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Vom Aufsteiger zum Geheimfavoriten
Sport · 19.08.2026 20:43

Vom Aufsteiger zum Geheimfavoriten

Kurz: Die Fußballerinnen von Union Berlin starten in ihre zweite Bundesliga-Saison. Mit neuer Trainerin und hochkarätigen Neuzugängen peilt der Verein die Top-Fünf an

Ein neuer Anlauf für die Köpenickerinnen

Der 1. FC Union Berlin steht vor einer richtungsweisenden Spielzeit in der Frauen-Bundesliga. Nachdem der Verein im vergangenen Jahr den Aufstieg in das deutsche Fußball-Oberhaus feierte, gehen die Köpenickerinnen nun in ihre zweite Saison in der höchsten Spielklasse. Die Erwartungen im Umfeld sind dabei deutlich gestiegen, was nicht zuletzt an der gezielten Transferpolitik und einer personellen Neuausrichtung auf der Trainerbank liegt. Am kommenden Freitag um 18:20 Uhr erfolgt der offizielle Saisonauftakt im Stadion An der Alten Försterei. Dabei empfängt Union keinen Geringeren als den amtierenden deutschen Meister und Champions-League-Teilnehmer Bayern München. Die Partie dient für die Berlinerinnen als erste echte Standortbestimmung, um zu sehen, wie weit die Entwicklung des Teams bereits fortgeschritten ist. Mit einer Kulisse von rund 15.000 erwarteten Zuschauern im Rücken möchte die Mannschaft von Trainerin Marie-Louise Eta den Favoriten aus dem Süden Deutschlands vor heimischer Kulisse herausfordern und unter Druck setzen. Die Vorfreude auf diesen Saisonstart ist in Köpenick bereits deutlich spürbar, da das Stadion als besonderer Kraftort für das Team gilt.

Die personelle Neuausrichtung und der Kader

Die wichtigste personelle Veränderung betrifft die sportliche Leitung. Marie-Louise Eta, die im Sommer das Traineramt von Ailien Poese übernahm, steht nun in der Verantwortung. Eta ist in Berlin keine Unbekannte; sie sammelte bereits wertvolle Erfahrungen als Interimstrainerin der Männermannschaft des 1. FC Union, als sie den Klassenerhalt in der Bundesliga sicherte. Nun konzentriert sie sich voll auf den Frauenbereich. Unterstützt wird sie dabei von einem deutlich verstärkten Kader. Der Verein hat im Sommer aktiv auf dem Transfermarkt agiert und mehrere namhafte Spielerinnen verpflichtet, die das Niveau der Mannschaft spürbar anheben sollen. Dazu zählen die deutschen Nationalspielerinnen Lisanne Gräwe und Jella Veit, die aus Frankfurt nach Berlin wechselten. Ergänzt wird die Qualität durch die belgische Nationalspielerin Jill Janssens, die von der TSG Hoffenheim kam, sowie die Schweizer Nationalspielerin Leela Egil, die zuvor beim SC Freiburg unter Vertrag stand. Diese Neuzugänge haben sich laut Eta bereits gut in das Team integriert und eine starke Vorbereitung absolviert. Dennoch muss die Trainerin zum Auftakt auf einige Akteurinnen verzichten: Anna Aehling, Hannah Eurlings, Dina Orschmann und Tanja Pawollek stehen für das Duell gegen die Bayern verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.

Der Weg zum Geheimfavoriten

Dass Union Berlin in der kommenden Saison von vielen Experten als Geheimfavorit gehandelt wird, kommt nicht von ungefähr. Der Verein investiert seit Jahren überdurchschnittlich in die Strukturen des Frauenfußballs und hat damit Bedingungen geschaffen, die in dieser Form selten sind. Bereits in der vergangenen Aufstiegssaison spielten die Berlinerinnen im Stadion An der Alten Försterei und erzielten mit einem Zuschauerschnitt von 8.200 Fans den Bestwert der gesamten Liga. Trotz dieser positiven Rahmenbedingungen verlief die erste Erstliga-Saison sportlich durchwachsen. Am Ende stand ein neunter Tabellenplatz zu Buche, mit dem man sich intern nicht vollends zufrieden zeigte. Ein wesentlicher Grund für das Abschneiden war das massive Verletzungspech, das die Mannschaft über weite Strecken der Saison begleitete. Zeitweise fielen ein Dutzend Spielerinnen gleichzeitig aus, was eine konstante Leistungsentwicklung erschwerte. Dennoch hat der Verein aus dieser Erfahrung gelernt und die Infrastruktur sowie den Kader weiter professionalisiert. Die Ambitionen für die neue Spielzeit sind nun deutlich höher gesteckt, was sich auch in der Zielsetzung der Geschäftsführung widerspiegelt.

