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Völkerrecht: Wertlos oder wichtiger denn je?
Schlagzeilen · 04.03.2026 20:34

Völkerrecht: Wertlos oder wichtiger denn je?

Kurz: Die Bedeutung des Völkerrechts steht angesichts globaler Konflikte zur Debatte. Experten wägen seine Relevanz und Wirksamkeit ab.

Völkerrecht im Spannungsfeld internationaler Konflikte

Die Welt erlebt derzeit eine Vielzahl internationaler Konflikte, die die Relevanz des Völkerrechts infrage stellen. Experten sind sich einig, dass die jüngsten militärischen Aktionen, insbesondere der Angriff auf den Iran, klar gegen die völkerrechtlichen Normen verstoßen. Doch trotz dieser Verstöße bleibt die Frage: Was ist das Völkerrecht in der heutigen Zeit noch wert?

Aktuelle Krisenherde

Die globalen Spannungen sind vielfältig und reichen von der Ukraine über den Iran bis in den Nahen Osten. Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas hat seit dem Überfall am 7. Oktober 2023 zu schweren militärischen Auseinandersetzungen geführt, die auch zahlreiche zivile Opfer gefordert haben. Gleichzeitig ist die Situation im Sudan eine der gravierendsten humanitären Krisen der Gegenwart.

Der Iran-Konflikt

Der Iran steht im Zentrum internationaler Spannungen. Das Land wird nicht nur wegen seines Atomprogramms kritisch betrachtet, sondern auch wegen seiner Unterstützung militärischer Gruppen wie der Hamas und Hisbollah. Diese Aspekte werfen komplexe Fragen über die Rechtmäßigkeit militärischer Interventionen auf. Rechtswissenschaftler Professor Dominik Steiger äußert, dass solche Interventionen trotz völkerrechtlicher Bedenken oft als notwendig erachtet werden, um potenzielle Bedrohungen zu neutralisieren.

Die Rolle des Völkerrechts

Völkerrecht soll die Beziehungen zwischen Staaten regeln, Konflikte vermeiden und das Leid in Krisensituationen mindern. Doch in der aktuellen globalen Lage scheinen diese Ziele oft unerreicht. Der Bundeskanzler und andere politische Führer äußern ernüchterte Einschätzungen zur Wirksamkeit des bestehenden internationalen Rechts.

Herausforderungen für die Durchsetzung

Die Durchsetzung des Völkerrechts steht vor erheblichen Herausforderungen. Internationale Gerichte wie der Internationale Gerichtshof (IGH) und der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) haben zwar spezifische Aufgaben, doch ihre Autorität wird oft von Staaten nicht anerkannt. Der UN-Sicherheitsrat, der völkerrechtlich verbindliche Resolutionen erlassen kann, ist häufig handlungsunfähig, da die fünf ständigen Mitglieder (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich) Resolutionen blockieren können.

Ein Dilemma der internationalen Gemeinschaft

Die rechtlichen und moralischen Dilemmata, die sich aus den aktuellen Konflikten ergeben, werden von Experten wie Patrick Keller von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) thematisiert. Er betont, dass das Völkerrecht nicht alle Konflikte lösen kann. Die Realität zeigt, dass militärische Gewalt oft als notwendig erachtet wird, selbst wenn sie völkerrechtswidrig ist.

Erfolge und Misserfolge des Völkerrechts

Trotz der Herausforderungen gibt es auch Erfolge im Bereich des Völkerrechts. Die Einhaltung des Welthandelsrechts und die Fortschritte beim Klimaschutz durch das Pariser Abkommen sind Beispiele für positive Entwicklungen. Dennoch bleibt die Frage, ob diese Erfolge ausreichen, um die Glaubwürdigkeit des Völkerrechts zu stärken.

Gesellschaftliche Akzeptanz

Professor Steiger weist darauf hin, dass die Akzeptanz des Völkerrechts in der Gesellschaft entscheidend für seine Durchsetzbarkeit ist. Menschen befolgen Gesetze nicht nur aus Angst vor Konsequenzen, sondern auch aus Überzeugung. Dies gilt insbesondere für die Ablehnung von Krieg und Gewalt.

Politische Dimensionen des Völkerrechts

Das Völkerrecht hat auch eine politische Dimension, die nicht ignoriert werden kann. Es bietet einen Rahmen, innerhalb dessen Staaten ihre Beziehungen ausverhandeln können. Dennoch betonen Experten, dass sich die politische Realität verändert hat. Europa muss in der Lage sein, seine Interessen effektiver zu vertreten, sowohl wirtschaftlich als auch militärisch.

Die Notwendigkeit politischer Macht

Dr. Patrick Keller argumentiert, dass für Mittelmächte wie Deutschland und Frankreich eine regelbasierte internationale Ordnung vorteilhaft ist, um das „Recht des Stärkeren“ zu vermeiden. Gleichzeitig ist es notwendig, die eigenen Fähigkeiten auszubauen, um in der globalen Arena handlungsfähig zu bleiben.

Die Diskussion um die Bedeutung des Völkerrechts ist aktueller denn je, insbesondere vor dem Hintergrund der zahlreichen internationalen Konflikte. Während einige Experten die Relevanz des Völkerrechts in Frage stellen, gibt es auch Stimmen, die auf seine Erfolge hinweisen. Die Herausforderung besteht darin, wie die internationale Gemeinschaft auf die komplexen Fragen der Gegenwart reagieren kann, ohne die Grundlagen des Völkerrechts zu untergraben. Die Realität zeigt, dass das Völkerrecht, trotz seiner Unvollkommenheiten, einen wichtigen Rahmen für die Regelung internationaler Beziehungen bietet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stift-dokument-papier-holztisch-7841417/ · Foto: RDNE Stock project
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/voelkerrecht-krisen-kriege-bedeutung-100.html