftrag der Gewerkschaft Verdi erstellten Studie fühlen sich 90 Prozent der Beschäftigten in der Zustellung häufig gehetzt. Die Arbeitslast ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, während die Zeitvorgaben für die einzelnen Touren gleich geblieben sind.

Die Entwicklung der Sendungsmengen

Der Onlinehandel boomt, und die Erwartungen der Konsumenten an schnelle und kostengünstige Lieferungen sind hoch. Diese Nachfrage spiegelt sich in den Zahlen wider: Zwischen 2019 und 2024 stieg die Menge der Kurier-, Express- und Paketsendungen in Deutschland um fast 50 Prozent auf insgesamt 4,73 Milliarden Pakete pro Jahr. Während die Branche insgesamt wächst, sind die wirtschaftlichen Erfolge ungleich verteilt. Marktführer DHL konnte seinen Gewinn vor Zinsen und Steuern im Bereich Post & Paket Deutschland im Jahr 2025 um über 25 Prozent steigern. Andere Akteure wie Hermes verzeichnen hingegen trotz hoher Umsätze operative Verluste.

Das Modell der Subunternehmer

Ein wesentlicher Faktor für die Arbeitsbedingungen ist die Struktur der Zustellung. Während DHL einen Großteil seiner Kräfte direkt beschäftigt, setzen Unternehmen wie Hermes, DPD, GLS und Amazon für die sogenannte „letzte Meile“ – den Weg vom Verteilzentrum zum Kunden – nahezu vollständig auf Subunternehmen. Dieser Bereich ist besonders kostenintensiv, da hier der Zeitaufwand pro Sendung am höchsten ist.

Die Auslagerung an Servicepartner wird von Branchenvertretern wie Hermes-CEO Dennis Kollmann mit der notwendigen Flexibilität begründet. Da das Paketaufkommen saisonal stark schwankt – im Weihnachtsgeschäft wird teilweise die doppelte Menge im Vergleich zum Sommer bewegt –, ermögliche das Subunternehmermodell eine Anpassung an diese Spitzen. Die Partner seien oft in verschiedenen Geschäftsfeldern aktiv und könnten Ressourcen effizienter bündeln.

Tarifverträge als entscheidender Faktor

Die Art der Anstellung hat direkte Auswirkungen auf das Einkommen und die Arbeitsbelastung. Beschäftigte, die direkt bei einem Paketdienstleister unter Vertrag stehen, profitieren in der Regel von Tarifverträgen. Dies gilt für rund die Hälfte der UPS-Zusteller und für fast alle DHL-Mitarbeiter.

Die Unterschiede sind laut Verdi-Studien deutlich:

* **Einkommen:** Zusteller mit Tarifvertrag verdienen im Schnitt monatlich 500 Euro mehr.

* **Arbeitszeit:** Beschäftigte ohne Tarifbindung arbeiten im Durchschnitt elf Stunden länger pro Woche.

* **Vergütung:** Bei Subunternehmen kommt es vor, dass Mehrarbeit nicht erfasst oder bezahlt wird, was teilweise zu Einkommen unterhalb des Mindestlohns führen kann.

Wirtschaftlicher Druck und Zukunftsaussichten

Logistik-Experten wie Christian Kille vom Institut für angewandte Logistik betrachten die Margen in der Paketbranche als gering. Der Versand sei in der Vergangenheit „deutlich zu günstig“ gewesen, weshalb Unternehmen wie Hermes in den letzten Jahren die Preise angehoben haben, um den gestiegenen Lohn- und Transportkosten zu begegnen.

Ob die steigenden Versandkosten die Shoppinglust der Kunden dämpfen werden, bleibt abzuwarten. Da die Branche jedoch mit weiter wachsenden Sendungsmengen rechnet, dürfte der Druck auf die Zusteller ein zentrales Thema bleiben. Die strukturellen Herausforderungen durch saisonale Schwankungen und die Abhängigkeit von Subunternehmern verdeutlichen, dass das aktuelle Modell der „letzten Meile“ weiterhin unter einer hohen Belastung steht.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schild-post-markenlogo-9008223/ · Foto: Jan van der Wolf
Quelle: https://www.zdfheute.de/wirtschaft/paket-paketzusteller-paketdienste-bedingungen-100.html