Strategische Ambitionen und Erwartungen

Die offizielle Zielvorgabe für die zweite Bundesliga-Saison ist klar definiert: Die Geschäftsführung unter der Leitung von Jennifer Zietz hat die Top-Fünf der Tabelle als Ziel ausgegeben. Diese Ansage unterstreicht den Anspruch des Vereins, sich nachhaltig in der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga zu etablieren. Marie-Louise Eta betont in diesem Zusammenhang, dass die Umstellung auf ihre neue Rolle als Cheftrainerin des Frauenteams keine große Hürde darstellte, da sie die Gegebenheiten vor Ort, die Infrastruktur und einen Großteil des Kaders bereits bestens kannte. Die Mannschaft habe sich in der Vorbereitung hervorragend entwickelt, was unter anderem durch den Erfolg bei der Generalprobe gegen einen starken Gegner in Paris unterstrichen wurde. Dennoch warnt die Trainerin vor einer zu hohen Erwartungshaltung. Es gelte, die richtige Balance zu finden zwischen dem Selbstbewusstsein, das durch die Neuzugänge und die positive Entwicklung entstanden ist, und der Tatsache, dass man sich erst im zweiten Jahr der Erstligazugehörigkeit befindet. Die Spielerinnen sollen sich nicht kleiner machen als sie sind, aber gleichzeitig die nötige Demut vor der Herausforderung bewahren.

Einordnung der aktuellen Situation

Einzuordnen ist die aktuelle Euphorie rund um das Team von Union Berlin als Resultat einer konsequenten Investitionsstrategie. Den Berichten zufolge hat der Verein die Rahmenbedingungen für den Frauenfußball so weit optimiert, dass ein Sprung in die obere Tabellenhälfte als realistisch gilt. Dass der 1. FC Union dabei als Geheimfavorit gehandelt wird, spiegelt das Vertrauen der Experten in die Qualität des Kaders und die Arbeit des Trainerstabs wider. Besonders der Vergleich mit den Bayern zeigt, wie weit der Weg noch ist: Als die Münchnerinnen in der Vergangenheit in Köpenick gastierten, gewannen sie mit 3:2 und sicherten sich in dieser Arena den Meistertitel. Dass Union nun in der Lage sein soll, den amtierenden Meister zu ärgern, deutet auf einen deutlichen Reifeprozess hin. Die Rolle der Trainerin Marie-Louise Eta ist dabei zentral. Ihre Erfahrung aus der Männer-Bundesliga bringt eine gewisse Ruhe und Professionalität in den Verein. Die Herausforderung wird sein, den Druck, der mit der Favoritenrolle einhergeht, in positive Energie auf dem Platz umzuwandeln, anstatt in Nervosität zu verfallen.

Offene Fragen und der Blick nach vorne

Trotz der klaren Zielsetzung bleiben einige Fragen offen, die erst der Saisonverlauf beantworten kann. So ist noch nicht absehbar, wie schnell die zahlreichen Neuzugänge das Spielsystem von Eta verinnerlichen können, wenn der Ernstfall eintritt und der Druck in der Liga steigt. Auch die Frage, wie das Team auf Rückschläge reagiert – etwa bei erneuten Verletzungswellen, die das Team in der Vergangenheit stark ausgebremst haben – bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Der Quelltext lässt zudem offen, wie der Verein bei einem möglichen Ausbleiben der sportlichen Erfolge in der Hinrunde reagieren würde. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Mannschaft die Balance zwischen dem angestrebten mutigen Fußball und der defensiven Stabilität gegen Top-Teams wie den FC Bayern findet. Der Zeitplan ist eng getaktet: Mit dem Anpfiff am Freitagabend beginnt eine Phase, in der sich die Investitionen der letzten Jahre nun auf dem Rasen auszahlen müssen. Die Fans dürfen gespannt sein, ob Union Berlin den Sprung vom Aufsteiger zum etablierten Spitzenklub in dieser Saison tatsächlich vollziehen kann.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nachtfussballspiel-im-stadion-von-budapest-35898730/ · Foto: ShotsBy Csongii
Quelle: https://www.sportschau.de/regional/rbb/rbb-unions-frauen-im-teamcheck-vom-aufsteiger-zum-geheimfavoriten-100.html