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Verschlüsselt, aber falsch: Gruppenchats anfällig für manipulierte Inhalte
Technik · 30.07.2026 07:57

Verschlüsselt, aber falsch: Gruppenchats anfällig für manipulierte Inhalte

Kurz: Beliebte Messaging-Dienste wie WhatsApp, Signal und Threema haben eine Sicherheitslücke: Gruppenchats lassen sich manipulieren, ohne die Verschlüsselung zu brec

Sicherheitsrisiko in Gruppenchats

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gilt als Goldstandard für die Sicherheit privater Kommunikation. Doch bei Gruppenchats der bekannten Dienste WhatsApp, iMessage, Signal und Threema klafft eine Sicherheitslücke, die weit über das bloße Mitlesen hinausgeht. IT-Sicherheitsforscher aus Österreich haben nachgewiesen, dass es möglich ist, Inhalte innerhalb einer Gruppe gezielt zu manipulieren, ohne die Verschlüsselung selbst zu brechen. Das Problem: Die sogenannte „Transcript Consistency“ ist nicht gegeben – Teilnehmer eines Chats sehen unter Umständen völlig unterschiedliche Versionen einer Unterhaltung.

Die Mechanismen der Manipulation

Die Schwachstelle liegt nicht in der Verschlüsselung an sich, sondern in der Art und Weise, wie die Messenger Nachrichten verarbeiten und verteilen. Ein Angreifer, der bereits Teil der Gruppe ist oder Zugriff auf ein Gerät eines Mitglieds hat, kann Nachrichten mit identischen Identifikationsnummern versenden, die jedoch bei verschiedenen Empfängern unterschiedliche Inhalte aufweisen.

Dies kann weitreichende Folgen haben:

* **Gezielte Täuschung:** Ein Nutzer erhält einen schädlichen Link, während der Rest der Gruppe einen harmlosen Link sieht. Die positive Reaktion der Gruppe kann das Zielopfer dazu verleiten, den gefährlichen Link ebenfalls anzuklicken.

* **Manipulierte Absprachen:** Ein Angreifer kann unterschiedliche Informationen zu Terminen oder Beschlüssen streuen, sodass Teilnehmer glauben, es herrsche Konsens, obwohl sie über grundverschiedene Sachverhalte abgestimmt haben.

* **Selektive Informationssteuerung:** Moderatoren oder einzelne Mitglieder können gezielt mit anderen Informationen versorgt werden als der Rest der Gruppe, was die Wahrnehmung des gesamten Chatverlaufs verfälscht.

Technische Hintergründe der Schwachstelle

Die Forscher um Gabriel Gegenhuber identifizierten zwei Hauptwege, über die diese Angriffe erfolgen können. Dabei nutzten sie sowohl offizielle als auch modifizierte Clients der Messenger.

Paarweise Kommunikation

Bei Diensten wie Threema und iMessage sendet der Client für jede Nachricht eine Kopie an jeden einzelnen Teilnehmer. Ein Angreifer kann hierbei einfach unterschiedliche Inhalte unter derselben Nachrichten-ID an verschiedene Empfänger schicken.

Server Fan-out

Bei diesem Verfahren, das unter anderem von WhatsApp und Signal genutzt wird, sendet der Client eine Nachricht an den Server, der diese dann an die Gruppenmitglieder verteilt. Die Forscher fanden heraus, dass sich dieser Prozess durch gezielte Fehlermeldungen (etwa „kann nicht entschlüsseln“) manipulieren lässt. Der Angreifer provoziert eine erneute Übertragung, die er dann zur Einschleusung der manipulierten Inhalte nutzt.

Herausforderungen für die Zukunft

Obwohl die Sicherheitsforscher ihre Erkenntnisse bereits Anfang Februar an die betroffenen Dienste gemeldet haben, sind derzeit keine unmittelbaren Maßnahmen zur Behebung des Grundproblems geplant. Die Komplexität der Implementierung – insbesondere bei Diensten, die Wert auf hohe Privatsphäre legen und beispielsweise keine zentrale Mitgliederliste auf dem Server führen, wie es bei Signal der Fall ist – erschwert einfache Lösungen.

Für die Nutzer bedeutet dies, dass sie sich nicht blind auf die Integrität des angezeigten Chatverlaufs verlassen können. Da die Manipulationen ohne offensichtliche Brüche der Verschlüsselung funktionieren, bleibt die Gefahr für die Teilnehmer in der Regel unsichtbar. Eine Überprüfung wäre nur möglich, wenn alle Beteiligten den gesamten Chatverlauf detailliert miteinander abgleichen würden – ein in der Praxis kaum umsetzbares Szenario.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-schreibtisch-sitzung-sitzen-9832472/ · Foto: Ron Lach
Quelle: https://www.heise.de/news/Verschluesselt-aber-falsch-Gruppenchats-anfaellig-fuer-manipulierte-Inhalte-11384095.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag