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Wahlen im Osten: Geht ohne AfD bald nichts mehr?
Schlagzeilen · 20.08.2026 20:57

Wahlen im Osten: Geht ohne AfD bald nichts mehr?

Kurz: Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft werden. Was das für die Regierungsbildung bedeutet, analysiert Mirko Drotschmann.

Eine politische Zäsur steht bevor: Die Ausgangslage vor den Landtagswahlen

Die politische Landschaft in Ostdeutschland steht vor einer potenziellen historischen Zäsur. Mit den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September und in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September rückt eine Frage in den Fokus der öffentlichen Debatte, die weit über die Landesgrenzen hinaus für Unruhe sorgt: Könnte die AfD in diesen Bundesländern bald die Regierungsgeschäfte bestimmen? Die aktuellen Umfragen zeichnen ein Bild, das die etablierten Parteien unter erheblichen Druck setzt. In beiden Bundesländern wird die AfD derzeit als stärkste politische Kraft geführt. Mirko Drotschmann hat in seiner Analyse für das ZDF die komplexe Gemengelage aufbereitet und verdeutlicht, dass der Status als stärkste Fraktion im Parlament keineswegs automatisch eine Regierungsbeteiligung oder gar eine Machtübernahme bedeutet. Dennoch ist die Dynamik, die sich in den Umfragen widerspiegelt, ein deutliches Signal für eine tiefgreifende Veränderung der politischen Statik. Die Wählerinnen und Wähler stehen vor einer Entscheidung, die das Regieren in den betroffenen Ländern grundlegend verändern könnte. Während die AfD ihren Anspruch auf Gestaltungsmacht untermauert, suchen die anderen Parteien verzweifelt nach Wegen, um Mehrheiten zu bilden, die eine Regierungsbeteiligung der AfD verhindern könnten. Die kommenden Wochen bis zu den Wahlterminen werden für alle beteiligten Akteure zu einer entscheidenden Phase, in der es um die politische Zukunft der betroffenen Bundesländer geht.

Die Zahlen im Detail: Umfragen und politische Arithmetik

Ein Blick auf die konkreten Zahlen verdeutlicht die Herausforderung. In Sachsen-Anhalt zeigt eine aktuelle Erhebung, dass die AfD mit 42 Prozent der Wählerstimmen rechnen könnte, während die CDU mit lediglich 22 Prozent deutlich abgeschlagen auf dem zweiten Platz rangiert. Die Linke erreicht in diesem Szenario 13 Prozent, die SPD kommt auf 6 Prozent und das BSW liegt bei 5 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Situation zwar etwas anders strukturiert, aber nicht weniger spannend: Laut einer Infratest-dimap-Umfrage führt die AfD dort mit 36 Prozent, gefolgt von der SPD mit 29 Prozent. Mathematisch gesehen reicht es jedoch nicht aus, lediglich die stärkste Kraft zu sein, um eine Regierung zu bilden. Für eine tragfähige Mehrheit ist entweder eine absolute Anzahl an Sitzen erforderlich, die eine Alleinregierung ermöglicht, oder aber die Bereitschaft anderer Parteien, eine Koalition einzugehen. In Sachsen-Anhalt hat Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD explizit und wiederholt ausgeschlossen. Eine rechnerische Alternative, etwa ein Bündnis aus CDU, SPD und Linken, scheitert derzeit an der Haltung der CDU, die eine Kooperation mit der Linken ebenfalls ablehnt. Die politische Arithmetik ist somit hochkomplex, da die klassischen Lagerbildungen zunehmend erodieren und die Suche nach stabilen Mehrheiten zu einer fast unlösbaren Aufgabe wird.

Historischer Kontext und die Entwicklung der Parteienlandschaft

Die derzeitige Situation ist das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung, die das politische Gefüge in Ostdeutschland über Jahre hinweg geformt hat. Die AfD konnte in den vergangenen Wahlperioden kontinuierlich an Zuspruch gewinnen, was sich nun in den Umfragewerten für die anstehenden Landtagswahlen niederschlägt. In Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich ein Zweikampf zwischen der SPD und der AfD ab, der die Dynamik des Wahlkampfes maßgeblich bestimmt. Gleichzeitig gibt es in diesem Bundesland theoretische Szenarien, die eine Fortsetzung der bisherigen Politik unter erschwerten Bedingungen ermöglichen könnten. So käme eine Koalition aus SPD, Linken und Grünen laut aktuellen Prognosen auf eine parlamentarische Mehrheit. Sollte dies eintreten, wäre es die erste Dreiparteien-Koalition in der Geschichte des Bundeslandes unter der amtierenden Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Die Vorgeschichte dieser Wahlen ist geprägt von einer zunehmenden Polarisierung, bei der Themen wie die Wirtschaftslage, die Bildungsmisere und die allgemeine Unzufriedenheit mit der Bundespolitik eine zentrale Rolle spielen. Die AfD versteht es dabei geschickt, diese Themen zu besetzen und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, was den Druck auf die etablierten Parteien, die seit Jahren die Regierungsverantwortung tragen, massiv erhöht hat.

Die Akteure: Wer entscheidet und wer sich positioniert

Die Akteure in diesem politischen Drama sind vielfältig. Ministerpräsident Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt fungiert als eine der zentralen Figuren, der durch seine klare Absage an die AfD die strategischen Grenzen für seine Partei abgesteckt hat. Auf der anderen Seite steht Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern, deren politische Zukunft eng mit dem Erfolg einer möglichen Dreier-Koalition verknüpft ist. Auch der Sozialwissenschaftler David Begrich betont, dass die Bedeutung dieser Wahlen nicht zu unterschätzen sei, da sie weitreichende Auswirkungen auf die politische Kultur und die Stabilität der parlamentarischen Demokratie haben könnten. Zudem äußern sich Experten wie Ökonomen kritisch zu den wirtschaftspolitischen Plänen der AfD, die sie als katastrophal einstufen. Auch das BSW unter Sahra Wagenknecht bringt sich in Stellung und deutet an, dass es unter bestimmten Umständen sogar einen AfD-Ministerpräsidenten ermöglichen könnte, was die politische Gemengelage zusätzlich verkompliziert. Die Rolle der Jugend im Nordosten, die von der AfD gezielt adressiert wird, sowie die Sorgen um die Bildungspolitik und deren Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft sind weitere Faktoren, die von den politischen Akteuren in ihre Strategien einbezogen werden müssen. Es ist ein komplexes Geflecht aus persönlichen Ambitionen, parteipolitischen Kalkülen und gesellschaftlichen Erwartungen, das hier aufeinandertrifft.

Einordnung der Lage: Was der Wählerwille bedeuten könnte

Einzuordnen ist die aktuelle Situation als eine Phase der politischen Instabilität, in der die gewohnten Mechanismen der Machtbildung an ihre Grenzen stoßen. Den Berichten zufolge ist die Stärke der AfD nicht nur ein Ausdruck von Protest, sondern spiegelt eine tiefe Entfremdung zwischen einem signifikanten Teil der Bevölkerung und den etablierten Parteien wider. Die Entscheidung der CDU in Sachsen-Anhalt, sowohl eine Kooperation mit der AfD als auch mit der Linken abzulehnen, führt zu einer Blockade, die das Regieren nach der Wahl erheblich erschweren könnte. Sollten die Umfragen die Realität widerspiegeln, könnte dies zu einer Situation führen, in der keine stabile Regierung gebildet werden kann, was wiederum Neuwahlen oder Minderheitsregierungen zur Folge haben könnte. Die politische Kultur steht vor einer Bewährungsprobe. Wenn die AfD in die Position gerät, Mehrheiten zu blockieren oder sogar den Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten zu erheben, wird dies zwangsläufig zu einer Debatte über die demokratische Resilienz der Institutionen führen. Es bleibt abzuwarten, ob die Wählerinnen und Wähler bei ihrer Stimmabgabe tatsächlich die Konsequenzen einer solchen Blockadepolitik in ihre Überlegungen einbeziehen oder ob der Wunsch nach einem radikalen politischen Wechsel überwiegt.

Offene Fragen und der Blick in die Zukunft

Trotz der intensiven Berichterstattung bleiben zahlreiche Fragen offen, die erst nach dem Auszählen der Stimmen beantwortet werden können. So ist vollkommen unklar, wie sich das tatsächliche Wahlergebnis von den aktuellen Umfragewerten unterscheiden wird, da die Umfragen lediglich Momentaufnahmen darstellen und bis zu den Wahlterminen noch vier Wochen Zeit verbleiben, in denen sich die Stimmung drehen kann. Ebenso bleibt offen, wie sich das BSW nach der Wahl verhalten wird, falls es zum Zünglein an der Waage werden sollte. Welche Koalitionen werden tatsächlich geschmiedet, wenn der Druck der Realität die Parteien zu Kompromissen zwingt, die sie heute noch kategorisch ausschließen? Welche Auswirkungen wird das Wahlergebnis auf die Bundespolitik haben, insbesondere auf die Stabilität der Regierungskoalitionen in Berlin? Die Frage, ob die AfD tatsächlich in der Lage wäre, ein Bundesland effektiv zu regieren, oder ob ihre Pläne – etwa in der Kultur- oder Bildungspolitik – zu einem Stillstand führen würden, bleibt spekulativ. Wie es weitergeht, hängt nun von den kommenden vier Wochen ab. Die Parteien werden ihre Wahlkämpfe intensivieren, um unentschlossene Wähler zu mobilisieren. Nach den Wahlterminen am 6. und 20. September wird sich zeigen, ob die politischen Akteure in der Lage sind, tragfähige Mehrheiten zu bilden, oder ob Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in eine Phase der politischen Unregierbarkeit steuern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/tourist-im-reichstagsgebaude-in-berlin-30071430/ · Foto: Hamdi Kılınç
Quelle: https://www.zdfheute.de/video/wahlen-sachsen-anhalt-mecklenburg-vorpommern-drotschmann-xplained-100.html